Über die Sinne zum Sinn

Die Franz-Kett-Pädagogik in der Verkündung, Bildung und Katechese

11. März 2019

Viele kennen die farbigen Tücher und Materialien, die im Stuhlkreis oder vor dem Altar zu Legebildern gestaltet werden. Sie dienen nicht der Ausschmückung von Weisheitsgeschichten und Erzählungen der Heiligen Schrift, sondern sind deren Verbildlichung. Die Legebilder lassen in Kontakt kommen mit der frohen Botschaft und wollen auch das zunächst Verborgene der Botschaft entschlüsseln. „Das Verborgene und das Sichtbare sind nicht dasselbe. Das Verborgene leuchtet uns über das Sichtbare ein“ (Heft zur Religionspädagogischen Praxis, RPP-Verlag Landshut 2003, Nr. 4, S. 21), sagt Franz Kett, auf den die Kett-Pädagogik zurückgeht.

Die gestalteten Legebilder, die zumeist in der Mitte eines Stuhlkreises durch die Beteiligung aller im Kreis entstehen, wecken gemeinsam mit Körpererfahrungen, Klängen, Tänzen und Liedern in uns Erinnerungen, Assoziationen und innere Bilder. In einer Anschauung, wie die Einheiten in der Franz-Kett-Pädagogik genannt werden, hören die Teilnehmenden nicht einfach nur eine Geschichte untermalt von Legebildern, sondern die Teilnehmenden erleben und erschließen sich die Weisheit und den Kern der Botschaft mit allen Sinnen ganzheitlich.

Daher sprechen wir bei dieser Pädagogik von ganzheitlichem, sinnorientiertem Erziehen und Bilden (abgekürzt: GSEB). „Es geht um unser inneres Leben. … Die Welt mit ihren sichtbaren Dingen ist das Wie. Im Anschauen dieser sichtbaren Welt finden wir Bilder für das verborgene Innen.“ (ebd) Eine Anschauung gliedert sich in der Regel in vier Phasen: Eine Disposition als Einfindung im Kreis (1), Begegnung mit der Botschaft durch die Gestaltung im Kreis (2), Vertiefung der Botschaft in uns (3) und Deutung des Erlebten vor Gott (4).

Die Franz-Kett-Pädagogik ist vor ca. 50 Jahren aus der Praxis heraus im Elementarbereich als Religionspädagogische Praxis (RPP) entstanden. Franz Kett, der damals im Erzbistum München-Freising für die Religionspädagogik im Kindergartenbereich zuständig war, hat sie in den Anfängen zusammen mit Schwester Ester Kaufmann entwickelt, die Kindergartenleiterin in München war. Offenbar war sie für viele religionspädagogisch Arbeitende wie Lehrer*innen, Erzieher*innen, Katechet*innen, Bildungsreferent*innen und alle pastoralen Dienste eine Antwort auf die pädagogische Situation und Diskussion der 1960er und 1970er Jahre.

Es war spürbar, dass man mit dem ganzheitlichen Weg der RPP die Kinder gut erreichen konnte. Ein Vorteil der RPP war, dass sie im praktischen Tun und im ständigen Ausprobieren entwickelt wurde. Sie verbreitete sich nicht nur räumlich von München aus in den gesamten deutschsprachigen Raum (und inzwischen darüber hinaus), sondern wird heutzutage in allen Altersgruppen und für die verschiedensten Zielgruppen eingesetzt. Es scheint, dass sich die RPP als ‚gute Idee‘ einfach durch das praktische Tun vieler durchgesetzt hat.

Für die, die nach der Franz-Kett-Pädagogik arbeiten, ist es besonders wichtig, dass die Teilnehmenden mit sich, mit den anderen in der Gruppe und mit den Materialien achtsam umgehen. Dies trägt wesentlich zum Gelingen einer Anschauung bei, die stets auch einen persönlichen Aneignungsprozess der Inhalte durch die Teilnehmenden fördern soll.

Erste Veröffentlichungen gab es seit Mitte der 1970er Jahre. 1978 gründete sich der RPP-Verlag in Landshut, der bis heute eine Quartalsschrift herausgibt mit ganz praktischen Anleitungen für eine ganzheitliche Glaubensverkündigung. Hier wirken Schwester Ester Kaufmann und Pater Meinulf Blechschmidt in einem Kreis von Mitarbeitenden weiter.

Franz Kett hat sich 2010 von diesem Verlag getrennt und den Franz-Kett-Verlag in Gröbenzell gegründet. Dieser Verlag gibt seitdem ein Pädagogisches Jahrbuch und eine Reihe von Veröffentlichungen und Arbeitshilfen heraus. Zeitgleich bildete sich ein Institut für ganzheitlich, sinnorientierte Pädagogik, das sich seit 2019 ‚Institut für Franz-Kett-Pädagogik GSEB‘ nennt und seinen Sitz in Hamburg hat. Unter der wissenschaftlichen Begleitung des Religionspädagogen Prof. Dr. Reinhold Boschki (früher Universität Bonn, jetzt Tübingen) ist ein Ausbildungskonzept zur Qualitätssicherung der Franz-Kett-Pädagogik entstanden.

Basierend auf einem christlichen Gottes- und Menschenbild möchte die Franz-Kett-Pädagogik als Beziehungspädagogik die Welt anschauen, entdecken und durchdringen. Alles geschieht mit großer Achtsamkeit. Indem man im Tun Achtung übt, übt man Achtung zu üben – gemäß dem ‚learning by doing‘ nach John Dewey – und formt so eine Haltung.

Auch in Köln wird die Religionspädagogische Praxis (RPP), jetzt Franz-Kett-Pädagogik, seit Jahrzehnten angewandt und das ‚Institut für Franz-Kett-Pädagogik GSEB‘ ist durch eine Regionalgruppe vertreten. Es finden regelmäßig Fortbildungen auch in Zusammenarbeit mit dem Erzbistum Köln und dem Diözesancaritasverband statt.

Kontakt zur Regionalgruppe des ‚Institutes für Franz-Kett-Pädagogik GSEB‘:

Referent für Gemeindepastoral J. Markus Schlüter
Wilhelmstr. 74, 53721 Siegburg,
Festnetz.:  02241 / 2 55 42 – 20,
Fax:  02241 / 2 55 42 – 60,
Mobil: 0179 / 51 58 277,
Mail: j.m.schlueter(at)gemeindepastoral-siegburg.de

Zum Autor

Pastoralreferent Wigbert Spinrath
RPP-Multiplikator
Kursleiter und Trainer in der Kett-Pädagogik

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