Überblick über die 38 Märtyrer von Albanien

Überblick über die 38 Märtyrer von Albanien

Albanien: früh christianisiert

Albanien war früh christianisiert worden. Während der langen osmanischen Herrschaft traten zahlreiche Christen zum Islam über, was ihnen gesellschaftliche Vorteile bot. Viele Familien und Stämme, besonders in den unwegsamen Berggebieten, blieben jedoch katholisch oder orthodox.

Albanien: das „erste atheistische Land der Welt“

Mit Beginn des kommunistischen Regimes begann eine Verfolgung aller Religionen, besonders der christlichen: Kirchliche Schulen wurden geschlossen, kirchliche Verlage durften nicht mehr drucken, Kirchengebäude wurden umgewandelt in Sportstätten, Kinos etc.

Enver Hoxha erklärte 1967, dass Albanien das „erste atheistische Land der Welt“ sei. Das Praktizieren des Glaubens (etwa in sichtbarer Form eines Kreuzzeichens) stand unter Strafe und konnte mit Haft und Folter geahndet werden.

Ermordung fast aller Kleriker

Im kommunistischen Regime (1944-1990) wurden fast alle Kleriker des Landes gefoltert und ermordet. Oft gab es keine Anklage und kein Urteil. Wenn es eine Anklage gab, so umfasste sie zumeist vorgeschobene nicht-religiöse Gründe. Teils wurde ein Todesurteil gesprochen, teils wurden die Inhaftierten zu Tode gefoltert, teils ohne Urteil hingerichtet. Vielen christlichen Klerikern bot sich eine Möglichkeit, dieser Verfolgung durch Ausreise zu entgehen, da die meisten im Ausland studiert und Kontakte geknüpft hatten. Sie entschieden sich, in ihrem Land und bei ihren Gemeinden zu bleiben.

Die Märtyrer werden verehrt

Nach Überwindung des Kommunismus begannen die Menschen zaghaft, ihren im Heimlichen den Kindern vermittelten Glauben wieder öffentlich zu leben. Im katholischen Shkoder wurde ein Priesterseminar gegründet, einige Priester kamen aus dem Ausland hinzu. Um diesen Anfängen Kraft zu verleihen, initiierte der Erzbischof von Shkoder, Msgr. Angelo Massafra, ein Seligsprechungsverfahren für Glaubenszeugen, die in Albanien als Märtyrer verehrt werden.

Seligsprechung 2016

38 Märtyrer, deren Leben und Sterben sich rekonstruieren ließ, wurden am 5. November 2016 im Auftrag von Papst Franziskus in der Kathedrale von Shkoder seliggesprochen.

Einige der 38 Märtyrer

Zu den 38 Märtyrern gehörten unter anderem die folgenden Personen. Zu einigen davon gibt es Informationen zur Vita (wird weiter ergänzt).

Dom Jak Bushati (geb. 1890 in Shkoder, gest. 12. September 1949 in Lezhë) war ein römisch-katholischer Priester, der im atheistischen Albanien des Enver-Hoxha-Regimes um seines Glaubens willen verhaftet wurde und unter der Folter starb.

Eintritt bei Franziskanern

Jak war der zweite von drei Söhnen seiner Eltern Nikollë Hilë Bushati und Tone Gurashi. Ermuntert durch das Vorbild seines Bruders Filip besuchte er die höhere Schule, danach studierte er in Triest und im albanischen Shkoder.

Am 25. August 1905 wurde er bei den Franziskanern eingekleidet, ein Jahr später folgte die erste Profess und am 29.05.1915 die Priesterweihe. Mit ihm geweiht wurde der ebenfalls seliggesprochene Dom Lazër Shantoja.

Erster Einsatzort: ein entlegenes Bergdorf

Dom Jak Bushati wurde in die Gebirgsgegend Mirditë geschickt und bekam einen besonders armen Bezirk als Pfarrgemeinde. Dort ließ er sich auf die Menschen ganz ein und passte seine Worte und Predigten der neuen Umgebung an. Der bescheidene Priester genoss hohes Ansehen bei den Gläubigen und konnte erfolgreich bei Blutracheversuchen einschreiten und Erschießungen verhindern.

