„Aus dem Wasser und dem Geist“ (Johannes 5,3). :Ein Weihwassereimer in St. Georg in Troisdorf-Altenrath

Rheinland, um 1528
Messing, gegossen, graviert
Höhe: 38 cm, Breite: 30 cm, Tiefe: 25,5 cm
Die in ihrem Kern aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammende Altenrather Kirche St. Georg liegt inmitten eines Friedhofs und vermittelt bis heute den Charakter einer beschaulichen Dorfkirche. Von ihrer einstigen Ausstattung ist zwar im Laufe der Geschichte ein großer Teil verloren gegangen, doch haben einige bedeutende Objekte die Zeiten überdauert. Zu ihnen gehört ein auffällig gestalteter Weihwassereimer, der im Erdgeschoss des Turmes in der Nähe der Eingangstür an einem eisernen Wandarm hängt.
Weihwassereimer spielen eine wichtige Rolle im kirchlichen Leben; sie gehören zu den sogenannten Aspersionsgeräten (von lat. „aspergere“ = „besprengen“) und werden auch als Aspersorium, Benedictorium, Situla, Weih(wasser)- oder Sprengkessel bezeichnet. Sie dienen zur Aufbewahrung des geweihten Wassers, das beim Betreten der Kirche oder bei besonderen Segnungen verwendet wird. Zum Aspersorium gehört funktional ein stabförmiger, mit einem siebartig durchbrochenen Kugelknauf versehener Weih(wasser)- oder Sprengwedel (Aspergill), mit dem das segnende Besprengen (Aspersion) von Menschen, Gebäuden oder Gegenständen durch den Priester vorgenommen wird. Traditionell erinnert das Weihwasser an die Taufe und symbolisiert Reinigung, Segen und den Schutz Gottes. Der Segen mit dem Weihwasser wird an besonderen Festtagen in der Kirche, bei Prozessionen oder Beerdigungen gespendet.
Der schlicht aber würdevoll gestaltete Altenrather Weihwassereimer vermittelt den Eindruck, als sei er aus einzelnen Ringen aufgebaut, deren Durchmesser sich zur Mitte hin verringert. Auffallend ist der geschwungene Henkel, der an seiner Rundung mit Zierkerbungen versehen ist. Diese deuten skizzenhaft zwei grinsende Drachentiere an, die den Eimer und seinen Inhalt zu bewachen scheinen. Sie können auch als Apotropaion interpretiert werden, also als ein Symbol, das – so der Volksglaube – Unheil von einem Gebäude oder seinen Nutzern abwenden soll, ähnlich den oft bizarr gestalteten Wasserspeiern gotischer Kathedralen. Dort wo der Henkel am Eimer ansetzt, befinden sich zwei kleine vollplastische Halbfiguren mit schematisierten Gesichtern, welche die tartschenförmigen Schilde mit eingravierten Wappen der beiden Stifterfamilien präsentieren. Das Wappen der Familie Staël von Holstein zeigt acht Kugeln; im Wappen der Familie von Steinkopf/Steinkopp befindet sich ein Krug.
Wen aber stellen die Halbfiguren da? In Teilen der Literatur werden sie als Ministranten gedeutet; es könnte sich aber nach der Kleidung auch um Mönche handeln.
Der Altenrather Weihwassereimer wurde wahrscheinlich 1528 oder kurz danach gestiftet. Anlass könnte die Eheschließung des Wesselinger Amtmanns Wilhelm (IV.) Staël von Holstein zu Haus Sülz mit Katharina von Steinkopf/Steinkopp gewesen sein, die einer alten Kölner Patrizierfamilie entstammte. Bei der Familie Staël von Holstein handelt es sich um ein seit dem 12. Jahrhundert belegtes jülich-bergisches Uradelsgeschlecht, das nach der heute nicht mehr existierenden Burg Holstein im Homburger Bröltal bei Nümbrecht benannt ist, und dessen Angehörige seit dem Mittelalter auch im Baltikum und in Schweden leben. Die Familie wohnte auf Haus Sülz (auch: Burg Sülz) im gleichnamigen Tal und war der Kirche St. Georg stets besonders verbunden, da sie sich die Verantwortung für den Erhalt des Mittelschiffs und des Turms mit der auf Burg Schönrath ansässigen Adelsfamilie teilte. Außerdem lässt sich, neben einer Familiengruft, als besonderes Privileg ein eigener Chor an der Stelle der heutigen Sakristei nachweisen, das sogenannte „Sülzer Chörchen“. Von diesem aus konnte die Familie an der Messfeier teilnehmen, ohne von der übrigen Gemeinde gesehen zu werden.
Im 20. Jahrhundert musste der Weihwassereimer für kurze Zeit seine Heimat verlassen. 1938 kam es infolge der weiteren Ausdehnung des Truppenübungsplatzes auf der Wahner Heide zur vollständigen Enteignung und Zwangsräumung von Altenrath. Der Eimer gelangte nach Troisdorf in eine Notkirche (den umgestalteten ehemaligen Beckerschen Tanzsaal an der Frankfurter Straße), den Vorgängerbau der 1957 an anderer Stelle errichteten Kirche St. Gerhard. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er schließlich nach St. Georg zurück, wo er bis zum heutigen Tag genutzt wird.