24. Dezember 2019 Erzbischof von Köln

Vielleicht kennen Sie dieses Wort, das Papst Benedikt XVI. zugeschrieben wird: „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt“. Mit Blick auf das Weihnachtsfest darf man getrost ergänzen: Es gibt so viele verschiedene Weisen, dieses Fest zu feiern, wie es Menschen gibt! 

Jede Familie aber auch jedes Land kennt eine eigene Art, dieses Fest zu begehen. Deshalb gibt es nicht nur hinsichtlich des Festmahls zwischen der traditionellen Weihnachtsgans hierzulande (oder Kartoffelsalat!) und dem „Plum-Pudding“ in Großbritannien eine große kulinarische Kluft.

Das gilt noch eindrücklicher für das Stadtbild. Wer sich bei uns über den angebotenen Spekulatius in den Supermarkt-Regalen kurz nach den Sommerferien schon aufregt, der sollte lieber nicht auf die Philippinen reisen. Dort wird Weihnachten nämlich – so konnte ich mir vor Ort selbst ein Bild machen – über viele Wochen ausgedehnt gefeiert. Schon lange vor Weihnachten sind die Häuser und Städte in ganzen Trauben von Lametta geschmückt, es blitzt und blinkt bunt und an jeder Ecke. Man könnte vielleicht vorsichtig sagen, dass es philippinischen Brüdern und Schwestern ganz offensichtlich gefällt, das Fest ein wenig „kitschig“ zu feiern. Aber schön ist es trotzdem und vor allem herzlich!

Aber ganz gleich wie wir das Fest feiern: Weihnachten hat uns etwas zu sagen. Die Botschaft der Heiligen Nacht ist ohne Kitsch und überzogenem Tamtam ganz simpel. Sie lautet „Du Mensch bist mir wichtig“ und sie kommt direkt von Gott. Denn er selbst wird Mensch in einem kleinen Kind in der Krippe. Warum? Weil Gott uns ganz nah sein möchte. Der Ewige, der Größte, der Unbedingte – er nimmt in dem Kind in der Krippe unsere menschliche Natur an. Er offenbart sich ganz, vollumfänglich. Nicht nur Zeichenhaft, sondern wird selbst Mensch, zu einem von uns.

Dieses scheinbar einfache und doch zugleich beinahe unbegreifliche Geschehen bleibt neben jeder feierlichen Ausgestaltung der Kern von Weihnachten. Deshalb ist das Schmücken unserer Häuser, der Kauf von Geschenken und das Aufstellen des Tannenbaums jedes Jahr wieder Anlass, sich an diese „ Frohe Botschaft“, an das Evangelium zu erinnern. Weihnachten ist der beste Anlass, um sich vor Augen zu führen, dass Gott bei uns ist. Es ist Anlass für eine im wahrsten Sinne des Wortes „ Evangelisierung“. Das bedeutet, die wunderbare Botschaft Jesu immer wieder neu zu entdecken, mit Leben zu füllen und an sich „heran zu lassen“.
Nicht für sich alleine, sondern als Zeuge dieser Botschaft für alle Menschen.

„Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“ (Mt 2,2) - das sagten die sogenannten „Sternendeuter“, die selbst Heiden waren. Ein Symbol innerhalb der Weihnachtserzählung dafür, welche Bedeutung und Strahlkraft die Geburt dieses Kindes im Stall von Bethlehem hatte und zugleich ein besonderer Auftrag an uns alle, die wir im Erzbistum Köln leben, in dem die Heiligen Drei Könige besondere Verehrung finden.

Es ist also gar nicht so entscheidend, wie Sie Weihnachten feiern. Aber feiern Sie es mit Freude und strahlen sie es aus. Nicht nur aus Tradition, sondern weil Weihnachten für jeden Menschen etwas ganz Besonderes bedeutet.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein frohes, gesegnetes und gnadenreiches Weihnachtsfest

Ihr
Rainer Maria Kardinal Woelki
Erzbischf von Köln