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Guter Hirte

Bild von einer Abbildung des Guten Hirten auf dem Friedhof Koblenz Neuendorf Bild von einer Abbildung des Guten Hirten auf dem Friedhof Koblenz Neuendorf

Guter Hirte

Das Bild des Hirten, wie es beispielsweise aus dem Buch Ezechiel bekannt ist (vgl. Ez 34), war in der Antike sehr lebensnah und alltäglich. Denn was heute Seltenheitswert hat, prägte früher vor allem die ländlichen Regionen: umherziehende Schafsherden auf der Suche nach saftigen Wiesen, ihrer Lebensgrundlage. Für das Überleben der Tiere in oft unwirtlicher Region war der Hirte verantwortlich; er hielt die Herde zusammen, kundschaftete Futterplätze aus und trug alleinige Sorge für sie.

Im Christentum ist der Hirte ein starkes und wiederkehrendes Symbol, denn mit ihm wird Jesus Christus selbst verglichen: Er ist der "Gute Hirte", der keines seiner Schafe verloren gibt, jedem einzelnen nachgeht, um es zu seiner Herde zurückzubringen. In diesem Kümmern, in dieser Hingabe und Liebe kommt seine Hirtensorge zum Ausdruck, mit der er Schutz und Geborgenheit vermittelt. Denn der Gute Hirte kennt seine Schafe und lässt sie nicht allein. Das tröstet, weil damit zugesagt ist: Ich bin nicht auf mich gestellt, nicht ausgeliefert: auch nicht in Gefahr, Angst oder Einsamkeit. Der Hirte schützt vor Bedrohungen von außen und bleibt wachsam. Darüber hinaus steht seine Sorge für Orientierung und Führung: Schafe finden den Weg nicht allein. Der Trost liegt darin, dass jemand den Überblick behält, leitet und begleitet – auch in unübersichtlichen dunklen Lebensphasen. Man darf gewissermaßen blind vertrauen, selbst wenn sich der Weg nicht immer erschließt. 

Im Psalm 23 heißt es: "Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich." Bilder wie "grüne Auen" und Ruheplatz am Wasser vermitteln inneren Frieden. Sie bringen zum Ausdruck: Es gibt einen Ort der Ruhe, auch wenn das Leben laut und schwer ist. Der Trost des Guten Hirten liegt in der Zusage, nicht allein zu sein, von Gott gesehen, getragen und geführt zu werden – selbst in Angst, Leid und Tod. In der Trauer um einen geliebten Menschen steht der Gute Hirte für die bedingungslose Fürsorge Gottes, der selbst im Angesicht des Todes und des Verlustes Trost, Halt und die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung schenkt. Der Psalm erinnert daran, dass, selbst wer durch das "finstere Tal" des Todes und der Trauer geht, nicht verlassen ist. 

Wie ein Hirte seine Schafe vor Gefahren schützt, verspricht der Gute Hirte, auch in der Trauer niemanden sich selbst zu überlassen und den Weg zu weisen. Er trägt die leidende Seele wie ein "verlorenes Schaf" auf seinen Schultern zurück zur Herde – im übertragenen Sinne dem Himmel entgegen – was Trost und Sicherheit spendet. Wörtlich verspricht Jesus: "Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen." 

Jesus spricht von sich als dem "Guten Hirten" (Joh 10,11), um seine liebende Fürsorge zum Ausdruck zu bringen. Er kennt jeden Menschen mit Namen, was die individuelle Verbundenheit und Liebe Gottes in der Trauer unterstreicht. Er geht so weit, sein Leben für die Schafe zu geben. Das bedeutet: Gottes Liebe ist keine abstrakte Idee, sondern eine Liebe, die leidet, trägt, alles riskiert und mitgeht – sogar durch Tod und Leid hindurch. 

Dr.  Eva-Maria Will

Dr. Eva-Maria Will

Referentin für Trauerpastoral

Sandra Behrendt

Sandra Behrendt

Sachbearbeitung

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