Teil eines Gesamtkunstwerks − Das Chormosaik von St. Laurentius in Bergisch Gladbach

Hans Hansen, Köln (Entwurf), Victor Bonato, Köln (Ausführung)
1934
Glas-, Gold- und Tonmosaik
In den 1930er Jahren wurde der Künstler Hans Hansen (1889-1966) damit beauftragt, den Chorraum von St. Laurentius in Bergisch Gladbach neu zu gestalten. Im Zuge dessen schuf Hansen ein Gesamtkunstwerk, das Architektur und Ausstattung untrennbar miteinander verband und das zugleich frühchristliches Kunsthandwerk mit modernen Formen wieder zum Leben erweckte. Das Chormosaik, das im Folgenden vorgestellt wird, ist nur ein Teil dieses Gesamtkunstwerks. Ausgeführt wurde es von dem Mosaizisten Victor Bonato. Über ihn ist nicht viel bekannt außer dass er eine eigene Werkstatt besaß und sein Handwerk vermutlich in Venedig erlernte.
Neben dem Mosaik entwarf Hans Hansen auch den Tabernakel, das Altarkreuz, die Leuchter, das Ewige Licht, den Hochaltar sowie die Kirchenbänke. Einige Jahre später wurde Hansen zudem damit beauftragt, den Taufort, der sich südlich des Chores unter einem steinernen Baldachin befindet, neu auszustatten. All diese Objekte haben sich nahezu unversehrt erhalten und stehen bis heute in der Kirche.
In der halbrunden Chorapsis von St. Laurentius entfaltet sich das Mosaik über fünf Nischen sowie über die beiden seitlichen, sich gegenüberliegenden Wandabschnitte. Bis auf die Mittlere sind die Nischen weitestgehend identisch gestaltet. Im unteren Drittel finden sich geometrische Ornamentbänder mit einer Kreuz- oder Mäandermusterung. Darüber erstrecken sich mehrere Reihen von Schriftbändern auf dunkelblauen Grund. Zwischen den Schriftreihen befinden sich Lämmer, die - zwischen Sträuchern stehend - zur mittleren Nische blicken. Den oberen Abschluss bildet eine vegetabile Szene: Jeweils in Baum, umgeben von Vögeln und begleitet von einem Fluss und zahlreichen Sträuchern. Der Goldgrund verweist darauf, dass hier der Garten Eden dargestellt wird, der sich in himmlischen Sphären befindet. Die Schriftbänder berichten von den ersten sechs Versen des Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte.“ Der Psalm beschreibt Gott in Form einer Analogie als fürsorglichen Hirten, der sich um seine Lämmer kümmert, damit es ihnen an nichts fehle.
Die mittlere Nische bezieht sich auf das fünfte Kapitel der Johannesoffenbarung. Ähnlich gegliedert durch die Schriftbänder und die Lämmer befindet sich hier auf der Mittelachse ein Kreuz und darüber das apokalyptische Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln. Bekrönt wird dies mit dem Auge Gottes und der Heilig-Geist-Taube. In der Johannes-Offenbarung wird die bevorstehende Apokalypse thematisiert und damit die Wiederkehr Jesu Christi und die Errichtung des Himmelreiches auf Erden.
Die beiden Seitenwände orientieren sich in ihrer Gestaltung zwar an den Mosaiken der Chornischen, zeigen aber eine andere Gliederung und Thematik. Als Hintergrund der Wände dienen Flechtbänder aus Kreuz- und Mäandermustern, die sich bereits in den unteren Dritteln der Nischen finden lassen. Zentral positioniert befinden sich zwei Wand-Leuchter, die mittig in ein Kreuz mit umlaufendem Kreis gesetzt wurden. Zusätzlich befinden sich neben christlichen Symbolen wie der Osterkerze, Fisch und Brot und der Heilig-Geist-Taube weitere Schriftbänder auf den Wänden, die sich auf die dargestellten Tierszenen beziehen. So sind auf der Evangelienseite unten zwei Hirsche zu sehen, die an einem Wasserfall trinken (Psalm 42,2: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser“) und auf der Epistelseite der Pelikan, der seine Brut mit dem eigenen Blut nährt.
Mit dem Chormosaik schufen Hans Hansen und Victor Bonato ein farbenprächtiges Kunstwerk, welches zum einen den Chorraum als den heiligsten Bereich der Kirche hervorhebt und zugleich die einzelnen Ausstattungsobjekte wie Altar, Tabernakel und Leuchter miteinander verbindet und umrahmt.
Zuletzt restauriert wurde das Chormosaik im Zuge der Innenraumsanierung von St. Laurentius in den Jahren 2023-25, sodass es heute wieder in seiner vollen Farbintensität zu bewundern ist.