Zweiter Einsatzort und Verhaftung

Im Jahr 1946 wurde er nach Kallmet versetzt, ein Ort, der ein leichteres Leben zu verheißen schien. Bald, im April 1949, folgte jedoch seine Verhaftung unter dem Vorwurf, es habe sich in seiner Diözese eine regierungskritische Gruppe gebildet.

Folter und Glaubenszeugnis

Ein Mithäftling berichtete, dass Jak Bushati mehrmals täglich verhört und dann blutend und bewusstlos in die Zelle zurückgebracht wurde. Dom Jak Bushati wurde aufgefordert, seinen christlichen Glauben zu verleugnen und Angaben zur vermeintlichen Revolte seiner Glaubensbrüder zu machen.

Als er bei seiner Weigerung blieb und kein Zugeständnis machte, wurde er gemäß den Aussagen von Zeitzeugen schwer gefoltert: Er wurde für mehrere Tage an einen Baum gehängt und mit im Feuer erhitzten Eisenstangen gequält, kleine Holzstücke wurden ihm unter die Fingernägel geschoben, mit einer Peitsche wurde er blutig geschlagen.

Tod unter der Folter

Jak Bushati starb im Gefängnis an den Folgen der schweren Folter. Ein Neffe, Nard Bushati, erinnert sich, dass die Familie aufgefordert wurde, die Leiche abzuholen, verbunden mit dem Befehl, den Sarg nicht zu öffnen. Der Sarg erschien ihnen viel zu leicht für die Leiche, sie öffneten ihn und stellten fest, dass der Körper unter der Folter zerfetzt worden war.

Worte

In Albanien erinnert man sich an einen Ausspruch, der dem glaubensstarken Priester wichtig war: „Der Rosenkranz ist die stärkste Waffe in der Hand des Menschen.“

 

Quellen:

www.kishakatolikeshkoder.com  (Internetpräsenz des Erzbistums Shkodra-Pult)

Pjetër Pepa: Tragjedia dhe Lavdia e Klerit Katolik në Shqipëri. Tirana 2007.

Padre Leonardo Di Pinto O.F.M.: Profilo storico agiografico di Mons. Vinçenc Prennushi e Compagni Martiri. Shkoder 2016.

Konrrad Gjolaj: Çinaret. Shkoder 2006.

P. Giovanni Fausti (geb. 19. Oktober 1899 in Val Trompia bei Brozzo, gest. 4. März 1946 in Shkoder) war ein italienischer Jesuitenpater, der sich als Missionar nach Albanien senden ließ und dort den Märtyrertod starb.

Kindheit und eine besondere Freundschaft

Giovanni Fausti wurde als ältestes von zwölf Kindern seiner Eltern Paulo Antonio Fausti und Maria Sigolini geboren. Die angesehene italienische Familie war fest im Glauben verwurzelt. Von den Eltern wird berichtet, dass sie keinen Bettler abwiesen. Giovanni zählte in der Schule zu den besten Schülern seiner Klasse. Während der Schulzeit erwuchs eine Freundschaft mit Giovanni Battista Montini, dem späteren Papst Paul VI.

Berufung zum Priester

Giovanni zeichnete sich durch große Frömmigkeit aus, so dass sein mütterlicher Onkel, der Priester Umberto Sigolini, schon früh eine Berufung zum Priesteramt vermutete. Im Alter von elf Jahren trat er in das Diözesanseminar von Brescia ein. Mitten im Weltkrieg und noch danach musste er Militärdienst leisten (1917-1920). Zum Theologiestudium wurde er nach Rom geschickt. Am 9. Juli 1922 wurde er unter Dispens des fehlenden Mindestalters zum Priester geweiht.

Berufung als Jesuit

Am 30. Oktober 1924 trat er ins Noviziat der Jesuiten ein, am 31. Oktober 1926 beendete er das Noviziat. Es folgten zwei weitere Studienjahre der Philosophie und Theologie, an deren Ende er bereits als Dozent für das Seminar im albanischen Shkoder bestimmt war.

