Engpass am Eingang :Zwei Türgriffe von Franz Kött in St. Dionysius in Zülpich-Schwerfen

Franz Kött, Zülpich-Schwerfen, 1965
Bronze, gegossen
Gestaltete Türgriffe und Türklopfer sind schon lange Teil von Kirchenausstattungen. Seit der Antike sind etwa Türklopfer in Form von Löwenköpfen ein häufiges Motiv an der Schwelle zum Kirchenraum. Besonders in der sakralen Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erscheint die Gestaltung von Türgriffen als beliebtes Mittel zur Anbringung kleiner, oft verspielter Motive.
Zwei solcher ungewöhnlich gestalteten Türgriffe finden sich am Westportal der Pfarrkirche St. Dionysius in Zülpich-Schwerfen. Am linken Griff geht ein Kamel mit gebeugten Vorderläufen durch einen schmalen Durchgang, am rechten Griff versucht ein Mensch einen gut gefüllten Sack durch einen ebensolchen Durchgang zu ziehen. In der Darstellung deutet sich an, dass das Kamel mit seiner Unternehmung erfolgreich sein könnte: Der mutmaßlich breiteste Teil um die Schultern scheint durch die Engstelle zu passen, der Hinterteil des Tieres mit dem Höcker ist dagegen etwas kleiner. Weniger aussichtsreich sind wohl die Bemühungen der Figur. Obwohl sie mit all ihrem Gewicht nach rechts geneigt ist, wölbt sich das Volumen des Sackes hinten noch deutlich vor der Passage.
Das Werk spielt unmissverständlich auf ein zum Sprichwort gewordenes Gleichnis Jesu in den Evangelien an: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt (Mk 10,25; Mt 19,24; Lk 18,25). Die Formensprache des Werkes ist klar und zurückhaltend, die Figuren sind zeichenhaft auf die zentralen Linien und Bewegungen reduziert. Jeweils am unteren Rand hat der Künstler seine Initialen als Signatur hinterlassen: „FK“.
In der Literatur und den Akten zur Kirche ließ sich zunächst nichts Weiteres zu Werk und Künstler herausfinden. Erst eine Recherche im Pfarrarchiv erbrachte Informationen zur Entstehung. Franz Kött, Bildhauer aus Schwerfen, stellte Pfarrer Peter Cremer am 16.12.1965 Folgendes in Rechnung: „Für das Hauptportal der kath. Pfarrkirche St. Dionysius in Schwerfen: Entwurfsarbeiten für die Gestaltung der beiden Türgriffe und Anfertigung von zwei Modellen in Ton für Bronze“.
Der Bildhauer Franz Kött stammte in der Tat selbst aus dem Ort. 1911 als Sohn eines Schwerfener Landwirts geboren, hätte er eigentlich den Betrieb der Eltern fortführen sollen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und hatte dort Gelegenheit, sich in der Bildhauerei fortzubilden. Diese Erfahrungen sollten seinen weiteren Lebenslauf prägen. Ab 1957 ließ er sich wieder in Schwerfen nieder, nun jedoch auch mit der Absicht als freischaffender Künstler zu wirken. Er arbeitete zunächst vor allem in Holz, schuf mit der Zeit aber zunehmend – wohl seit den 1970er Jahren – auch Tonmodelle für Bronzeplastiken. Die Schwerfener Türgriffe gehören möglicherweise zu seinen frühesten Arbeiten in dem neuen Medium.
Weitere Werke, die für den freien Kunstmarkt entstanden sind, zeigen ähnliche Charakteristika wie die beiden Türgriffe, sowohl von der Gestaltung her, als auch in der visuellen Umsetzung von Sprichwörtern oder Redewendungen, oft zugleich mit einer gesellschaftskritischen oder nachdenklichen Note und einem Augenzwinkern. Das konkrete Motiv der Schwerfener Türgriffe wurde von Kött später mehrmals in kompositorisch leicht variierten Einzelstücken umgesetzt.
Ebenfalls von Kött stammt ein aus Holz geschnitztes Relief des Erzengels Michael in der Gedächtniskapelle auf dem Schwerfener Friedhof. Dieses schuf er 1963, also nicht lange vor den Türgriffen. Insgesamt war er öfter für kirchliche Auftraggeber tätig und sakrale Werke bilden einen Schwerpunkt seines Schaffens. Einige seiner ersten Aufträge erhielt er über den damaligen Pastor in Zülpich-Lövenich, Karl Theodor Körfer. In zahlreichen Kirchen der Umgebung findet man daher Arbeiten von Franz Kött, so etwa in Zülpich, Zülpich-Füssenich und Zülpich-Lövenich. 2006 verstarb der Künstler, seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof in Schwerfen, nicht weit von seinem Wirkungsort und einigen seiner Werke.