Erinnern - Zeichen setzen

Erinnern - Zeichen setzen

Wir erleben leider immer wieder, dass wir in Deutschland nicht davon ausgehen können, trotz aller Auseinandersetzung mit der eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit, in Zukunft vor dieser menschenverachtenden Ideologie gefeit zu sein.

 

Erinnern zu  ermöglichen  ist nicht leicht.  Erinnern verändert, setzt Wissen voraus; wirft  Fragen auf; verändert den Blick auf sich selbst, die eigene Identität und  das Leben in Deutschland;  auf unser Menschenbild und unsere Verantwortung für andere. Erinnern kann „menschlicher“ machen, die Beziehung zu anderen vertiefen

Dem Erzbischöflichen Suitbertus-Gymnasium  ist diese Erinnerungsarbeit wichtig. In diesem Sinne fand in diesen Herbstferien  die 8. Fahrt nach Auschwitz statt. Freiwillig stellten sich  20 Schülerinnen und Schüler begleitet von Schulseelsorger, Schulleiterin und einer Geschichtskollegin diesem schweren Ort und der Frage „ Wo und wie konnte Auschwitz beginnen?“ Die Würde menschlichen Lebens ist ja  immer dort gefährdet, wo es an Vorstellungsvermögen und –bereitschaft mangelt, die Folgen eigenen Denkens und Handelns zu bedenken.

Erinnerungszeichen

Ein Projekt der Mahn- und Gedenkstätte mit dem Erbischöflichen Suitbertus-Gymnasium und weiteren Schulen.

 

Als die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf im Dezember 2016 anfragte, ob sich Schülerinnen und Schüler an einem Projekt zu den fünf KZ-Außenlagern in Düsseldorf widmen wollten, sagten Schülerinnen und Schüler der Geschichtskurse gerne zu. In den 5 Stadtbezirken, in denen es KZ-Außenlager gab, sollten Erinnerungszeichen aufgestellt werden. Dazu musste nicht nur ein solches Erinnerungszeichen entworfen und erstellt werden, sondern auch die Geschichte des jeweiligen Standortes erforscht werden. Viele wissen gar nicht, dass (…) in unmittelbarer  Nähe, direkt am Kalkumer Bahnhof, wo heute die Spaziergänger und Reiter die Natur genießen , vor mehr als 70 Jahren noch Menschen unter unwürdigsten Bedingungen schufteten und in Baracken hausten. - In monatelanger Arbeit wurden Akten und Archive durchstöbert und Fotografien ausgewertet. Das Ergebnis wurde am 1. September 2017 im Düsseldorfer Rathaus der Öffentlichkeit im Beisein des Oberbürgermeisters präsentiert. Seitdem erinnert ein geöffnetes Tor als Zeichen  an der Bushaltestelle „Forst Kalkum“ an der Kalkumer Schlossallee an das unsägliche Leid der KZ-Häftlinge.

Begleitet wurde das Projekt von den Geschichtslehrern Peter Stegt und Markus Veh des Suitbertus-Gymnasiums und von Dr. Peter Henkel von der Mahn- und Gedenkstätte. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler waren Marie Gerding, Arno Minuth, Muriel Rupprecht und Moritz Teichner.

 

KZ-Außenlager in Düsseldorf?

Aus dem Jahrbuch des Erzb. Suitbertus-Gymnasiums

Ein Überblick

von Arno Minuth und Moritz Teichner

 

 

Jedem sind die Konzentrationslager Auschwitz und Dachau ein Begriff. Weniger bekannt ist, dass insgesamt ungefähr 730 sogenannte KZ-Außenlager während der Zeit des Nationalsozialismus zum Teil mitten in den Städten entstan- den. Für die SS (Schutzstaffel), die die Konzentrationslager betrieb, waren die Häftlinge ein wirtschaftlicher Faktor. Als „Sklavenarbeiter“ wurden sie an Unternehmen und Kommunen vermietet, von denen sie in der Rüstung oder bei der Trümmerbeseitigung eingesetzt wurden.