Wirken in Albanien

Er unterrichtete in Shkoder, bis er 1932 zunächst nach Italien zurückkehren musste, um einige medizinische Behandlungen zu durchlaufen. 1942 kam er erneut, nun als Superior, nach Albanien zurück, wieder war er als Professor in Shkoder tätig. Als er 1945 zum Vizeprovinzial der dortigen Jesuiten ernannt wurde, verlagerte sich sein Wirkort nach Tirana.

Verhaftung und Anklage

Am Abend des 31. Dezember 1945, nach dem „Te Deum“, wurde er zusammen mit P. Daniel Dajani verhaftet. Der Vorwurf war erfunden: Die Staatssicherheit behauptete, die beiden Patres seien Anführer der „Albanischen Union“ gewesen und hätten einige Seminaristen zu auch kirchenrechtlich unerlaubtem Handeln bewegt.

Todesurteil und Hinrichtung

Am 22. Februar 1946 wurden die Todesurteile für P. Giovanni Fausti und weitere Angeklagte gesprochen. Am 2. März traf Enver Hoxhas Bestätigung der Urteile ein. Am 4. März wurde P. Giovanni Fausti zusammen mit P. Daniel Dajani, dem Priester Gjon Shllaku, dem Seminaristen Mark Çuni, dem Seminaristen Gjergj Bici und den drei Laien Gjelosh Lulashi, Qerim Sadiku und Gjon Vata auf der Müllhalde hinter dem katholischen Friedhof von Ramaj (nahe Shkoder) erschossen. Die Männer mussten sich an den Händen halten, die Leichen blieben danach aufeinander liegen.

Erinnerung

P. Giovanni Fausti galt nicht nur als hervorragender Professor, sondern auch als Person, die sich „durch viel Kultur und Frömmigkeit auszeichnete“, wie es in albanischen Erinnerungen heißt. Besonderes Engagement zeigte er für den Dialog zwischen Christentum und Islam, dies als einer der Ersten im weiten Umfeld.

Worte

In Albanien erinnert man sich an seine Worte: „Wir halten uns in den Händen Gottes, bereit für alles.“ Nach dem Urteilsspruch suchte er seine Mitverurteilten und sich selbst zu trösten mit einem Psalmwort: „Wir gehen ein in das Haus Gottes.“ Als letzte Worte sind überliefert: „Ich bin glücklich, dass mir der Tod jetzt, in der Ausübung meiner Pflicht, kommt. Grüßt die Jesuiten, die Diakone, Mitarbeiter im Apostolat und den Erzbischof von mir. Es lebe Christus, der König!“

Quellen

www.kishakatolikeshkoder.com (Internetpräsenz des Erzbistums Shkodra-Pult)

www.santiebeati.it 

Pjetër Pepa: Tragjedia dhe Lavdia e Klerit Katolik në Shqipëri. Tirana 2007.

Padre Leonardo Di Pinto O.F.M.: Profilo storico agiografico di Mons. Vinçenc Prennushi e Compagni Martiri. Shkoder 2016.

Frano Gjini (geb. 20. Februar 1886 in Shkoder, gest. 11. März 1948) war Bischof von Lezha.

Familie

Frano Gjini wuchs als Sohn der Eltern Tuk und Drande Grashi zusammen mit einem älteren Bruder und einer Schwester auf, welche unverheiratet blieb, um ihrem Bruder, der Priester und später Bischof wurde, zur Seite zu stehen.

Schule und Studium

Bereits im Alter von fünf Jahren besuchte er eine Elementarschule, danach kam er auf ein katholisches Gymnasium, welches den Jesuiten von Shkoder unterstand. Dort und auch bei den folgenden Studien der Theologie und Philosophie war er aus gesundheitlichen Gründen an einer regelmäßigen Teilnahme des Unterrichts gehindert. Als Privatschüler nahm der Bischof von Durrës, Msgr. Primo Bianci, ihn bei sich auf. Zusammen mit einem weiteren Priester wohnten sie im kleinen Bergort Delbnisht.

