64. Tagung der Kirchengerichte 2026

Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der deutschsprachigen Kirchengerichte waren vom 28. bis 30. September 2026 zu ihrer Tagung versammelt im Bildungshaus St. Virgil zu Salzburg. Ziel der Tagung sind die Fortbildung sowie die Pflege der dienstlichen Kollegialität.
Aktuell auf dieser Tagung wurde vor allem die Ehe betrachtet: sowohl mit Themen aus dem Eherecht und dem Eheverfahrensrecht als auch mit Themen, die Mann und Frau in ihren persönlichen Bezügen bedenken.
- Den Auftakt machte jedoch ein Thema aus den Allgemeinen Normen des kirchlichen Gesetzbuchs, nämlich die Verpflichtung zur Schadensbehebung bei rechtswidrigen Rechtshandlungen (can. 128 CIC): Hierzu bot der Vortrag von Prof. Dr. Rüdiger Althaus, Vizeoffizial am Offizialat Paderborn, eine Problemanzeige zur praktischen Beschreitung kirchlicher Rechtswege.
- Das Wesen des Menschen war Thema zweier Vorträge zu Geschlechtsinkongruenz und Transidentität: Prof. Dr. Johannes Brantl, Theologische Fakultät Trier, referierte hierzu aus der theologischen Ethik, und Prof. Dr. Wolfgang Weig, Osnabrück, referierte aus der Sicht der Humanwissenschaft; beide Perspektiven sind sicherlich bedeutsam für den praktischen Umgang mit menschlichen Schicksalen in den kirchlichen Eheverfahren.
- Prof. Dr. Sabine Konrad, Theologische Fakultät Innsbruck, verwies auf neuere Entwicklungen in der Rota-Judikatur, also bei der Ehegerichtsbarkeit des Apostolischen Stuhls: sie trug vor zu personalistischen Sichtweisen anhand exemplarischer Urteile teils zum sog. Gattenwohl als direktem Bezugspunkt des Ehewillens, teils zum sog. Personenirrtum.
- Msgr. Dr. Johannes Fürnkranz, Leiter der Abteilung Ehefragen beim päpstlichen Dikasterium für die Glaubenslehre in Rom, bot mit seinem Vortrag praktische Hinweise zum sog. Favor-Fidei-Verfahren; denn wer geschieden ist aus einer nichtsakramentalen Ehe, kann ein solches Verfahren bei einem Offizialat einleiten zwecks päpstlicher Befreiung von dieser Ehe zugunsten des katholischen Glaubens in einer neuen Ehe.
- Zum Abschluss der Tagung wurde erneut auf das Wesen des Menschen geblickt: Denn Dr. Rudolf Sanders, EFL-Berater und Paartherapeut aus Dortmund, verwies in seinem Vortrag auf die Ergebnisse der Forschung zum menschlichen Bindungsverhalten; im Licht dieser Ergebnisse können fehlende innerseelische Voraussetzungen zu einer Ehe und Heirat im konkreten Einzelfall erklärlich werden.
Veranstaltet wird die Tagung der kirchlichen Gerichte von der Konferenz der deutschsprachigen Offiziale. Moderiert wurde das Gespräch zu den Vorträgen vom Vorstand der Offiziale mit Dr. Peter Fabritz, Köln, Lic.iur.can. Thomas Weißhaar, Rottenburg, und ihrem Vorsitz Dr. Georg Holkenbrink, Trier; und dessen Sekretariat sorgte für die Logistik der 64. Tagung. Das Erzbistum Salzburg sorgte erneut für einen kulturellem Rahmen nicht zuletzt mit Messfeier und Orgelkonzert im barocken Dom.
- Die 65. Tagung der deutschsprachigen kirchlichen Gerichte soll vom 16. bis 18. Oktober 2028 in Bensberg bei Köln stattfinden.