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Anker

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Anker

Vor Anker gehen ist nicht nur ein Begriff aus der Seefahrt, sondern auch im Alltag zu einer beliebten Redensart dafür geworden, dass jemand einen Ort gefunden hat, an dem er sich festmachen kann, wo er sesshaft wird: in einem schützenden Hafen bzw. einer Bleibe, die ihm Zuflucht bietet. Wo er angekommen ist, sich bindet, vielleicht heiratet. Nicht umsonst gibt es die Metapher vom „Hafen der Ehe“. Ein Anker sichert den Platz des Schiffes, macht es in der Tiefe des Meeresgrundes fest, bietet Rettung vor Sturm auf hoher See und gilt gemeinhin als Symbol für Hoffnung und Zuversicht.

Nach christlichem Verständnis bedeutet das Symbol des Ankers, dass Gottes Liebe Halt ist und Kraft gibt – wie ein starker Anker, der jeder Naturgewalt, jeder Erschütterung, jeder Anfeindung von außen trotzt und standhält. Auch wenn wir einmal sterben, bleiben wir mit Gott verbunden, finden wir bei ihm Aufnahme und Geborgenheit. Von dieser Hoffnung, in der wir "einen sicheren und festen Anker der Seele (haben), der hineinreicht in das Innere hinter dem Vorhang," (Hebr 6,19) leben wir als Christen. Der Anker gibt einen Hinweis auf unsere persönliche Verankerung, das heißt auf die Frage, was uns ausmacht, worin wir letztlich gründen und an wen wir glauben. 

Die kreuzförmige Ankerform ist – als Variante des Kreuzes – auch Sinnbild für den Tod Jesu Christi am Kreuz, aus dem für Christen Hoffnung auf Vollendung des irdischen Lebens und die Auferstehung erwächst. Im übertragenen Sinn ist der Anker auch Symbol für Beständigkeit und Treue. Er ist der einzig mögliche Halt für das treibende Schiff auf dem Meer und erlaubt somit, Ruhe zu bewahren angesichts tobender Gefühle, Zweifel und Irrfahrten sowie in Gott zu vertrauen, dass er uns zur Seite stehen wird. Wer glaubt und auf Gott vertraut, hat in den Stürmen und Gezeiten des Lebens dieser unruhigen Welt einen Anker, der Orientierung schafft. Deshalb sollten wir unsere Zuflucht dazu nehmen, "die dargebotene Hoffnung zu ergreifen", wie es an einer anderen Stelle im Hebräer-Brief heißt (6,18). 

Wer hingegen den Anker lichtet – auch das ein anschauliches Bild – löst sich aus der Sicherheit der Vertäuung, bricht in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang auf und riskiert, auf dem Wasser ziellos umherzutreiben. Nicht umsonst ist der Anker immer wieder auch ein gerne gewähltes Motiv bei Tätowierungen: Für Liebende ist das wie ein Versprechen, sich aneinander zu binden, einander die Treue zu halten. Sie sehnen sich danach, an einem Zielort anzukommen, einen Platz im Leben des anderen zu finden, zu erkennen, wo sie dauerhaft hingehören – eben "vor Anker gehen" können. 

Was dem Schiff die Sicherheit gibt, ist der starke schwere Anker, der sich in den Boden eingräbt. Was dem Leben Hoffnung schenkt, ist der Glaube an Gott, den Schöpfer und Bewahrer des Lebens. Angehörige, die um einen geliebten Menschen trauern, wünschen ihm, dass er nach der Fahrt des Lebens an das eigentliche Ziel kommt und bei Gott seine letzte Geborgenheit findet. 

Dr.  Eva-Maria Will

Dr. Eva-Maria Will

Referentin für Trauerpastoral

Sandra Behrendt

Sandra Behrendt

Sachbearbeitung

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