Rota-Ansprache 2026
Zur Eröffnung des Gerichtsjahres bei der Rota Romana, wo in jedem Jahr der Papst eine Ansprache hält vor deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, war es am 26.01.2026 seine erste Ansprache, die Leo XIV. als Papst gehalten hat. Wie in jedem Jahr ging es auch in dieser Ansprache um die Ehegerichtsbarkeit, weil die Rota Romana praktisch vor allem bei Eheprozessen als Berufungsinstanz dient.
Allerdings war es nicht seine erste päpstliche Ansprache zur Ehegerichtsbarkeit; denn Leo XIV. hatte die Eheverfahren angesprochen bereits am 21.11.2025: dort war es vor Teilnehmern eines internationalen Kursus zur Ehegerichtsbarkeit, den die Rota Romana regelmäßig veranstaltet.
Beide Ansprachen findet man auf der päpstlichen Website; die Vatikan-Nachrichten bieten zu beidem eine deutschsprachige Meldung.
Wie die Eheverfahren zugleich kirchlich, rechtlich und seelsorglich bedeutsam sind, diese drei Gesichtspunkte hatte Papst Leo XIV. im vergangenen Jahr angesprochen; und er hatte daran erinnert, dass Barmherzigkeit und Gerechtigkeit nicht echt sein können unter Benachteiligung der Wahrheit. Dabei hatte der Papst sich auch auf seinen Amtsvorgänger Franziskus berufen.
Dass es im Eheprozess stets um Wahrheit gehen muss, hat der Papst im neuen Jahr freilich weiterhin erklärt. Jedoch erinnerte er daran, dass die Wahrheit nicht kalt und distanziert angesprochen werden darf; vielmehr sollen in allen Schritten des Verfahrens die Gebote der Nächstenliebe beachtet werden. Dabei berief der Papst sich nun auf seinen Amtsvorgänger Pius XII.: dieser hatte seinerzeit – 1944! – den Wahrheitsanspruch genauer erläutert je nach Rolle und Stellung derer, die in einem Eheverfahren mitwirken; und bereits dieser Papst hatte auf das Seelenheil verwiesen sowie angemerkt, dass der Buchstabe des Gesetzes bisweilen ein Hindernis für die Erlangung von Wahrheit und Gerechtigkeit sein kann.
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kirchlichen Gerichte wird mit der aktuellen Ansprache von Papst Leo XIV. also erneut die anspruchsvolle Aufgabe betont, dass sie von der Wahrheit nicht abweichen sollen und doch ihr Mitgefühl angemessen ausüben Wort und Tat.