Priester- und Bischofsweihe

Am 28. Juni 1908 wurde Frano Gjini durch Msgr. Primo Bianci zum Priester geweiht, der für den Neupriester eine Berufung in höhere kirchliche Ämter anstrebte. Er berief ihn zu seinem Sekretär in Delbnisht. Im Jahr 1918 wurde er Generalvikar der Erzdiözese Durrës, wobei er stets auch in der Seelsorge in entlegenen Orten eingesetzt wurde. So wurde er im Jahr 1928 Pfarrer von Perlat, dem späteren Missionsort des Sel. Josef Marxen. Dort blieb er für zwei Jahre, bis er 1930 durch Lazer Mjeda zum Bischof geweiht wurde.

Verhaftung und Folter

Frano Gjini war Bischof von Lezha, als er am 15. November 1946 verhaftet und bald darauf der „Spionage für den Vatikan“ angeklagt wurde. Außerdem wurde ihm vorgeworfen, an einem angeblich britisch organisierten Aufstand in Postriba beteiligt gewesen zu sein. Er war zusammen mit den Franziskanern P. Mati Prendushi, P. Çiprian Nikaj, P. Pal Dodaj, P. Donat Kurti und mit dem Kleriker Zef Pllumi inhaftiert.

Sie wurden mehrfach verlegt und Bischof Frano Gjini wurde schwer gefoltert und schließlich in Einzelhaft genommen in einer Zelle, die nur einen Quadratmeter groß war. Hände und Füße wurden ihm mit einer Kette zusammengebunden, er wurde bis zum Hals in gefrorenes Wasser getaucht, blutig geprügelt, mit Elektroschocks gequält. Unter seine Nägel wurden Holzstücke gesteckt, die man anzündete. Als die Mutter seine Wäsche waschen wollte, fand sie sie voller Blut und Eiter. Ein muslimischer Mithäftling berichtete, wie der „katholische Priester mit den lilafarbenen Strümpfen eines Bischofs“ trotz aller Folter und der vielfältigen Verleumdungen ruhig und demütig sowie bei klarem Verstand blieb.

Todesurteil und Hinrichtung

Nach langer Folter wurde ein Gerichtsverfahren geführt. Am 8. Januar 1948, dem dritten Tag des Verfahrens, verlas der Militärstaatsanwalt eine sehr lange Anklageliste, dann wurde das Todesurteil für Bischof Frano Gjini, P. Mati Prendushi und D. Nikoll Deda verkündet. Am 11. März wurden sie um 5 Uhr morgens erschossen.

Letzte Worte

Frano Gjini verabschiedete sich mit den Worten: „Es lebe Christus, der König. Es lebe die katholische Religion und es mögen die Katholiken der Welt leben. Es lebe der Papst! Mein Blut und mein Leben bleiben hier, aber die Seele und das Herz sind beim Papst! Es lebe Albanien!“

Quellen

www.kishakatolikeshkoder.com  (Internetpräsenz des Erzbistums Shkodra-Pult)

Pjetër Pepa: Tragjedia dhe Lavdia e Klerit Katolik në Shqipëri. Tirana 2007.

Padre Leonardo Di Pinto O.F.M.: Profilo storico agiografico di Mons. Vinçenc Prennushi e Compagni Martiri. Shkoder 2016.

Serafin Koda OFM (geb. 25. April 1893 in Janjeva im Kosovo, gest. 11. Mai 1947 in Lezha) wurde als Priester und Ordensmann im atheistischen Regime unter Enver Hoxha verhaftet und gefoltert. Er starb an den Folgen der Folter.

Leben

Der Sohn von Gasper und Antonieta Radiqi wurde am 25. April 1893 geboren. Später freute er sich über dieses Geburtsdatum und nahm den Tagespatron, den Evangelisten Markus, als Leitfigur. Auch auf seinen Geburtsort blickte er dankbar, denn in Janjeva wurde im Jahr 1671 die erste albanische Schule eröffnet. Am 30. Juni 1915 wurde Serafin Koda zum Priester geweiht. Er war Pfarrer in einigen albanischen Bergdörfern sowie in Lezha. Es wird berichtet, dass er zusammen mit seinen franziskanischen Brüdern als überzeugter und überzeugender Missionar gewirkt hat.