Außenlager

Die Unterbringung in den Außenlagern unterschied sich nur unwesentlich von der Situation in den Haupt(Stamm)lagern. Das Wachpersonal bestand aus wenigen SS-Männern. Ver- stärkt wurden diese durch Schutzpolizisten und Hilfspolizis- ten. Wie auch in den Stammlagern wurden bestimmte Häft- linge, „Funktionshäftlinge“ genannt, zu speziellen Aufgaben herangezogen, für die sie Begünstigungen erhielten. Vielfach wurden diese Häftlinge auch zur Bestrafung von Mithäftlingen eingesetzt. Die in Düsseldorf eingesetzten Häftlinge stammten aus Deutschland wie auch aus allen von der Wehrmacht besetzten Ländern.

Zwischen 1942 und 1945 existierten in Düsseldorf fünf solcher Lager:

• KZ-Außenlager Stoffeln, Stoffeler Kapellenweg

• KZ-Außenkommando Bombenräumkommando Kalkum, Kalkumer Schlossallee

• KZ-Außenlager Berta I, Schlüterstraße

• KZ-Außenlager Berta II, Rather Straße

• KZ-Außenlager Deutsche Erd- und Steinwerke, Kirchfeldstraße 74-80

 

 

Während Stoffeln schon 1943 aufgelöst wurde, existierten die anderen Lager bis März 1945. Die Häftlinge wurden dann in zum Teil brutalen und langen Märschen zurück in das KZ Buchenwald verlegt.

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Keine juristische Aufarbeitung

Eine juristische Aufarbeitung der Verbrechen in diesen Lagern scheiterte. Bis auf den Lagerführer vom Lager „Berta“, Hans Knauf, wurde kein Lagerpersonal zur Verantwortung gezogen.

 

Die Erinnerungszeichen sind ein Schulprojekt des Albrecht- Dürer-Berufskollegs, der Dumont-Lindemann-Hauptschule, des Franz-Jürgens-Berufskollegs, des Geschwister-Scholl- Gymnasiums, des Goethe-Gymnasiums, des Heinrich-Hertz- Berufskollegs, des Leibniz-Montessori Gymnasiums und des Suitbertus-Gymnasiums zusammen mit der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, unterstützt durch die Bezirksvertretungen 1, 2, 3 und 5 sowie durch die Rheinmetall AG.

 

 

In Kalkum befand sich von 1942 bis 1945 das nördlichste Lager auf heutigem Düsseldorfer Stadtgebiet. Das Bombenräumkommando Kalkum im Wald nahe des ehemaligen Kalkumer Bahnhofs bestand aus 20 Luftwaffensoldaten, über 100 Zuchthaus- und 50 KZ-Häftlingen. Ihr Einsatzbereich umfasst neben Düsseldorf weite Teile des Umland und des Ruhrgebiets.

Die dort eingesetzten Häftlinge hatten die Aufgabe, die nicht explodierten Bomben zu bergen. Sie wurden dann entweder vor Ort oder im Lager Kalkum durch die hoch spezialisierten Soldaten entschärft. Soweit möglich, wurden die Materialien in der heimischen Rüstungsindustrie wiederverwendet. Die Häftlinge setzten sich aus Insassen des Zuchthauses Lüttringhausen und KZ-Häftlingen aus Buchenwald zusam- men. Während erstere ständig im Lager lebten, wurden die KZ-Häftlinge nur für die Einsätze aus ihrem Lager in der Elisabeth-Charlotten-Schule, Kirchfeldstraße 74-80, mit LKWs herangeholt. Bei einem solchen Transport kamen im November 1944 acht Häftlinge ums Leben. Der Arbeitseinsatz war risikoreich. Die Blindgänger konnten während der Bergung jederzeit explodieren. Neben Bomben, deren Zünder nicht funktionierten, gab es auch Typen mit Langzeitzündern, die erst nach Stunden oder Tagen explodieren sollten. Sie konn- ten jederzeit während der Bergung hochgehen.

Der Kommandoführer Kalkum war Heinz Schweizer, der als Experte  für  die  Entwicklung  von  Entschärfungsstrategien galt. Die heute noch angewendeten Verfahren gehen zum Teil auf ihn zurück. Der mit dem Ritterkreuz ausgezeichnete