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Kreuz

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Kreuz

Für das Christentum ist das Kreuz das Symbol schlechthin, das von Anfang an anstößig war und es auch für viele heute immer noch ist (1 Kor 1,18). Denn Jesus wurde am Kreuz von den Römern wie ein Verbrecher hingerichtet. Deshalb war für sie der Glaube an den Gekreuzigten lächerlich und eine Torheit. Für die Juden aber war es ein Skandal. Für die Christen ist das Kreuz dagegen die letzte Konsequenz aus dem Leben, das Jesus für Gott und die Menschen gelebt hat. Sein Leben in äußerster Armut begann bereits mit seiner Menschwerdung im hilflosen Kind in der Krippe (vgl. Phil 2,6f). Doch Gott hat sich treu gegenüber seinem Sohn Jesus erwiesen, ihn nicht im Tode gelassen, sondern aus dem Todesschlaf auferweckt in ein neues Leben, das nie mehr endet.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass das Kreuz zu den ersten Symbolen zählt, das die Christen auf Grabsteinen verwenden, um ihre Hoffnung auf die eigene Auferweckung auszudrücken. Die Verehrung des Kreuzes nimmt stark zu, nachdem Helena, die MutterKaiser Konstantins, das Kreuz Jesu in Jerusalem auffindet und dort die Grabeskirche bauen lässt. Schon bald gehört das Kreuz zum Bildprogramm spätantiker Kirche und erscheint überdimensional in deren Apsis. Dabei wird das Kreuz nun nicht mehr nur als Marterwerkzeug dargestellt, sondern als Hoffnungszeichen, indem es prächtig gestaltet und mit Gold und Edelsteinen verziert wird. In der Romanik wird auch der Körper des Gekreuzigten auf den Kreuzesbalken dargestellt (das Kruzifix). In der gotischen Zeit, die von Pestseuchen und Kriegen geprägt ist, wird Jesus nicht mehr als aufrechtstehender, triumphierender Christus mit Krone gezeigt, sondern als Leidender. Menschen betrachten die Wunden, das Leiden und Sterben Jesu und schöpfen daraus Kraa für den Umgang mit ihren eigenen körperlichen und seelischen Leiden und hoffen gleichzeitig, einmal wie Jesus aus dem Tod befreit und ins ewige Leben heimgerufen zu werden.

In der Taufe werden die Menschen auf den Tod Jesu Christ getauft. Das bedeutet, dass sie ihr Leben fest an das seinige binden. Sie kehren ihrem bisherigen Leben den Rücken, „sterben“ gewissermaßen für die Sünde und leben – gestärkt durch den Geist Gottes – als neue Menschen nach dem Vorbild Jesu. Sie vertrauen darauf, dass sie, obwohl sie einmal sterben müssen, wie Jesus Christus aus dem Tod auferweckt werden. Als Zeichen für dieses neue Leben, das sie in der Taufe empfangen haben (Röm 6,4), bezeichnen sich die Christen immer wieder selbst mit dem Kreuzzeichen. Mit dieser Geste erinnern sie sich daran, dass sie getauft wurden und dass ihnen dabei "auf den Kopf zugesagt wurde", dass sie am Ende ihres irdischen Lebens nicht ins Verderben stürzen, sondern das ewige Leben auf sie wartet.

Dieses Vertrauen und diese Hoffnung werden sinnfällig in einem Ritus der kirchlichen Begräbnisfeier, wenn am Ende der Verabschiedung von dem Verstorbenen das Kreuz über seinem Grab aufgestellt wird. Denn das Kreuz erscheint auch hier nicht als Folterinstrument, sondern als Sinnbild der Hoffnung, dass der Tod das Tor zu einem neuen und ewigen Leben ist. In einem Gebet der  Begräbnisfeier heißt es deshalb auch, dass den Toten das Leben nicht genommen, sondern nur gewandelt wird.

Dr.  Eva-Maria Will

Dr. Eva-Maria Will

Referentin für Trauerpastoral

Sandra Behrendt

Sandra Behrendt

Sachbearbeitung

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