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Collage Kintsugi Collage Kintsugi

Auseinandersetzung mit den eigenen Narben:Risse vergolden

Kintsugi, eine Reparaturtechnik aus Japan, bildet die Grundlage, um auf die Brüche und Verletzungen im eigenen Leben zu schauen und diese nicht zu ignorieren, sondern in die Biografie zu integrieren und als Teil von sich selbst zu akzeptieren.

Bei dieser traditionellen japanischen Reparaturmethode werden zerbrochene Keramik- oder Porzellanbruchstücke mit einer Mischung aus einem besonderen Klebstoff und Goldstaubflocken wieder zusammengefügt. Wörtlich übersetzt heißt Kintsugi „Reparieren mit Gold“. Nach dem Zusammenfügen der Scherben zeichnet sich jedes Stück durch seine einzigartige Individualität aus, denn an den Bruchstellen wird seine Geschichte sichtbar. Anstatt die Schäden zu verstecken, werden sie betont, wodurch das reparierte Objekt eine charakteristische Ästhetik erhält. Es geht um Schönheit durch Unvollkommenheit.

Mut, Stärke und Kraft bei Umbrüchen

Dieses Prinzip aus der japanischen Kultur lässt sich auch auf das menschliche Leben anwenden. Unter dem Motto „Kintsugi tut gut“ hat das Katholische Familienzentrum Bornheim am Rhein- und Vorgebirge (BARuV) dazu ein Angebot entwickelt, dass beispielsweise gut in die Fastenzeit passt. Was gibt Mut, Stärke und Kraft bei Umbrüchen, in sogenannten „Dazwischen-Zeiten“, um einen Neuanfang zu wagen und einen guten Umgang mit der eigenen Verletzlichkeit zu finden? Um im Bild zu bleiben: Mit dem gleichen Material – also denselben Ressourcen – aber mit einer neuen Perspektive auf das Objekt – gemeint ist das eigene Leben und seine Zerbrechlichkeit – kann etwas geheilt werden, selbst wenn die Narben sichtbar bleiben und akzeptiert werden, weil sie dazu gehören.

Plakat_Kintsugi

Die Teilnehmenden an einem solchen Angebot, das sich an alle Generationen richtet, beschäftigen sich mit etwas, was ihnen lieb ist. Das (zerbrochene) Gefäß steht symbolisch dafür. Und sie wünschen sich, dass es – selbst wenn etwas zerbrochen ist im Leben, zum Beispiel eine Beziehung – weitergehen kann, indem die dafür nötigen „Reparaturarbeiten“ vorgenommen werden. Begleitet werden kann dieser Workshop von spirituellen Impulsen. Auch Heikus, kurze Dreizeiler-Gedichte in Reimform, können dazu ausgedacht werden, die den Prozess des Reparierens begleiten.

Jeder, der mit machen will – von ganz jung bis ganz alt – sollte eine Schale, eine Unterlage (zum Beispiel ein Tisch-Set) und einen Spülschwamm mit einer rauen Seite mitbringen. Für den Spezialkleber und Goldstaub sorgt der Veranstalter. Im Anschluss an einen Workshop, der am Vormittag stattfindet, kann ein gemeinsamer Imbiss eingenommen und eine Tischrunde gebildet werden.

Da dieses Angebot aus der japanischen Kultur kommt, wird sein Charakter zum Beispiel mit einer japanischen Tischdekoration, zu der Kirschblüten gehören können, unterstrichen, denn natürlich geht es auch um das gemeinschaftliche Tun und die Gespräche, die dabei entstehen. Eine kleine Ausstellung, bei der die reparierten Gefäße gezeigt werden, rundet das Angebot ab.