Wichtig waren ihm die Eucharistieverehrung, die Betrachtung der Leiden Christi, die Verehrung der Jungfrau Maria und des Hl. Antonius.

Haft und Folter

Am 13. Oktober 1946 wurde Pater Serafin Koda verhaftet. Als er sich weigerte, gegen seine Mitbrüder auszusagen, wurde er schwer gefoltert. Das Fleisch wurde ihm aus dem Körper gerissen. Am Hals wurde er so blutig gekratzt, dass die Halsvenen offen waren. Zusätzlich blutete er aus Mund und Nase. Ein Gerichtsurteil ist nicht gegen ihn ergangen. Die Krankenschwester Marija Ndoja sah, wie er an den Folgen der Folter starb, und konnte ihm nicht helfen. Bei seinem letzten Gebet konnte er die Hände nicht mehr falten. Er sprach „Oh Jesus, nimm meinen Geist in deine Hände. Dir gehöre ich mit ganzem Herzen“ und fügte ein Vaterunser an.

Graböffnung und Überführung der Gebeine

Marija Ndoja wusste genau den Ort des Grabes in Lezha anzugeben, weil daneben ein Baum stand. Im Jahr 1995, kurz nach der Überwindung des Kommunismus, wurde das Grab von Serafin Koda geöffnet. Teile seines Ordensgewandes und seine Schuhe waren noch erhalten. Die Knochen lagen so angeordnet, wie der Leichnam in die Grube geworfen worden war. Die Gebeine wurden in einer Zeremonie in die Franziskanerkirche Mariä Verkündigung in Lezha überführt.

Seligsprechung

Am 5. November 2016 wurde Pater Serafin Koda zusammen mit 37 weiteren Märtyrern in Shkodra seliggesprochen.

 

Quellen

Pjetër Pepa: Tragjedia dhe Lavdia e Klerit Katolik në Shqipëri. Shtëpia Botuese 55, Tirana 2007, Bd. I, S. 762-764.

Markus W.E. Peters: Geschichte der Katholischen Kirche in Albanien 1919-1993. Harrassowitz, Wiesbaden 2003, S. 145.

vaticannews.va/sq/bota/news/2019-05/serafin-koda-i-lumi-ne-pervjetorin-vdekjes.html 

Anton Muzaj (geb. 19. März 1921 im heutigen Kosovo, gest. im Frühjahr 1948 in Shkodra) war ein Priester, der in Albanien um seines Glaubens willen verhaftet und gefoltert wurde. Er starb an den Folgen der Folter.

Familie und Werdegang

Anton Muzaj war der Sohn von Dejko und Dila Muzaj. Er besuchte die Schule in Shkodra und studierte danach Theologie in Rom an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Am 19. März 1944, seinem 23. Geburtstag, wurde er zum Priester geweiht. 1946 kehrte er in seine Heimat zurück, wo er bald verhaftet und schwer gefoltert wurde.

Gerichtsverfahren

In der Franziskanerkirche in Shkodra waren am 17. November 1946 Waffen gefunden worden. Eine Reihe von Klerikern wurde mit dem Vorwurf belastet, sie dort versteckt zu haben. Später ließ sich eindeutig nachweisen, dass die Sigurimi, die Geheimpolizei unter Enver Hoxha, die Waffen dort deponiert hatte, wohl mit dem Plan, die Öffentlichkeit gegen die Kleriker aufzubringen. Die angeklagten Kleriker blieben auch unter der Folter bei der Aussage, die Waffen nicht in die Kirche gebracht zu haben. Das Gerichtsverfahren endete mit der Todesstrafe für vier Priester, die am 11. März 1948 erschossen wurden. Einige Mitangeklagte erhielten hohe Freiheitsstrafen, nur Anton Muzaj wurde zunächst zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt, dann aber freigelassen. Er starb noch im Frühjahr 1948 an den Folgen der Folter.

