Weg
Weg
Wege haben etwas Dynamisches und sind mit Aufbruch verbunden, weshalb sie auch von unterschiedlichen Gefühlen begleitet werden, wie von Freude, Unsicherheit, Zweifel oder Angst. Immer schon bargen Wege – nicht zuletzt auch klimatisch bedingt – ein Risiko, zumal sich der Mensch über Jahrtausende zu Fuß bewegte, um sein Ziel zu erreichen. Der Weg ist aber auch ein uraltes Symbol für den Lebensprozess: einerseits für die Entscheidungen, die jemand bewusst trifft oder auch Weichenstellungen, die sich ergeben, andererseits für den inneren Entwicklungsprozess. "Sich auf seinen Weg zu begeben", meint deshalb auch, das eigene Ich zu entdecken und sich selbst zu verwirklichen. In vielen religiösen Traditionen ist der Weg darüber hinaus Symbol für die Suche nach dem Göttlichen.
In der Bibel kommt das Wort "Weg" häufig vor. Im Buch Genesis wird Gott als ein "mitgehender" beschrieben. "Zeige mir, HERR, deine Wege, lehre mich deine Pfade", heißt es etwa in Psalm 25,4. Und im Neuen Testament wird Jesus dann zum alleinigen Weg, der wahres Leben verheißt. Doch wie gesagt, mit Christus als dem eigentlichen Ziel der Vollendung des Lebens kann der Weg, zu dem immer auch Innehalten und Umkehr gehören, mühsam sein. Trotzdem: Gott gibt Geleit, niemanden lässt er auf den Klippen eines unwegsamen Geländes allein.
Der Weg ist das Sinnbild für Menschsein schlechthin. Da gibt es Wege, die man ganz allein geht: zu einer Prüfung; zum Arzt, der mit einer Diagnose wartet; zu einem kranken Freund; weg aus einer Beziehung; schließlich zum Sterben. Und es gibt die beschwingten frohen Wege, die von anderen begleitet werden: zu lieben Freunden; zu einer Verabredung oder einem Fest und nach Hause zur Familie, die einen erwartet. Das Motiv des Weges symbolisiert die Bewältigung dessen, was uns aufgetragen ist; den Umgang mit den damit verbundenen Tiefen und Höhen auch im Sinne von Lebensprüfungen, um am Ende doch Gottes Willen zu erkennen, ein erfülltes Leben zu führen und Frieden zu finden. Niemals ist es zu spät, sich auf diese Einladung einzulassen – auch nicht im Angesicht des Todes.
Jeder Lebensweg auf dieser Erde endet unweigerlich mit dem Tod. Doch nach christlichem Verständnis ist mit dem Tod nicht alles aus. Denn im Johannesevangelium sagt Jesus: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich!" (Joh 14,6) Was so viel bedeutet wie, allein durch Christus führt der Weg zum Himmel und damit zu einem Leben in Fülle. Wer Jesus Christus nachfolgt, der geht demnach nicht verloren. Aus dieser Selbstaussage Jesu geht hervor, dass die tiefste Erfüllung und der Sinn des Lebens darin bestehen, Jesus zu folgen und auf ihn zu vertrauen – auch wenn dieser Weg nicht immer einfach ist und aus Herausforderungen besteht.
Jesu Zusage "Ich bin der Weg" ist wie ein Leuchtturm in der Dunkelheit, der den Weg weist und Hoffnung schenkt. Wer den Wegen Gottes traut, hat das Ziel seines persönlichen Lebens- und Glaubensweges erreicht. Der ist geliebt, nie allein und darf sich geborgen wissen in der unendlichen Liebe Gottes.

Dr. Eva-Maria Will

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