Vom Geheimnis des Lebens berührt - ein Interview zur Taufkatechese

Mit welchen Fragen kommen Eltern heute in die Gemeinde? Was bewegt Menschen, selber Taufkatechet/in zu werden? Ein Interview mit der Pastoralreferentin Doris Dung-Lachmann.

16. Mai 2018

Liebe Frau Dung-Lachmann, sie sind seit über 20 Jahren in der Taufpastoral der Gemeinde tätig. Schon in der Mitte der 1990er Jahre haben Sie in Düsseldorf mit dem Aufbau der Taufkatechese begonnen und nun ist dies seit vielen Jahren einer Ihrer Aufgabenbereiche hier in Köln. Was umfasst ihre Arbeit und wie verstehen Sie Taufpastoral vor Ort?

Meine Arbeit umfasst einerseits den Aufbau und die Begleitung der Taufvorbereitung für Eltern von Babys und Kleinkindern und gesondert auch Kindern im weiteren Alter oder Jugendlichen. Und meine Arbeit bezieht sich auf alle Entwicklung und Klärung von Taufwünschen bei Eltern und Menschen jedes Alters, jeder familiären oder sonstigen Lebenssituation.

Dabei erlebe ich die Taufe wie ein Tor, das Eltern und Ihren engen Zugehörigen ermöglicht, einen großen Raum zu betreten; entweder einen ihnen vertrauten Raum neu zu aufzusuchen, oder einen ganz neuen Raum zu betreten und den darin liegenden Segen zu erfahren und auf ihre Weise auszuloten.

Sie meinen den Kirchenraum? Wenn man den Begriff weit fast, dann ja. Menschen betreten anlässlich einer Taufe eine Kirche, ein konkretes Gotteshaus, in dem Sie in einem konkreten sakramentalen Geschehen wieder, wieder neu oder auch zum ersten Mal in dieser Weise Gottesbegegnung erfahren. Auf diesen konkreten Moment und diese gottesdienstliche Feier hinein bereiten wir Eltern – und gerne auch Großeltern oder Paten- vor. Das Betreten des spirituellen Raumes aber beginnt viel früher und der Raum hat viel weitere Ausmaße, und somit ist auch der Raum der Gottesbegegnung und damit das sakramentale Geschehen in Gänze wesentlich größer zu denken. Das beginnt mit dem ersten Kontakt der Menschen mit den Menschen im Pfarrbüro, oder heute mit der digitalen Präsenz unserer Gemeinde, der sie zu Hause auf der Couch sitzend begegnen. Hier setzen Menschen den ersten Schritt in diesen Raum, ein erster Schritt, hin zu einem scheinbar sehr schlichten und konkreten Ziel:   „Wir wollen, dass unser Kind getauft wird.“ Und doch ist dies  in der Tiefe ein Schritt, in dem es um viel mehr geht…. Denn in allen Bemühungen um das Kind – wie alt es auch sei – geht es wesentlich um die Eltern selbst. Um die eigenen inneren Anteile, die sich da vorsichtig einer wie auch immer gearteten größeren Wirklichkeit öffnen.

Welche Menschen kommen, um ihre Kinder Taufen zu lassen? Das Spektrum der Eltern ist so bunt, wie die Stadtteile, in denen wir hier Kirche leben. Da gibt es noch Vater-Mutter-Baby-Familien, bei denen die Eltern möglicherweise auch selbst als Kinder noch Erfahrungen mit Kirche gemacht haben; parallel dazu völlig aufgelösten Familienstrukturen, in denen ich Mühe habe, die Geschwister den richtigen Vätern zuzuordnen, in denen junge Mütter schon viel Zerrissenes im Leben erfahren haben, daneben Menschen aus allen Ländern dieser Erde mit unterschiedlicher Prägung, und ebenso Intellektuelle, die ihren Kindern Glauben als kulturelles Identifikationsgut erhalten möchten. Die meisten Eltern haben sehr lange schon keine oder bestenfalls eine Weihnachtsbeziehung zur Kirche; sie sind ev., kath., oder ausgetreten, mit und ohne Paten und zunehmend mit dem Wunsch der einzige – nichtkirchliche – Bezugsmensch möge Pate werden… . Kinder werden bei uns in jedem Alter getauft, weil Eltern oder auch zunehmend Kinder selbst das möchten und es gibt fast jedes Jahr auch Erwachsenentaufen.

