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Schmetterling

Bild von einem Schmetterling auf dem Melatenfriedhof Bild von einem Schmetterling auf dem Melatenfriedhof

Schmetterling

Der Anblick eines Schmetterlings, dessen malerisch bunte Flügel die Sonne zum Leuchten bringt, löst meist Freude aus. Gleichzeitig erscheinen Schmetterlinge als schützenswert, denn sie haben etwas Zerbrechliches an sich, und ihre Lebenszeit ist oft kurz. Dieses sehr begrenzte „blühende“ Dasein mag auch ihre Faszination ausmachen. Entsprechend dient ihre Metamorphose von einer Raupe zu einem geflügelten Wesen von großer Schönheit in vielen spirituellen Traditionen als kraftvolle Metapher für Wandel und Entwicklung. Ihr Lebenszyklus, der die Phasen von Larve, Puppe und Schmetterling umfasst, symbolisiert Übergang und Wiedergeburt. Diese Verwandlungsfähigkeit wird mit spirituellem Erwachen und der Fähigkeit verbunden, Hindernisse zu überwinden und ein höheres Bewusstseinsniveau zu erreichen.

Auch in der christlichen Kultur passt der Schmetterling mit seinen vielfältigen Bedeutungen gut zu Tod, Vergänglichkeit und Hoffnung: Er repräsentiert die spirituelle Verwandlung des Menschen und die Möglichkeit, alte Gewohnheiten abzulegen und ein neues Leben zu beginnen. Mit diesem Gedanken verbindet sich der Glaube, durch die Taufe neu geschaffen und in ein neues Leben in Christus geboren zu werden: "Wenn also jemand ist Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung." (2 Kor 5,17) 

Die Verwandlung des Schmetterlings wird oft als Sinnbild für den Übergang vom Leben zum Tod und umgekehrt vom Tod zum Leben verstanden. Die Verpuppung wird mit dem Tod (oder dem Grab) verglichen, das Schlüpfen des Schmetterlings mit der Auferstehung zu neuem, unvergänglichem Leben. Der Tod gilt dabei nicht als Ende, sondern leitet einen Transformationsprozess in eine andere Existenzform ein. Daher steht der Schmetterling nicht nur für Verlust, sondern gerade für einen Neuanfang – und damit für etwas, was sich oft in den Gefühlen von Hinterbliebenen als leise Hoffnung widerspiegelt. Deshalb ist der Schmetterling ein beliebtes Motiv auf Grabsteinen und Trauerkarten – gerade bei verstorbenen Kindern, sogenannten Schmetterlingskindern – als Zeichen dafür, dass etwas bleibt oder sich verwandelt. Schmetterlinge erinnern uns daran, dass unsere Lieben, auch wenn sie nicht mehr physisch anwesend sind und schmerzlich vermisst werden, immer bei uns sind. 

Schon in der Antike stand der Schmetterling für die Seele, denn im Altgriechischen bedeutet das Wort "psyche" sowohl Seele als auch Schmetterling. Im christlichen Glauben wurde die Verwandlung des Schmetterlings von einer Raupe in ein fliegendes Insekt häufig als Metapher für das Leben nach dem Tod und die Auferstehung verstanden. Dementsprechend galt der Schmetterling, der zwar kein biblisches Symbol ist, dennoch als Sinnbild für die unsterbliche Seele. Im frühen Christentum war die Verwandlung – die Metamorphose – ein Bild für die Auferstehung Jesu Christi. Weil sich damit die Hoffnung auf das ewige Leben verband, wurden Schmetterlinge auf frühchristlichen Grabstätten sowie Sarkophagen dargestellt. Damit verweist der Schmetterling in der theologischen Symbolsprache darauf, dass das Leben nicht im Tod endet, sondern in Gott seine Vollendung findet. Seine Leichtigkeit und Farbigkeit machen ihn zu einem Zeichen der Hoffnung und der Freude über die Überwindung des Todes – nicht nur, aber besonders zu Ostern. 

Dr.  Eva-Maria Will

Dr. Eva-Maria Will

Referentin für Trauerpastoral

Sandra Behrendt

Sandra Behrendt

Sachbearbeitung

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