Gemeinsam unterwegs - Ehevorbereitung mit den Füßen

23. März 2018

 

"Und auf dem Weg Seite an Seite sind wir viel mehr als zwei."

Dieses Zitat des Dichters Mario Benedetti aus Uruguay findet sich im Schreiben "Amoris Laetitia - über die Freuden der Liebe" von Papst Franziskus. Das ganze Schreiben versteht das Sakrament der Ehe als Weggemeinschaft zweier Menschen, die miteinander im Glauben wachsen, alte Pfade verlassen um neues Land zu erobern.

 

Inspiriert von diesem Bild mache ich mich Jahr für Jahr mit den Paaren, deren Trauung ich begleite, auf den Weg. Wir nehmen ein Stück des Jakobsweges im Rheinland unter unsere Füße, Papst Franziskus und ein wenig Essen ins Gepäck und lassen uns einen Tag lang ein, miteinander den Weg und etwas von unserem Glauben zu teilen. Zunächst waren es ganz pragmatische Gründe, die mich bewogen haben, diese Form der Ehevorbereitung zu wählen. Als Diakon mit Zivilberuf sind meine zeitlichen Ressourcen eher knapp bemessen. Zudem haben auch die Paare in der Regel wenig Zeit und Energie, viele Abendtermine wahrzunehmen. Oft haben Sie schon Kinder oder sind beruflich sehr eingebunden. So kommt es uns allen entgegen, einen festen Tag für eine Wanderung zu reservieren. Die weitere Begleitung auf dem Weg in die Ehe geschieht durch Briefe und zwei Treffen, die sehr praktischen Charakter haben - dem Ausfüllen des Ehevorbereitungsprotokolls und der Absprache des Gottesdienstes.

 

Der Weg, den ich gefunden habe, hat sich im Nachhinein aber als echtes geistliches Geschenk erwiesen. Nicht nur, dass wir ein Stück auf dem Jakobsweg unterwegs sind - jenem uralten Pilgerweg, der wie kein anderer für die Sehnsucht der Menschen nach Heiligen Orten und Zielen steht. Auch bietet "unser" Weg viele markante Punkte, die zum Innehalten einladen. So denken wir an der Kreuzung "Siebenwege" an die Wege, die die Partner alleine gegangen sind, die sich getroffen haben und werfen einen Blick in die Zukunft. Wir machen Rast am "Swister Türmchen" einem Überrest der alten Pfarr- und Wallfahrtskirche des untergegangenen Dorfes Swist auf dem Swisterberg (erbaut ca. 1100–1125). Dort schauen wir auf die Spuren Gottes auf unserem Lebensweg. Ein kurzes Stück des Weges läuft entlang der Autobahn. Mitten im Lärm gehen wir im Schweigen, halten aus, dass unsere Umgebung manchmal anstrengend ist. Wir teilen das mitgebrachte Essen in einer schönen Bucht am so genannten Silbersee.

 

Am Ende der Wanderung wartet die Birkhof - Kapelle auf uns. In der Stille dieser kleinen Kapelle segnen sich die Paare gegenseitig, sprechen sich den Segen Gottes für die letzte Etappe auf dem Weg in die Ehe zu. Es sind die kleinen Momente, Sonnenstrahlen, das gemeinsame Lachen, Stille in der Natur, die diese Wanderung auch für mich jedes Jahr zu einer besonderen Wanderung machen. Am Abend verabschieden sich die Paare, die sich in der Regel vorher nicht gekannt haben, meist mit den Worten: "alles Gute für Eure Hochzeit - wir werden an Euch denken." Es stimmt schon, was ein Filmtitel verspricht: zusammen ist man weniger allein. 

Zum Autor

Tobias Wiegelmann ist Diakon mit Zivilberuf. Als Solcher macht er sich manchmal mit Paaren auf dem Weg, das Geheimnis von Gottes Liebe in ihren Beziehungen zu entdecken.

 

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