Gedanken auf dem Weg zum Pfingstfest 2020

4 Texte für Sie

13. Mai 2020

Gast

Ein toller Abend,
gelacht und geredet,
die Uhr völlig vergessen.
Mit müde glänzenden Augen
verabschiedet – auf Wiedersehen!
Ein wohliges Gefühl,
trotz aufzuräumender Küche.

Eine Ewigkeit her,
der letzte Besuch von Freunden.
Nähe auf Distanz.

Ein unverhoffter Gast kündigt sich an.
Warum sollte ich ihn hereinlassen?
Von neusten Erlebnissen erzählt er nicht,
über das Weltgeschehen diskutiert er nicht.

Eher leise und bedacht war er,
als ich ihn flüchtig kennenlernte.
Gut im Zuhören und Verstehen.

Ihm vielleicht doch einen Platz anbieten,
einmal das Herz ausschütten,
all die großen kleinen Sorgen und Zweifel,
in Herzenswinkeln schlummernd.

Einen Augenblick
der Nähe und Vertrautheit,
bleib doch noch etwas,
bevor es Zeit ist, wieder loszulassen.

Sein Gastgeschenk,
wohlig und leicht in mir
Herzenswärme, Lebensfreude, Dankbarkeit
– fast wie neulich

Komm, Heiliger Geist,
Gast der Herz und Sinn erfreut

Gaben

Lass uns in dieser Zeit bestehen.

Ein Seufzer,
ein Stoßgebet

Keinem ganz
gerecht werden
nicht dem Job
nicht den Kindern

Geschenkte Nähe
und fehlende Freiheit,
gerissener Geduldsfaden
und Versöhnung
ineinander verknotet

Ein erschöpftes Bitten,
eine leises Hoffen

Komm, Heiliger Geist, schenke
Ruhe, wo das Miteinander tobt,
Zuversicht, wo das Dunkel überwiegt,
Kraft, wo die Erschöpfung lähmt

Gib Deine Gaben zum Geleit

Leben

Frühlingserwachen,
der Garten voll grün
und sattem gelb

In der Dämmerung des Tages
gieße ich das Farbenmeer,
plätschernd rinnt das kühle Wasser
in die trockenen Erdfurchen

Ein Gedanke,
ein kurzer Augenblick
in dem ich mich selbst
so durstig fühle

Nach Lebensnass, das
mein Blühen und
mein Blüten tragen
nährt

Still sehnend,
wende ich mich
dem nächsten Farbgrund zu

Komm,
gieße Dürrem
Leben ein

Licht

Nebelweg,
Fahrt auf kurze Sicht

sehendes Auge
denkendes Herz

ungewiss
unsicher

Nebelweg,
Fahrt auf kurze Sicht

tastendes Auge
hörendes Herz

ein Ahnen
ein Hoffen

auf Deine Nähe,
Dein Geleit

Strahle Licht auf meinen Weg,
komm mit Deiner Klarheit

Alle Texte: M. D. Schneider