Beschränken wir uns in diesem Gespräch auf die Kindertaufe - welche Motive bringen die Eltern mit und wie begegnen sie diesen Motiven?

Die Offenen oder die verdeckten Motive?

Bei Babytaufen nennen Eltern am aller häufigsten die Frage nach dem „Schutz Gottes für das Kind“ oder auch, das Kind möge im Leben „immer einen bei sich haben, worauf es sich verlassen kann“ und immer noch „das Kind muss ja irgendwo zugehören“ und  „ein schönes Fest für das Kind feiern“ und der Kita- oder auch Schulplatz kommt in Mode. Weit dahinter die Tradition, die Möglichkeit des Kindes zu Gruppen und Kreisen der Gemeinde zu gehören, die zunehmend die kulturelle Identität. Je älter die Kinder werden, um so eher spielt die eigene Motivation der Kinder eine Rolle, wird eine eigene Vorbereitung gebraucht uvm.

 

Gerade die ersten zitierten Elternsätze weisen aber auf viel tiefere Motive hin und beschreiben für mich die besondere Chance und den Luxus des Sakramentes Taufe in der Pastoral. Ein Kind zu haben reisst in den Menschen - insbesondere im Moment der Geburt und der ersten Zeit danach, aber auch noch Jahre später - den ganzen Horizont existentieller  Fragen und inneren Berührungen auf und es stellt die Frage nach Verantwortung - und mit all dem die Frage nach Spiritualität im weiten Sinn. Und mit diesen Fragen betreten Eltern bei uns den Raum christlicher Religiösität. Das müssen wir nicht machen; Eltern kommen damit von sich aus auf uns zu – und das in unserer postmodernen Situation. Sie klopfen an die Türe und es ist an uns, ihnen den Raum zu öffnen und sie Schritt für Schritt mit in die Weite zu nehmen, bis zu dem Punkt, zu dem sie selbst in diesem Moment gehen können und wollen. Dies insbesondere weil Eltern selbst um ihre eigenen Fragen, Sehnsüchte und Glaubensimpulse oft gar nicht wissen – weil sie ihnen nicht be-wusst sind.  Hier geht es um ein in Beziehung setzen von Leben und Glauben. Dabei geht es nicht um Belehren, wohl um Information im Respekt vor individueller Freiheit und um eine Art Hebammenfunktion, das Persönliche zu heben, in dem es wertgeschätzt wird und Raum und Resonanz erfährt und damit auch um das Finden bewusster und tragfähiger Entscheidung.  Dies ist ein Weg vom ersten Kontakt mit der Pfarrgemeinde über die Taufkatechese bis zur Tauffeier und dem Geschehen am Taufbecken und für mich ist dies insgesamt ein sakramentaler Raum.  

Wie gestalten Sie die Taufvorbereitung in ihrer Gemeinde?

 

Im Idealfall erlebt eine Familie bei uns dies:

Sie kann sich zu Hause schon einmal online über die Taufe in unserer Gemeinde informieren, das gelesene nachklingen lassen und sich auch erste Gedanken zum Termin machen. Dann wird sie im Pfarrbüro warmherzig und wertschätzend (beides hebe ich mit Absicht ins Wort) empfangen, das Kind wird angemeldet und alle strukturellen Dinge werden besprochen. Gibt es dabei irgendeine Abweichung vom „einfachen Weg“, melde ich mich zunächst einmal selbst bei den Menschen… Ansonsten findet die Anmeldung statt und dazu gehört auch die Einladung zu Schritt zwei: zwei vorbereitenden Gesprächsabenden pro Taufe. Geladen sind die Eltern, die gerne Paten, Großeltern o.a. mitbringen können. Diese Gespräche haben uns eine hohe Verbindlichkeit und das wird bei der Einladung auch genau so ins Wort gefasst. Zwar vermeiden wir Negativabgrenzungen, aber die gezielte Wortwahl ist öffnend, unbedingt eindeutig und lässt doch Raum für die persönlichen Befindlichkeiten (das normale Alltagschaos der Menschen). Etwa so: „Für Ihr besonderes Fest nehmen wir uns besonders viel Zeit und  laden sie ein zu…, die Gespräche sind uns sehr wertvoll…. Die Gespräche sind in jedem Fall verbindlich… wenn jedoch persönlich irgendeine Schwierigkeit auftreten sollte, melden Sie sich bitte bei der Seelsorgerin… “ – Der absolut überwiegende Teil der Eltern nimmt an beiden Taufgesprächen teil – manche nur an einem und in seltenen Fällen müssen ganz andere Wege gesucht werden.

