Kranz
Kranz
Schon die Völker der Antike sahen in Kränzen ein wichtiges, teils auch religiöses Symbol für das Leben, das Vollkommenheit bedeutete. Die alten Ägypter verehrten die Sonne im Bild des Kranzes als Gottheit. Die Griechen und Römer glaubten, dass die Verstorbenen in ein Reich der Toten hinübergehen. Für sie war der Kranz als Zeichen für Unsterblichkeit Teil ihres Totenkults.
Im Christentum gilt der Kranz als Symbol für Hoffnung, das ewige Leben und Unendlichkeit. Der Kreis ist ein altes, viel verwendetes Zeichen, das für die Einheit, für das Absolute, Vollkommene und damit Göttliche – den Himmel – steht. Kränze begleiten Christen ihr ganzes Leben lang: Es gibt Kinder, die schon bei ihrer Taufe ein zartes Kränzchen tragen – als Zeichen des Neubeginns. Bei anderen wird das Haar zur Erstkommunion mit kunstvollen Blütenkränzen geschmückt. Auch zur Zierde einer Braut gehörte in früheren Zeiten selbstverständlich der blumenreich gebundene "Jungfernkranz", wie er in der Literatur oft besungen wird, dazu. Und schließlich ist es auch am Ende eines Lebens der Kranz, den wir einem Verstorbenen beim letzten Geleit als Gruß mitgeben. Immer ist der Kranz Sinnbild: besonders des Glaubens an die Unsterblichkeit des Lebens, an das Bestehende im Wechsel der Zeit, an Erfüllung und Erneuerung.
Der Apostel Paulus vergleicht das Leben der Christen gelegentlich mit einem sportlichen Wettlauf, dessen Ziel "das ewige Leben" ist, das der Gewinner als "unvergänglichen Siegeskranz" erringt (1 Kor 9,25). Von daher sahen die Christen in ihm ein Bild des himmlischen Lohnes, den Christus den Menschen zuteil werden lässt, die ihm bis in den Tod die Treue gehalten haben. "Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben", lautet deshalb die Mahnung in der Offenbarung des Johannes (Offb 2,10). Und der Verfasser des zweiten Timotheus-Briefs schreibt rückblickend auf sein Leben: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue bewahrt. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sein Erscheinen ersehnen" (2 Tim 4,7f).
Kränze sind immer noch der wichtigste Teil des Blumenschmucks bei einer Trauerzeremonie, mit denen Kirche, Friedhofshalle, Sarg oder Urne dekoriert werden. Sie stehen für den Wunsch der Angehörigen, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, das Leben des geliebten Verstorbenen nicht vergeblich war, er mit dem auferstandenen Christus Sieger über den Tod ist und eingeht in die Ewigkeit. Mit einem aus ihren Lieblingsblumen gewundenen Kranz legen sie ihm diesen innigen Wunsch gewissermaßen mit ins Grab.

Dr. Eva-Maria Will

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