Erziehung und Bildung im Geist der Frohen Botschaft

Erziehung und Bildung im Geist der Frohen Botschaft

Selbstverständnis und Auftrag Katholischer Schulen

Unter dem Titel "Erziehung und Bildung im Geist der Frohen Botschaft", haben die deutschen Bischöfe am 25. April 2016 sieben Thesen zum Selbstverständnis und Auftrag Katholischer Schulen veröffentlicht. Sie charakterisieren darin das Bildungsverständnis Katholischer Schulen und betonen die religiöse Dimension der Erziehung und Bildung, die pastorale Bedeutung der Schulen sowie deren Auftrag, die Schülerinnen und Schüler zu verantwortlicher Weltgestaltung zu erziehen.

 

Der Download des gesamten Textes vom 25.04.2016

 

1. Katholische Schulen stehen für eine Erziehung und Bildung um des Menschen willen und grenzen sich gegen ein funktionalistisches Bildungsverständnis ab.

Die Erziehungs- und Bildungsarbeit Katholischer Schulen gründet in der christlichen Anthropologie, die jeden Menschen als geliebtes Geschöpf und unverfügbares Ebenbild Gottes sieht. Von dieser positiven Sicht auf den Menschen her verstehen Katholische Schulen Erziehung und Bildung als einen umfassenden Dienst am jungen Menschen mit dem Ziel, die ihm geschenkten Begabungen und persönlichen Anlagen zur Entfaltung zu bringen und an der Gestaltung der Welt in Freiheit ver-antwortlich mitzuwirken. Deshalb sind für Katholische Schulen die Persönlichkeitsentwicklung und individuelle Förderung sowie die personale Freiheit der Kinder und Jugendlichen aus dem Geist der Frohen Botschaft von zentraler Bedeutung.

In der gegenwärtigen Bildungslandschaft in Deutschland sind Tendenzen zu beobachten, die auf eine Vereinnahmung des Bildungssystems durch das Wirtschaftssystem zielen. Dabei entsteht ein funktionalistisch verengter Bildungsbegriff, der die Frage nach der ökonomischen Nützlichkeit und Verwertbarkeit von Bildung in den Mittelpunkt stellt und oftmals in der Gefahr steht, Bildung auf Ausbildung zu reduzieren. Gegen solche Tendenzen grenzt sich das auf der christlichen Anthropologie basierende Erziehungs- und Bildungsverständnis Katholischer Schulen deutlich ab.

 

Selbstverständlich stehen die allgemeinbilden-den und berufsbildenden Katholischen Schulen in der Verantwortung, eine gute Grundlage für die berufliche Zukunft ihrer Schülerinnen und Schüler zu legen. Daher stellen sie sich den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Im Sinne des „Vorrangs des Menschen“ vor ökonomischen Belangen orientieren sie sich dabei aber primär am Menschen selbst.

 

 

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2. Katholische Schulen regen zur Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen an und bieten Raum zur Begegnung mit Gott.

Katholische Schulen bieten Kindern und Jugendlichen, Lehrkräften und Eltern einen Lern-, Erfahrungs- und Lebensraum an, in dem religiöse Erziehung und Bildung von zentraler Bedeutung sind. Grundlegend ist dabei die Überzeugung, dass zu einer vertieften Erkenntnis der Wirklichkeit auch ein Bewusstsein von deren religiöser Dimension gehört. Diesen Weltzugang für Kinder und Jugendliche zu erschließen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe, der sich Katholische Schulen und die in ihnen arbeitenden Lehrkräfte stellen müssen. Die religiöse Dimension ihrer Erziehungs- und Bildungsarbeit darf sich daher nicht al-lein auf den Religionsunterricht beschränken, sondern muss den Unterricht aller Fächer wie auch die vielfältigen außerunterrichtlichen Angebote und das gesamte Schulleben durchziehen.

Aufgrund der sehr verschiedenen Ausgangssituationen der einzelnen Katholischen Schulen sind dabei deren Möglichkeiten, mithin auch die konkreten Wege und Ansätze sehr unterschiedlich. Eine grundlegende Aufgabe besteht sicher darin, sich „um eine Öffnung für den religiösen Sinn des Lebens zu bemühen“ und eine verbreitete religiöse Sprachlosigkeit zu überwinden. Daher muss nicht nur die Sprach- und Auskunftsfähigkeit im Allgemeinen gefördert werden, sondern es müssen existenzielle und transzendierende Fragestellungen in den alltäglichen Prozess des Lernens eingebracht werden.

 

 

 

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3. Katholische Schulen sind Orte der Kirche und haben teil an ihrer pastoralen Sendung.