 

Der katechetische Teil ist wie gesagt im Idealfall zwei geteilt. Das erste Taufgespräch findet im Raum unserer Bücherei statt. Dieser inhaltlich offene und angenehm gestaltete Raum ist schon an sich ein wunderbarer Resonanzkörper für die Ziele des Abends: Zu diesem ersten Gespräch betreten in der Regel erwachsene Menschen den Raum, die in ihrem Leben angekommen sind und dennoch mit einem mal leicht unsicher durch die Türe schauen, da sie keine Ahnung haben, was sie erwartet. Sie haben ihrerseits Vorerwartungen im Kopf, bisweilen auch die, nun „bei Kirchens“ zu sein und es „recht machen zu müssen“ – man sieht die Kirchenbilder, die damit verbundenen Unsicherheiten, die eignen Erlebnisse und manchmal Freuden und nicht selten die familiären Brüche förmlich auf zwei Beinen durch die Türe treten. Daher gilt als erstes Ziel des Abends all dem Raum zu geben, den Bildern, Gedanken und Erfahrungen – allein die Tatsache, dass all dies da sein darf, gesehen und gewürdigt wird, schafft Boden für ganz neue Erfahrungen – letztlich für Eltern und Kind.

 

In einem zweiten Schritt geht es darum, Menschen in ihren Alltagsbezügen abzuholen und mit ihnen erste Brücken zu spirituellen Bezügen zu schlagen, auch Wünsche und Sorgen haben ihren Platz und damit auch der ganze Komplex der „Schutzsuche“ und der Unterschied zwischen Schutz und Segen. In einem dritten Schritt ziehen wir diesen Faden weiter aus und münden in der klaren Frage nach der Taufmotivation und der Taufbedeutung im weiten Sinn.  Methodisch läuft z.B. ein Kartenspiel mit Talkkarten, das wir für die Taufkatechese entwickelt haben an dieser Stelle auf die Karte hinaus: „In einigen Jahren schauen Sie mit Ihrem Kind das Fotoalbum an… und Ihr Kind fragt Sie: Mama/Papa, warum habt ihr mich damals taufen lassen? – Wie lautet ihre Antwort?“ Dieser Impuls hat sich wunderbar bewährt. Den Eltern wird am Ende der Impuls mitgegeben, noch einmal hin zu hören, was vom Abend zu Hause nachklingt und was dann vielleicht auch in einem Fürbittsatz für die Taufe münden kann.

 

Zusammengefügt werden alle Fäden dieses Abends gezielt in einem geistlichen Wort am Ende. Auf diese Weise wird deutlich, dass wir einerseits alles Gesagte noch einmal von einer größeren Dimension her wertschätzen und andererseits nun die Ebene der kognitiven Erklärungen und die Ebene der Lebens-und Glaubenserfahrung im allgemeinen weiter fokussieren auf den christlich spirituellen Deutungsgrund der anstehenden Tauffeier.

 

Dies ist ein wesentliches Ziel des zweiten Gesprächsabends. Daher spielt hier viel Information eine Rolle über die Bedeutung der Symbole und den Sinn und Ablauf der Feier, usw., dennoch gilt es, auch all dies in der Lebens- und Glaubenswelt der Eltern anzubinden. Dazu können die Eltern sich auch an diesem Abend selbst einbringen und die Leitenden des Abends sowie die Eltern untereinander haben die Gespräche des vergangenen Treffens als Schatz im Gedächtnis dabei. Beide Gesprächsabende sind bewusst im Abstand von nur einer Woche geplant.