Folter

Ein Zeuge berichtete, dass Anton Muzaj im Gefängnis tage- und nächtelang ohne Pause auf den Beinen stehen musste, wobei Hände und Beine je zusammengebunden waren, seine Nase lehnte gegen die Wand. Als er großen Durst bekam, bat er zwei Gefangene, die täglich den oft blutbedeckten Gefängnisboden säubern mussten, um etwas von dem Reinigungswasser. Plötzlich wurde er zu Boden geworfen und aufgefordert, auch die übriggebliebenen Tropfen vom nassen Boden aufzulecken.

Anton Muzaj wurde im Winter im Luftzug zwischen Türen und Fenstern eingeschlossen und erkrankte an Tuberkulose. Als später der Richter den Gesundheitszustand dieses Angeklagten sah, verstand er – so der Zeuge -, dass Anton Muzaj nur noch wenige Lebensmonate bleiben würden, und verhängte daher kein Todesurteil.

Glaubenszeugnis

Dem Zeugen zufolge bat Anton Muzaj einen Mithäftling: „Wenn du eines Tages meine Familie siehst, sag ihnen, dass ich unschuldig bin und für meinen Glauben an Christus sterbe.“

Seligsprechung

Am 5. November 2016 wurde Anton Muzaj in Shkodra zusammen mit 37 weiteren Märtyrern seliggesprochen.

Quellen

www.kishakatolikeshkoder.com (Website des Erzbistums Shkodra-Pult, albanisch)

Markus W.E. Peters: Geschichte der Katholischen Kirche in Albanien 1919-1993. Wiesbaden 2003, 150-155.

Vinçenc Kolë Prennushi (geb. 4. September 1885 in Shkodra, gest. 19. März 1949 in Durrës) war Franziskanerpriester und Erzbischof von Durrës. Er wurde um seines öffentlich gelebten Glaubens willen verhaftet und starb an den Folgen der Folter. Das Seligsprechungsverfahren, welches in Albanien geführt wurde, stand unter dem Titel „Erzbischof Vinçenc Prennushi und seine 37 Gefährten“. „Kolë“ (Nikolaus) war sein Taufname, „Vinçenc“ der Ordensname

Familie

Am 4. September bekamen Gjon und Drande Prennushi Zwillinge, die sie am selben Tag auf die Namen Kolë und Antonia taufen ließen. Antonia überlebte nicht lange und auch Kolë war gefährdet durch Tuberkulose, die bereits seinen älteren Bruder Vincenzo das Leben gekostet hatte. Kole hatte drei weitere Brüder: Giuseppe, Francesco und Antonio. Die Familie wird als fromm, bürgerlich und sehr geachtet geschildert.

Schule und Studium, Eintritt bei den Franziskanern

Kolë besuchte ab 1893 das katholische Gymnasium in Shkoder und trat 1990 sehr jung in das Franziskanerkloster von Troshan ein. Er studierte Theologie in Shkoder und in Salzburg, wo er auch die ewige Profess ablegte.

Weihen

Im März 1908 empfing Vinçenc Kolë Prennushi die Priesterweihe. Papst Pius XI. ernannte ihn 1936 zum Bischof von Sapë, die Bischofsweihe spendete ihm Erzbischof Giovanni Battista della Pietra SJ. Als im Jahr 1939 der Bischof von Durrës, Pjeter Gjura, verstarb, wurde Vinçenc Kolë Prennushi zu seinem Nachfolger bestimmt.

Bezug zum Seligen Josef Marxen

Vinçenc Prennushi war seit 1939 Bischof der Diözese Durrës, welcher Josef Marxen als Priester angehörte. Ab 1943 wirkte Pfarrer Marxen in einigen kleinen Dörfern in der Nähe von Durrës als Pfarrer, er ging regelmäßig zur St. Lucia-Kathedrale nach Durrës.

