Venezuela: Besuch von Partnerprojekten

"In Zeiten der Armut da sein"

7. November 2022

Caracas. Spätestens seit 2018 hört man kaum noch Gutes aus Venezuela: Die Wahlen wurden international nicht anerkannt. Die Inflation stieg dramatisch und es machte gar keinen Sinn mehr, sie zu berechnen. Der Tourismus endete komplett, die Arbeitslosenquote stieg, die Bevölkerung verarmte.

Die Erzdiözese Köln unterhält gute Kontakte zur Ortskirche. Doch die Krise führte auch dazu, dass die Kommunikation nicht mehr gut funktionierte. Ein Besuch vor Ort soll nun helfen, die Beziehungen zu pflegen, sich solidarisch zu zeigen und die Hilfe gezielt zu planen. Der Fokus liegt auf der pastoralen Hilfe. Denn in schwierigen Zeiten muss die Kirche im Besonderen bei den Menschen sein. Christoph Huber (Abteilung Weltkirche-Weltmission im Erzbistum Köln) besucht bis zum 15. November zahlreiche Partner des Erzbistums und berichtet hier von seinen Eindrücken.

Nachhaltige Projekte fördern

„Venezuela, ein ehemals reiches Erdölland, befindet sich seit Jahren in einer tiefen Krise. Zwar kostet der Liter Benzin hier lediglich € 0,50, aber bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 30 US$ ist das für die meisten trotzdem sehr teuer.

Bei meinen ersten Gesprächen in der Nuntiatur, mit Partnern in der Diözese La Guaira, der Erzdiözese Caracas und mit den Salesianern wurde immer wieder die Notwendigkeit von nachhaltigen Projekten angesprochen, die den einzelnen Diözesen mittel- und langfristig helfen, auf eigenen Beinen zu stehen. Eine Idee besteht zum Beispiel in der Einrichtung eines Kolumbariums, damit durch den Verkauf der Urnen-Nischen Einkommen für die Diözese generiert werden kann. Auch Solarenergie ist immer wieder ein Thema.

Auf der anderen Seite wurde der Diözese La Guaira in einer von der sozialistischen Regierung geplanten Neubausiedlung (insgesamt ca. 20.000 Einwohner) am zentralen Platz ein Grundstück übertragen, auf dem eine Kirche, Pfarrhaus und Pfarrsäle gebaut werden können. Die Regierung übernimmt sogar die Hälfte der Baukosten. Dieser Neubau einer Pfarrkirche in einem sozialistischen Umfeld ist ein wichtiges Zeichen der Präsenz der Kirche, die ich in Venezuela als sehr lebendig und engagiert erlebe – trotz und vielleicht gerade wegen der aktuellen Krise.“