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Muschel

Tomasetti Beatrice Muschel Tomasetti Beatrice Muschel

Muschel

In der Regel sind Muscheln Fundstücke, die das Meer aus seiner Tiefe an Land spült. Es gibt Menschen, die entwickeln geradezu eine Passion, bei Strandwanderungen die vielen unterschiedlichen Muschelschalen – teils von atemberaubender Schönheit – aufzulesen, um sie zu sammeln. Als eine ganz besondere Muschel gilt von alters her die Jakobs- oder Pilgermuschel, die man entlang der Küsten des Atlantiks finden kann und die schon in der griechischen Mythologie ihre Bedeutung hatte: als Fahrzeug des mächtigen Herrschers und Meeresgottes Poseidon. Die Unterwasserwelt symbolisiert das Mysterium des Wachstums und neuen Lebens.

Aus dem Schaum der Wogen des Meeres wurde auch Aphrodite, die Göttin der Liebe und der weiblichen Schönheit, geboren. Sie trägt immer eine Muschel – das Symbol des Meeres – mit sich. Die Römer nannten die Göttin der Liebe und der weiblichen Schönheit Venus. Ein altrömisches Fresko in Pompeji zeigt die Venus liegend in einer Muschel, die auf den Wellen des Meeres schwimmt, was 1485 Sandro Botticelli zu seinem berühmten Gemälde "Die Geburt der Venus" inspirierte. 

In der modernen Ausdeutung der christlichen Symbolik ist Maria die wahre Aphrodite. Denn die Perle – das Zeichen der Kostbarkeit, das aus der Muschel hervorgebracht wird – symbolisiert die Menschwerdung Jesu. Die Muschel ist demnach das Sinnbild für Maria, die Jesus geboren hat. Bei der Taufe, in der der Täufling aus dem Geist neu geboren wird, wird die Muschel auch zum Wasserschöpfen verwendet. Viele Taufbecken oder die Weihwasserbecken in den Kirchen haben die Form einer Muschel. 

Mit einer besonders schönen Perle, die in der Muschel heranwächst, vergleicht Jesus selbst das Himmelreich (Mt 13, 45f), für die ein Kaufmann alles aufgibt, was er hat, um nur diese eine Perle zu besitzen. So wird die Muschel auch zum Symbol für uns selbst oder für unser Herz. Ein Christ ist jemand, der die Perle des Glaubens in seinem tiefsten Inneren trägt und darin bewahrt wie etwas ganz besonders Kostbares. Ferner werden die zwei Hälften der Jakobsmuschel in der christlichen Symbolik als die zwei Gebote der Liebe gedeutet: Denn der Träger soll Gott über alles lieben und seinen Nächsten wie sich selbst. 

In der christlichen Tradition symbolisiert die Muschel das Grab, das den Menschen nach seinem Tod bis zur Auferstehung umschließt. Die Jakobsmuschel steht aber auch noch für etwas anderes: für Unterwegssein mit einem festen Ziel im Blick. Pilger auf dem Jakobsweg zum Beispiel tragen eine solche Muschel bei sich, die zum Wasserschöpfen genutzt werden kann. Denn der Name Jakobsmuschel bezieht sich auf den heiligen Jakobus, der als Schutzpatron der Pilger gilt. So dient die Muschel als Symbol für die Bewältigung eines Weges wie des berühmten "Camino de Santiago", der Hauptroute aller Jakobswege, aber auch für die ganz persönliche, innerliche Pilgerreise, die auch eine Schatzsuche ist: eine Suche nach dem, was erfüllt, eine Suche nach wertvollen Perlen. Und letztlich eine Suche nach Erfüllung und Sinn. 

Menschen suchen Perlen. Menschen suchen Sinn. Menschen suchen den Himmel. Menschen suchen Gott. Das heißt, als Pilgernde auf dieser Erde ahnen wir, dass es mehr geben muss als diese sichtbare Welt. 

Dr.  Eva-Maria Will

Dr. Eva-Maria Will

Referentin für Trauerpastoral

Sandra Behrendt

Sandra Behrendt

Sachbearbeitung

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