Dieses zweite Gespräch findet in der jeweiligen Taufkirche statt. So haben die Eltern die Möglichkeit, diesen Kirchraum kennen zu lernen und sie haben an diesem Abend vor allem auch die Möglichkeit den Taufspender kennen zu lernen. Die Taufspender sind beim zweiten Vorbereitungsabend dabei und können Beziehung zu den Eltern aufnehmen. Sie können einerseits ihre eigenen Themen ins Gespräch einfließen lassen und andererseits auch die Themen der Eltern für die Tauffeier aufnehmen und natürlich. Ebenso werden hier die mögliche Mitgestaltung der Feier durch die Familien und organisatorische Dinge besprochen.

 

Diese Taufgespräche werden ehrenamtlich durch jeweils zwei Katecheten geleitet. Ab und an füge ich mich mit in ein solches Doppelpack hinein. Sie haben inhaltlich die Fäden in der Hand, auch wenn sich der Abend natürlich auch wesentlich von den Mitteilungen der Eltern selbst her entwickelt und diese gerade auch voneinander profitieren.

Was brauchen Katechetinnen, um Eltern auf ihrem Weg zur Taufe begleiten zu können?

Man braucht schon ein bisschen Mut – die Katechetinnen haben oft schon Erfahrung im Weitergeben des Glaubens an Kinder und erleben in der Taufkatechese den Unterschied, sich nun erwachsenen Menschen als klares Gegenüber im Gespräch zeigen zu sollen. Das ist ein mutiger Schritt und der gelingt umso besser, je mehr eine eigene Persönlichkeit auch in der eigenen Lebens- und Glaubensgeschichte gereift ist. Dabei spielen die Brüche und das Tohuwabohu der Lebensgeschichte keine Rolle – im Gegenteil sie fördern Anknüpfungspunkte im Gespräch. Des Weiteren ist Offenheit wesentlich; Offenheit gegenüber jedem Menschen, gleich wie er sei – denn nur dies macht Wertschätzung möglich – und eben diese Wertschätzung ist fundamental für alles Gelingen. Dann brauchen die Katecheten eine Zurüstung an Wissen, das immer wieder auch lebendig in die Lebenserfahrung integriert werden sollte. Dazu brauchen sie einen Grundstein an kommunikativer und didaktischer Erfahrung und Unterstützung und einen supervisorischen Raum und Rückhalt, in dem sie verankert sind.

Das heißt, Taufkatechese ist kein Hexenwerk, dazu kann man gerne Versicherungskauffrau oder Ingenieur von Beruf sein, aber ich muss mir als Hauptamtliche schon bewusst sein, welcher Herausforderung ich die Ehrenamtlichen aussetze.  Dies gilt für die Auswahl – ich würde dazu nicht generell aufrufen, sondern spreche Menschen, die mir geeignet scheinen gezielt an, wie auch für die Begleitung. Natürlich kostet dies auch Zeit. Aber diese Zeit vervielfältigt sich enorm durch den Einsatz der Katecheten und sie stellt die Taufvorbereitung auf eine breite gemeindliche Basis.

Sie haben lange Jahre Praxiserfahrung. Worauf lässt man sich ein, wenn man ehrenamtliche Katechetinnen die Taufvorbereitung überträgt?

Immer wieder auf Überraschungen!

 

Ich habe hohen Respekt vor dem Engagement der Katechetinnen – die sich selbst auch immer wieder durch die Gespräche mit den Eltern bereichern lassen. Auch dies ist sicher ein Grund dafür, dass die Katechetinnen ihr Engagement alle über viele Jahre halten –  manche mittlerweile schon 13 Jahre. Die Herausforderungen der Eltern an den taufkatechetischen Abenden sind so vielfältig wie die Eltern selbst und das Umgehen der Katechetinnen damit ebenso vielfältig wie diese Menschen. Natürlich habe ich ein Curriculum als Grundlage erarbeitet, setze Prägungen in der Begleitung der Katechetinnen und steuere dadurch den Prozess der Katechese – allerdings immer nur bis zu dem Punkt, an dem die persönlichen Erfahrungen, Emotionen und Wesenszüge der einzelnen Katechetin in der jeweiligen Situation Raum greifen. Z.B. wird eine eher dominante Person einen eher dominanten Ton und eine eher dominante Wortwahl gerade in der Anmoderation des ersten Abends haben, ganz gleich wie oft sie das üben oder durchspielen. Gerade in diesem Eröffnungsmoment kommt auch in der Katechetin die persönliche Spannung auf den Abend hin hervor und da greift sie ganz unwillkürlich auf ihre fest angeeigneten Ressourcen zurück. Das gleicht sich dann aber im Verlauf des Abends aus, wenn sie z.B. von Erfahrungen ihrer eigenen Kinder im Ferienlager erzählt – dieser Schatz ist kaum einholbar.