In Katholischen Schulen als Lebensräumen treffen Kinder und Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Glaubenserfahrungen aufeinander: Die einen kommen aus Familien, in deren Alltag der Glaube und die Bindung an die Kirche eine wichtige Rolle spielt, andere kommen aus Familien, die keinen Kontakt zur Kirche haben oder in denen Religion und Glaube nicht thematisiert werden. Für einen größer werdenden Anteil der Schülerinnen und Schüler an Katholischen Schulen sind diese „der einzige Ort“, an dem sie „mit den Verkündern der Guten Nachricht zusammentreffen“ und mit Gleichaltrigen eine Glaubensgemeinschaft erleben können. Hier erleben sie christliches Glaubensleben im Alltag und begegnen Menschen, denen der Glaube wichtig ist.

Die Herausforderung für Katholische Schulen liegt daher nicht nur darin, dass sie „immer versuchen, ihre erzieherische Aufgabe mit der ausdrücklichen Verkündigung des Evangeliums zu verbinden“, sondern auch darin, junge Menschen mit Formen der Feier des Glaubens und des aus dem Glauben motivierten Dienstes am Nächsten bekannt zu machen.

 

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4. Katholische Schulen befähigen die Schülerinnen und Schüler zu ethischer Reflexion und ermutigen sie zur Entwicklung einer werteorientierten Haltung und zu verantwortlicher Weltgestaltung.

Die Welt, in der Kinder und Jugendliche heute heranwachsen, ist geprägt von Vielfalt und unendlich erscheinenden Möglichkeiten, aber auch von wachsenden Unübersichtlichkeiten. Rasante Entwicklungen in Wissenschaft und Technik, Wachstum von Wissen und technischen Eingriffs- und Gestaltungsmöglichkeiten in Bezug auf das eigene ebenso wie in Bezug auf fremdes Leben – bis hin zu dessen Verfügbarkeit – eröffnen Entscheidungsmöglichkeiten und fordern zu Entscheidungen heraus. Elektronische Medien bieten leichten und nahezu unbeschränkten Zugang zu Informationen, sozialen Kontakten und Wegen der Selbstpräsentation. Das alles steht auch im Zusammenhang mit einer Reihe globaler Fragestellungen und Herausforderungen, die einerseits menschliches Handeln bestimmen und andererseits durch dieses beeinflusst werden.

Katholische Schulen verstehen es in dieser Situation als ihre Aufgabe, zur Reflexion anzuregen und zu verantwortlichem Handeln zu befähigen. Die Schülerinnen und Schüler sollen Urteilskraft und Kriterien zur ethischen Orientierung erwerben, auf deren Basis gute und vernünftige Entscheidungen getroffen werden können. Inspiration und Maßstäbe schöpfen die Lernen-den und Lehrenden dabei aus dem christlichen Verständnis vom Menschen, aus dem Herrschafts- und Verantwortungsauftrag für die Welt (vgl. Gen 1,28; 2,15), aus der befreienden Botschaft Jesu Christi, der Einladung zur Mitarbeit am Reich Gottes und der Berufung zur Heiligkeit.

Lehrerinnen und Lehrer haben den Auftrag, ihre Schülerinnen und Schüler zu vertieftem fachlichen Lernen anzuleiten. Dazu gehört es auch, kritisch Stellung zu nehmen und nach dem Zweck und Sinn dessen zu fragen, was gelernt werden soll. Im Zusammenwirken von im Unterricht reflektierter, in Projekten erprobter und im Schulalltag erfahrener Werteorientierung können Schülerinnen und Schüler Katholischer Schulen eine eigenständig durchdachte ethische Haltung erwerben, die ihr Handeln trägt. Sie erfahren, dass sich ihr Handeln auf die Gesellschaft auswirkt, und werden ermutigt, gestaltende Verantwortung in einer zunehmend global vernetzten Welt zu übernehmen.

 

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5. Katholische Schulen leisten einen Beitrag zu mehr Teilhabe und Gerechtigkeit in der Gesellschaft.

Katholische Schulen sehen eine ihrer Aufgaben darin, den unterschiedlichsten Menschen Zugang zu Bildung zu verschaffen. Dabei stehen sie besonders auf der Seite derjenigen Menschen, die in irgendeiner Weise von Benachteiligung und Ausgrenzung betroffen sind. So fordert etwa das Zweite Vatikanische Konzil, dass sich Katholische Schulen „besonders derjenigen annehmen, die arm sind an zeitlichen Gütern, den Schutz und die Liebe der Familie entbehren müssen oder der Gnade des Glaubens fernstehen“. Diese Option für Benachteiligte ist im Bildungsbereich von besonders großer Bedeutung, weil der Bildung eine Schlüsselfunktion für die persönliche Entwicklung und die Verwirklichung gesellschaftlicher Teilhabe zukommt. Bildung schafft entscheidende Voraussetzungen für die Möglichkeit der Übernahme von Verantwortung für sich selbst und für die Gemeinschaft. Zugleich gibt es bei den Teilhabechancen im Bildungsbereich selbst immer noch eine erhebliche soziale Ungleichheit. Die Frage nach der Minimierung von Bildungsbenachteiligung ist daher in Deutschland zu einer zentralen sozialen Frage am Beginn des 21. Jahrhunderts geworden.

