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Engel

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Engel

„Da hast Du aber einen Schutzengel gehabt.“ Der Satz fällt in Situationen, in denen man an einem Unglück vorbeigeschlittert ist, auch bei Menschen, die sich selbst nicht für besonders gläubig halten. Offenbar greifen sie auf diese Vorstellung zurück, weil sie dafür – buchstäblich und im übertragenen Sinn – keinen anderen Ausdruck haben und spüren, dass eine nicht fassbare Realität in diesem Moment in ihr Leben getreten ist.

Engel sind Himmelsboten, die Nachrichten überbringen und oft als singende und musizierende Wesen dargestellt werden. Die christliche Tradition spricht von immateriellen, geistigen Geschöpfen Gottes, die von ihm ausgehen, um uns zu helfen und unser Personsein – unseren innersten Wesenskern – zu schützen. Konkret wahrnehmbar kann das als ein innerer Impuls geschehen oder ein Gefühl von Geborgenheit. Als einen Engel bezeichnen wir auch einen Menschen, der uns zu Hilfe kommt, oder ein Wort, das uns im richtigen Augenblick trifft. Der Engel ist ein Bild dafür, dass Gott bei mir ist. "Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt", so heißt es im Psalm 91.

Eine über 1000 Jahre alte Antiphon, ein liturgischer Text aus dem Requiem, der Totenmesse, drückt eine Hoffnung aus: "Ins Paradies mögen Engel dich geleiten, bei deiner Ankunft die Märtyrer dich empfangen und dich führen in die heilige Stadt Jerusalem. Die Chöre der Engel mögen dich empfangen, und durch Christus, der für dich gestorben, soll ewiges Leben dich erfreuen." Hier findet die Vorstellung, dass die Seelen der Verstorbenen von Engeln „über die Schwelle des Todes in den Himmel getragen werden“, einen bildhaften Ausdruck. Nicht einmal der Tod kann dem Menschen etwas anhaben. Der Engel ist ein Bild für die Hoffnung, dass wir Menschen im Sterben nicht allein sind, sondern durch den Tod hindurch geleitet und zurückgetragen werden in die Hand Gottes.

Engel sind der Einbruch des Transzendenten in unsere Welt. Letztlich kann man von Engeln nicht sprechen, ohne von Gott zu reden. Von Anfang an bringen die biblischen Geschichten zum Ausdruck, dass Gott den Menschen weder in der Einsamkeit der Wüste, noch am Ölberg in seiner Angst und Not allein lässt. Durch einen Engel offenbart sich Gott und spricht zum Menschen, bestärkt und ermutigt ihn. Auch heute glauben Menschen, dass Gott sie in einer Krise oder einem inneren Konflikt nicht allein lässt.

Auf unseren Friedhöfen finden wir viele Engelsdarstellungen. Denn besonders im Trennungsschmerz nach dem Tod eines geliebten Menschen kann uns ein Engel an all das erinnern, wofür wir dem oder der Verstorbenen dankbar sein dürfen. Darüber hinaus sind Friedhofsengel Sinnbilder der christlichen Auferstehungshoffnung. Es waren Engel, die am Ostermorgen den Frauen am Grab Jesu das Geschehen von Tod und Auferstehung gedeutet haben: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten! Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden", lautete ihre Botschaft (Lk 24). Genauso sollen wir an den Gräbern unserer Verstorbenen nicht nur auf das schauen, was hinter uns in der Vergangenheit liegt, sondern darauf vertrauen, dass unsere Verstorbenen, aber auch wir eine Zukunft bei Gott haben in einem Leben, das nicht mehr endet. So kann der Engel als innerer Begleiter am Grab ein Bild der Hoffnung und des Trostes sein.  

Dr.  Eva-Maria Will

Dr. Eva-Maria Will

Referentin für Trauerpastoral

Sandra Behrendt

Sandra Behrendt

Sachbearbeitung

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