Zeitzeugen befragen

ZEITZEUGEN BEFRAGEN

Unterrichtsreihe zu dem Jugendroman "Damals war es Friedrich" von Hans Peter Richter

von Dr. Simone Kippels

 

 

"Damals war es Friedrich"...Zeitzeugen befragen und von ihnen lernen

 

Im Rahmen einer Unterrichtsreihe zu dem Jugendroman „Damals war es Friedrich“ von Hans Peter Richter, den die Schülerinnen der 6b aus fünf weiteren vorgeschlagenen Jugendbüchern mit großer Mehrheit ausgewählt haben, ergab sich die Möglichkeit einer Zeitzeugenbefragung. Der Roman spielt vor und im zweiten Weltkrieg und behandelt die Problematik einer Freundschaft zwischen einem jüdischen und nicht-jüdischen Jungen. Das Interesse der Schülerinnen an dieser Unterrichtsreihe war und ist dermaßen groß, dass die Mädchen sogar von sich aus auf die Idee kamen, mit Zeitzeugen in ihren Familien oder im Freundes- und Bekanntenkreis Interviews zu führen und Großeltern, Nachbarn etc. zu befragen. Darüber hinaus brachten die Kinder viel Bildmaterial und andere Zeitdokumente aus der damaligen Zeit mit in den Unterricht.

Wie von selbst entstand die Idee, Großeltern zu fragen

Wie von selbst entstand die Idee, Großeltern zu fragen, ob diese auch bereit wären, in die Schule zu kommen und dort von ihren Erfahrungen zu berichten. Schnell hatten sich drei Großmütter –eine der Damen ist bereits über 90 Jahre alt - gefunden, dies zu tun. Die Großmütter  kamen an einem Nachmittag, den die Kinder bestens organisiert hatten, in die Schule und die drei freundlichen Damen standen bei Kaffee und von den Kindern selbstgebackenem Kuchen mit einer nicht enden wollenden Geduld der Klasse zur Beantwortung unzähliger Fragen zur Verfügung. Die Fragen zeugten zum Teil von einem sehr großen geschichtlichen Interesse, andere Fragen waren sehr persönlich und einige Fragen zeigten, dass die Schülerinnen unserer Zeit sich das Grauen der damaligen Zeit – zum Glück – gar nicht vorstellen können, wenn denn zum Beispiel gefragt wurde, welchen Hobbys die Damen denn in der damaligen Zeit nachgegangen seien. Es war für die Kinder mehr als lehrreich zu hören, dass man trotz der nicht vorhandenen Möglichkeiten, Hobbys nachzugehen, eine zwar unglaublich entbehrungsreiche, dennoch aber im privaten Raum relativ schöne Kindheit verleben konnte – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass gewährleistet war, dass die Familien und Freunde zusammenhielten. Überhaupt war der Zusammenhalt in der damaligen Zeit ein großes Thema, andererseits aber wurde auch das Misstrauen anderen gegenüber angesprochen, die Angst, von jemandem, dem man eigentlich vertraute, vielleicht doch eines Tages wegen einer systemkritischen Aussage verraten zu werden. Zum Teil waren die Geschichten, die die Großmütter erzählten, tief bewegend und gingen unter die Haut. Vor allem die Geschichten über ihre Flucht und ihr Ankommen und über das nicht immer nur freundliche Aufgenommenwerden hier in unserer Gegend machten nachdenklich und betroffen.

Manchmal schweiften die Blicke ab

Manchmal schweiften die Blicke der Damen ab, wenn sie erzählten von Menschen, die sie im Krieg verloren haben, von Vätern, die auf Heimaturlaub kamen, aber von ihren Kindern, die so oft jahrelang nicht gesehen hatten, nicht freudig empfangen wurden, weil diese Kinder diese Väter ja gar nicht kannten, wenn sie berichteten über karge Mahlzeiten, von „Leberwurst“, die aus Majoran, Wasser und Haferflocken bestand und den Namen „Wurst“ nicht verdiente…. Als Zuhörer hatte man oftmals das Gefühl, als ob vor dem inneren Auge der Zeitzeugen ein Film abliefe, der ihnen das eine oder andere – durchaus auch schmerzhaft – wieder in Erinnerung rief.

Was die Schülerinnen sicher gelernt haben, ist, dass wir heute alle keine Schuld haben an dem, was damals in deutschem Namen passiert ist, wir aber alle in der Verantwortung stehen, mitzuhelfen, dass so etwas nie wieder passieren darf. Schon beim Lesen des Buches und erst recht des Vorspanns „Damals waren es die Juden… Heute sind es dort die Schwarzen, hier die Studenten… Morgen werden es vielleicht die Weißen, die Chinesen oder die Beamten sein…“ war den Mädchen klar geworden, dass wir alle – wenn man nicht den Anfängen währt – eines Tages in eine Situation geraten könnten wie der Protagonist des Romans und mit ihm Millionen anderer. Der Nachmittag mit den Zeitzeuginnen hat aber umso mehr dazu beigetragen, dieses Bewusstsein in den Köpfen der Schülerinnen nachhaltig wachzuhalten.