 

 

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6. Katholische Schulen sind Orte des Dialogs und der menschlichen Gemeinschaft in Vielfalt.

Im Zuge von globaler Vernetzung und Mobilität kommen sich die Menschen weltweit in vielerlei Hinsicht immer näher. Dabei werden neben sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten insbesondere kulturelle und religiöse Unterschiede deutlich. Diese kulturelle und religiöse Vielfalt ist in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung. Zugleich birgt sie aber auch Spannungen und erhebliche Herausforderungen sowohl für den gesellschaftlichen Zusammenhalt als auch für den Frieden zwischen Völkern und Nationen. Die katholische Kirche sieht sich in der Verantwortung, das friedliche Zusammenleben aller Menschen auf der Welt zu fördern. Sie versteht sich selbst als „Zeichen und Werkzeug … für die Einheit der ganzen Menschheit“ und möchte mehr und mehr „zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft“ werden. Katholische Schulen haben teil an der Frieden und Einheit stiftenden Aufgabe der Kirche. Sie verstehen sich als „Erziehungsgemeinschaften“ und wollen bei aller Unterschiedlichkeit der am Schulleben beteiligten Personen Gemeinschaft in Vielfalt sein.

Gerade auch hinsichtlich der religiösen Überzeugungen und Weltanschauungen erleben wir in Deutschland eine zunehmende Heterogenität.  Katholische Schulen wollen junge Menschen darauf vorbereiten, eine plurale Gesellschaft zu gestalten und sich darin mit ihrer eigenen Position einzubringen. Deshalb ist die Fähigkeit zum interkulturellen und interreligiösen Dialog ein wichtiges Erziehungs- und Bildungsziel Katholischer Schulen. Ein solcher Dialog setzt sowohl die Auskunftsfähigkeit über den eigenen Standpunkt voraus als auch eine „Haltung der Offenheit in der Wahrheit und in der Liebe“, die sich durch wirkliches Interesse am Anderen sowie durch Respekt und Wertschätzung gegenüber der je anderen Position und der entsprechenden Lebensgestaltung auszeichnet.

 

 

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7. Mit ihren Katholischen Schulen nimmt die Kirche ihre Erziehungs- und Bildungsverantwortung im Rahmen der von der Verfassung gewollten Vielfalt des Schulangebots wahr.

Es ist ein ureigenes Recht der Eltern, für ihr Kind diejenige Schule wählen zu dürfen, die ihren Überzeugungen am meisten entspricht. Das Zweite Vatikanische Konzil macht darauf aufmerksam, dass mit dem Menschenrecht der Religionsfreiheit untrennbar auch das Recht der Eltern verbunden ist, ihre Kinder gemäß ihrer eigenen religiösen Überzeugung zu erziehen.  Ganz im Sinne einer solchen Freiheit des Schulwesens tritt auch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bewusst einem staatlichen Bildungsmonopol entgegen und strebt eine Vielfalt im Bildungsangebot an: Neben den staatlichen Schulen sollen Schulen in freier Trägerschaft Pluralität in der Schulland-schaft garantieren. Die kirchlichen Schulen nehmen dabei eine herausgehobene Rolle ein, weil die Kirchen in Deutschland der mit Abstand größte Schulträger neben dem Staat sind.

Mit ihren Katholischen Schulen kommt die Kirche zugleich ihrem eigenen Erziehungs- und Bildungsauftrag nach. Sie hat die Aufgabe, die Gläubigen darin zu unterstützen, dass sie im Glauben wachsen und ihr Leben aus dem Glauben gestalten können. Darüber hinaus steht sie in der Verantwortung, in die gesamte Gesellschaft hinein zu wirken und die Gesellschaft mitzugestalten.  

Als Schulen in freier Trägerschaft haben Katholische Schulen in Deutschland viele Gestaltungsmöglichkeiten, womit gleichzeitig der Auftrag verbunden ist, diese Möglichkeiten auch zu nutzen. Es ist ihre Aufgabe, immer wieder „nach neuen, unkonventionellen Formen der Erziehung zu suchen, gemäß den Bedürfnissen der Orte, der Zeiten und der Personen“. Katholische Schulen haben den Anspruch, „andere Schulen“ zu sein, die sich dadurch auszeichnen, dass sie eine vom christlichen Glauben geprägte Umgebung schaffen.

 

 

 

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Zusammenstellung: -gru-