Festhalten an der römisch-katholischen Kirche

Als die Kommunisten erstarkten, versuchten sie zunächst, die Kirchenoberhäupter auf ihre Seite zu ziehen: Die katholische Kirche Albaniens sollte sich von Rom lösen und eine eigenständige nationale Kirche sein. Enver Hoxha rief Erzbischof Vinçenc Prennushi zu entsprechenden Verhandlungen. Der Bischof weigerte sich, an der Gründung einer von Rom getrennten albanischen Nationalkirche mitzuwirken.

Verhaftung, Folter, Tod

Am 19. Mai 1947 wurde Bischof Vinçenc Kolë Prennushi verhaftet unter der falschen Anklage der Kollaboration mit ausländischen Feinden. Er wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt und schwer gefoltert, u.a. wurde er in ein Fass gesteckt, welches innen mit Nägeln bespickt war, und darin gerollt, bis seine Haut zerfetzt war. Er starb am 19. März 1949 an den Folgen der Folter.

Erinnerung in Albanien

In Albanien erinnert man sich an Imzot (Bischof) Vinçenc Prennushi als einen überzeugten Katholiken, einen Schriftsteller, Übersetzer und Dichter, der auch in seinen poetischen Texten seinen Glauben zum Ausdruck brachte.

Ein Gedicht

Ein Gedicht ist den Albanern in Erinnerung, welches der junge Franziskanerpater Vinçenc Prennushi lange vor seiner Bischofsweihe geschrieben hatte:

Du hast seit Tagen geredet. Ich habe dich gehört.
Weit weg von mir, Niederträchtiger, und bleib weg!
Reich bin ich gewesen, arm finde ich mich wieder;
für so wenig leugne ich meinen Glauben?
Aus meinen Augen entschwinde! Worauf wartest du?
Es ist nicht meine Gewohnheit, mich an andere zu verkaufen!

Verfluchter, was willst du verleugnen
all das Gute in meinem Herzen?
Weißt du nicht, dass ich für den Glauben sterben kann,
der mir teuer ist und den ich im Herzen bewahre?
Lieber im Untergrund versinken
als die heilige Religion verraten.

Geh zurück, woher du kommst, Verdammter:
Die Hölle atmet in deinem Mund.
Vergebliche Mühe verschwendest du mit mir;
Geist der Sünde, bleibe weg!
Ich will dich nicht mehr sehen
und nichts kann meinen Glauben vernichten.

 

Quellen

www.kishakatolikeshkoder.com

www.wikipedia/org/wiki/Vincenc_Kole_Prennushi

www.sq.wikipedia.org/wiki/Vincens_Prennushi

www.en.wikipedia.org/wiki/Vincens_Prennushi

Pjetër Pepa: Tragjedia dhe Lavdia e Klerit Katolik në Shqipëri. Tirana 2007.

Padre Leonardo Di Pinto O.F.M.: Profilo storico agiografico di Mons. Vinçenc Prennushi e Compagni Martiri. Shkoder 2016.

Karl Serreqi (geb. im Februar 1911 in Shkodra, gest.am 5. April 1954 im Gefängnis von Burrel) war ein Franziskanerpater, welcher das Beichtgeheimnis auch unter der Folter wahrte.

Familie und Werdegang

Karl Serreqi wurde am 2. Februar 1911 in Shkodra geboren und auf den Namen Ndoc getauft. Er besuchte die Schule der Franziskaner, trat in den Orden ein und erhielt den Ordensnamen Karl. Zum Studium wurde er nach Brescia geschickt. Ende Juni 1936 erfolgte seine Priesterweihe.

Wirken in den Bergen

Pater Karl Serreqi wirkte als Pfarrer in der nordalbanischen, sehr abgelegenen Region Lekbibaj. Seine Gemeinden dort waren Curraj të Epërm (1937-1939), Berishë (1939-1943) und Rajë (1943-1946).