 

Dr. Simone Kippels, stellv. Schulleiterin & Deutschlehrerin der 6B

 

Grundlage der Grafik/-gru  ist eine Fotografie von A.Schomaker-Huett

INFORMATIONEN

Hans Peter Richter

Dr. Hans Peter Richter, geboren 1925 in Köln, studierte Psychologie und Soziologie und arbeitete seit 1952 in selbstständiger Forschungstätigkeit für verschiedene Rundfunkanstalten und Wirtschaftsunternehmen. 1973 wurde er Professor für Wissenschaftsmethoden und Soziologie an der Fachhochschule in Darmstadt. Daneben hat er zahlreiche Bücher für Erwachsene, Jugendliche und Kinder geschrieben und herausgegeben. Zweimal erhielt er für seine Arbeiten ein Stipendium an der Cité Internationale des Arts in Paris.

1961 erschien sein Jugendroman ›Damals war es Friedrich‹ (dtv pocket 7800), der mit einer Auflage von mittlerweile über einer Million zu den bekanntesten und weitest verbreiteten Büchern zum Thema »Judenverfolgung im Dritten Reich« gehört. Millionen von Schülern haben sich durch dieses Buch mit Nationalsozialismus und Jude nverfolgung auseinander gesetzt. ›Damals war es Friedrich‹ wurde mit dem Mildred-Batchelder-Award der American Library Association für das beste in Amerika veröffentlichte Jugendbuch eines nicht amerikanischen Autors ausgezeichnet, dem Sebaldus-Jugendbuchpreis und dem Woodward-School-Book-Award. Das Buch stand außerdem in der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis und wurde in viele Sprachen übersetzt.

Der Autor starb im November 1993 in Mainz am Rhein.

Handlung

Damals war es Friedrich erzählt die traurige Geschichte einer Freundschaft zwischen einem jüdischen und einem nicht-jüdischen Jungen im Dritten Reich.

 

 

Der "Schulklassiker" Damals war es Friedrich, der deshalb so bekannt ist, weil er sich seit Jahrzehnten als kanonischer Text der Schullektüre hält (vgl. Schrader 2005, Waldherr 2001, S.36), erzählt die Geschichte einer Freundschaft im Dritten Reich zwischen dem jüdischen Jungen Friedrich Schneider und einem nicht-jüdischen Jungen, dem namenlosen Ich-Erzähler. In 32 kurzen Episoden, die den Charakter von Kurzgeschichten haben, werden die Stationen der Freundschaft nachvollzogen. Im Zentrum steht hierbei vor allem die zunehmende Diskriminierung, die Juden im Nationalsozialismus erfuhren.

 

Die Freunde werden beide im Jahr 1925 geboren und wohnen mit ihren Eltern in einem Mehrfamilienhaus, das Herrn Resch gehört, einem überzeugten Nationalsozialisten. Die Freundschaft der gleichaltrigen Jungen ist deshalb so intensiv, weil sie beide Einzelkinder sind. Doch aufgrund ihrer Religionszugehörigkeiten entwickeln sich ihre Lebenswege sehr unterschiedlich. Zwar werden auch einige schöne Momente im Leben der Jungen erzählt, z.B. ein gemeinsamer Besuch auf dem Jahrmarkt (Richter 2013, S. 23 -28) und die Aufnahme Friedrichs in die jüdische Gemeinde (ebd., S. 69-74), zu der ihn sein Freund begleitet. Doch überwiegend berühren die Episoden das Thema Judenverfolgung im Dritten Reich.

Friedrich ist früh mit dem Antisemitismus konfrontiert. Der Hausbesitzer beschimpft ihn als "Judenbengel" (ebd., S. 18) und versucht, die Familie aus dem Haus zu klagen, zunächst ohne Erfolg. Der Vater des Ich-Erzählers hingegen tritt in die NSDAP ein, damit er wieder Arbeit bekommt, was zur Folge hat, dass sich die wirtschaftliche Situation der Familie verbessert. Unterdessen verliert Friedrichs Vater seine Arbeit. Die Situation spitzt sich im Laufe der Handlung für die Familie Schneider dramatisch zu: Friedrich muss die Schule verlassen, der Vater kann kein Beamter mehr sein, die Mutter stirbt nach der Reichsprogromnacht, in der ihre gesamte Einrichtung zerstört wird, Friedrich und der Vater müssen sich Judensterne an die Kleidung nähen, zum Ende hin wird auch der Vater verhaftet und abgeführt. So bleibt Friedrich allein zurück, der am Schluss bei einem Bombenangriff der Allierten stirbt, weil ihm der Hausbesitzer Resch den Zugang zum Luftschutzkeller verweigert.