 

Dies nur als ein Beispiel für die notwendige Offenheit, mit der wir solch einem Tun begegnen müssen. Wir haben es mit „einem Flohhaufen“ gestandener Persönlichkeiten und ihrer Eigenheiten zu tun, die natürlich auf ihre eigene Weise das Geschehen prägen und nur wenn wir dies zulassen und kreativ nutzen und dem Heiligen Geist anvertrauen können, macht diese Arbeit Sinn. Wenn ich bei den Katechetenabenden mit dabei bin, entdecke ich da einerseits immer wieder Dinge, an denen ich arbeiten muss – das ist meine Aufgabe. Andererseits erlebe ich – ganz gleich, was geschieht – jeden Abend aufs Neue, wie dankbar Eltern sind, für diese Resonanz reichen, gestandenen Lebens, mit der sie sich auf Augenhöhe auseinandersetzen dürfen. Selbst, wenn Menschen im Verlaufe des Gespräches an der ein oder anderen Stelle geweckt oder persönlich ein bisschen angepiekst wurden oder selbst wenn kontroverse Gedanken im Raum standen, bin ich immer wieder berührt durch die warmherzige Verabschiedung der Eltern am Ende des Abends.

Welche Bedeutung hat die Taufpastoral aus Ihrer Sicht für die Weiterentwicklung der Pastoral im Erzbistum Köln?

Ach, die Zeit da in Grenzen zu denken ist vorbei. Wie anfangs erwähnt, beinhaltet die Taufpastoral für mich eine riesen Chance als ein Baustein in der Weitergabe lebendigen Christentums in der Postmoderne. Der Taufwunsch ist (s.o.) der Anlass, der Eltern von sich aus den Raum der Spiritualität im weiten Sinn betreten lässt.  Und diesen weiten Sinn meine ich sehr ernst, denn viele kommen da wirklich auf sehr leisen, unsicheren Sohlen daher.

 

Ich will mal eine Anleihe am Komplementärende des Lebens machen. Im Zusammenhang der Sterbebegleitung hat der Mainzer Theologe Erhard Weiher Spiritualität sozusagen von außen nach innen eingekreist und da finde ich zwei Definitionen interessant:

„Spiritualität ist … ein bewusster oder nicht bewusster innerer Geist, der das Alltagsleben transzendiert, aus dem heraus Menschen ihr Leben empfinden und gestalten – Dies ist eine allen Menschen gegebene Eigenschaft. (Puchalski, 2006)“. Und diese Definition auf den Kontext lebensgeschichtlicher existentieller Erfahrung hin weiter gedacht: “Spiritualität ist jede Erfahrung, bei der sich der Mensch mit dem Geheimnis des Lebens – als heiligem Geheimnis – in Verbindung weiß. (Andriessen 1999)“

 

Vom Geheimnis des Lebens sind Eltern in der Taufe ihrer Kinder direkt berührt – es ist an uns, ihnen die Resonanz anzubieten, die es ihnen möglich macht, mit dem inneren Geist in sich in Berührung zu kommen, der es ihnen möglich macht, das Alltagsleben zu transzendieren. Und es ist an uns ihnen in der Tauffeier letztlich die Resonanz Jesu Christi durch unser Tun hindurch zu eröffnen. Der Begegnung Stiftende ist letztlich Christus selbst – und die Eltern gehen in eigener Freiheit auf ihn zu. Die Pastoral ist das Tor – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Zur Person

Die Pastoralreferentin Doris Dung-Lachmann arbeitet seit vielen Jahren in der Pfarrei zu den Heiligen Rochus, Dreikönigen und Bartholomäus in Köln-Bickendorf. Ihr Dienst umfasst neben Anderem die beiden Schwerpunkte Taufpastoral und die Entwicklung der Pastoral um das Lebensende, weiter wirkt sie in der Einzelbegleitung und als Begleiterin in der Exerzitienarbeit.

 

Das Interview führte Diakon Tobias Wiegelmann.