Verhaftung, Folter und Tod

Der Sicherheitsdienst des kommunistischen Regimes wollte von ihm erfahren, was eine „politische Person“ ihm in der Beichte anvertraut hatte. Als Pater Karl Serreqi sich weigerte, diese Information preiszugeben, wurde er am 9. Oktober 1946 in Rajë verhaftet. Auch unter der Folter wahrte er das Beichtgeheimnis. Am 18. Januar 1947 wurde er zum Tod verurteilt. Wenige Tage später wurde die Strafe in lebenslange Haft umgewandelt. Pater Karl Serreqi, der zuvor im Dukagjin und in Shkodra inhaftiert war, starb im Gefängnis von Burrel am 5. April 1954.

Märtyrer, Seligsprechung

Pater Karl Serreqi gilt als Märtyrer des Beichtgeheimnisses. Zusammen mit 37 weiteren Märtyrern aus der kommunistischen Zeit Albaniens wurde er am 5. November 2016 seliggesprochen.

Quellen

Pjetër Pepa: Si u denua me vdekje P. Karl Serreqi. Shkodra 2006.

www.kishakatolikeshkoder.com (Internetpräsenz des Erzbistums Shkodra-Pult).

Maria Tuci (geb. 12. März 1928 in Ndërfushaz bei Rrëshen, gest. 24. Oktober 1950 in Shkodra) war Postulantin der Stigmatinen. Sie starb an den Folgen der Folter durch die albanischen Kommunisten.

Werdegang

In Shkodra besuchte die junge Maria Tuci die Schule der Stigmatinen, deren Postulantin sie später wurde. Sie wurde zur Lehrerin ausgebildet und galt als klug und fest im Glauben stehend.

Wirken

Als die Kommunisten an die Macht kamen, mussten die italienischen Schwestern der Stigmatinerinnen das Land verlassen. Maria Tuci blieb mit 28 weiteren albanischen Ordensschwestern zurück. Sie mussten das Kloster verlassen und wurden in ihre Familien geschickt. In ihrer Heimat übernahm Maria zusammen mit einer Mitschwester im Auftrag des Bischofs von Lezha, Frano Gjini, eine Stelle als Grundschullehrerin in zwei Dörfern. Heimlich gab sie den katholischen Kindern Religionsunterricht. Es wird berichtet, dass Maria sich liebevoll um ihre Schülerinnen und Schüler kümmerte und manchmal Schulmaterial für sie aus eigener Tasche kaufte, wenn die Familien es nicht bezahlen konnten.

Für Gottesdienstbesuche ging sie oft mehrere Stunden zu Fuß bis zur nächsten Kirche, in der noch die Messe gefeiert werden konnte. Mit ihren Mitschwestern blieb sie im Untergrund vernetzt. Die Ordensschwestern versuchten, gegen das kommunistische Regime vorzugehen, indem sie z.B. Flugblätter verteilten.

Verhaftung, Folter und Tod

Albanische Kommunisten versuchten auf viele verschiedene Weisen, sie von ihrem Glauben abzubringen. Als dies nicht gelang, wurde Maria Tuci am 10. August 1949 in ihrer Heimat Ndërfushez verhaftet. Während ihrer Haft wurde sie schwer misshandelt, wie Mithäftlinge berichteten. Sie wurde nackt zusammen mit einer Katze in einen Sack gesteckt, dann schlugen Polizisten mit Knüppeln auf den Sack ein. In einem Brief schrieb sie: „Alle Folter kann nur meinen Körper zerstören.“ Schwer verletzt von den Katzenbissen wurde Maria aus dem Gefängnis entlassen und ins Krankenhaus von Shkoder gebracht. Dort starb sie an ihren infizierten Wunden. Ihren Mitschwestern sagte sie: „Ich danke Gott, dass ich als freier Mensch sterbe.“

Seligsprechung

Maria Tuci wurde am 5. November 2016 in Shkodra zusammen mit weiteren 37 Märtyrern aus der Zeit des albanischen Kommunismus seliggesprochen.

Quellen

Porträt Tucis auf KishaKatolikeShkoder.com (albanisch)

albanien.blog/blog/selige-maria-tuci-maertyrin-im-kommunistischen-regime/