
Jeder Mensch trägt eine einzigartige Lebens- und Glaubensgeschichte in sich. Im Rückblick können Lebensfäden sichtbar werden: Menschen, die uns geprägt haben, Entscheidungen und Wendepunkte, glückliche Erfahrungen und schmerzhafte Zeiten. Vielleicht werden dabei auch Glaubensspuren erkennbar: Worte der Bibel, die uns begleitet haben, Menschen, durch die uns etwas von Gott begegnet ist, Erfahrungen, in denen wir uns getragen fühlten, ebenso wie Zeiten des Zweifelns und der Gottesferne.
Ein solcher Rückblick braucht nichts zu beschönigen. Zur eigenen Lebensgeschichte gehören Gelungenes und Unvollendetes, Schuld und Versöhnung, Dankbarkeit und offene Fragen. Manches verstehen wir vielleicht erst im Abstand vieler Jahre. Andere Erfahrungen bleiben rätselhaft. Das eigene Leben anzuschauen und anzunehmen, kann selbst zu einem geistlichen Weg werden.
Der Theologe Heinz Rüegger beschreibt die Rückschau im Alter und hohen Alter als eine Möglichkeit, das eigene Leben neu zu deuten und darin Zusammenhänge und Sinnspuren zu entdecken. Spiritualität kann dabei helfen, die eigene Geschichte nicht nur als Abfolge von Ereignissen zu betrachten, sondern nach dem zu fragen, was sie im Innersten getragen und zusammengehalten hat.
Auch die christliche Mystik kennt diesen Weg nach innen seit Jahrhunderten. Teresa von Ávila, Johannes vom Kreuz, Meister Eckhart, Ignatius von Loyola und Edith Stein beschreiben beispielsweise auf unterschiedliche Weise einen Weg, auf dem der Mensch tiefer zu sich selbst und zugleich tiefer in die Beziehung zu Gott findet.
Für Ihre persönliche Spurensuche
Nehmen Sie Ihr Notizheft zur Hand. Zeichnen Sie Ihre Lebensfäden oder Ihren Lebensfluss, zunächst ganz ohne Bewertung. Markieren Sie wichtige Stationen mit Worten, Farben oder kleinen Bildern. Vielleicht erstellen Sie auch eine kleine Kollage, indem Sie Bilder aus Zeitschriften oder Kalendern nutzen.
Sie können Namen, Symbole, Farben oder kleine Bilder verwenden. Vielleicht möchten Sie schöne und schwere Erfahrungen unterschiedlich kennzeichnen. Vielleicht ergibt sich Ihre ganz eigene Form.
Lassen Sie sich von folgenden Fragen begleiten:
- Was hat mich geprägt und was hat mich getragen?
- Wer oder was hat mich geprägt?
- Welche Menschen haben mir etwas fürs Leben mitgegeben?
- Wo habe ich mich getragen gefühlt?
- Welche Erfahrungen haben meinen Glauben verändert?
- Wo war Gott für mich – und wo habe ich ihn vermisst?
Tipp: Sie brauchen nicht alles aufschreiben. Vielleicht genügt zunächst ein Name, ein Wort, eine Farbe oder ein Bild. Manchmal wird erst im Rückblick sichtbar, was uns getragen hat.







