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Viele Wege führen zur Berufung:Acht angehende Seelsorgende über ihren Werdegang

Gruppenfoto: Die neuen Seelsorgenden (v.l.): Maria Alaimo di Loro, Laura Meyer, Felix Köller, Chantal Erdmann, Michael Friedrich,  Caroline Lypken und Cornelia Hardieß (nicht im Bild: Charlotte Nielen)
Datum:
16. Sept. 2026
Von:
Newsdesk/kla
Am 19. September werden acht neue Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten in einem Pontifikalamt im Kölner Dom beauftragt. Ihre persönlichen Geschichten zeigen, wie unterschiedlich ihre Wege zur Berufung aussehen.

Viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch zur eigenen Berufung. Ihren eigenen Berufungsweg als Pastoral- und Gemeindereferent/in haben in diesem Jahr acht Menschen aus dem Erzbistum Köln gefunden. Am 19. September werden sie im Kölner Dom in einem feierlichen Pontifikalamt unter dem Leitvers „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ (Psalm 31,9) zu ihrem Dienst beauftragt.

Weihbischof Ansgar Puff wird Maria Alaimo di Loro, Chantal Erdmann, Cornelia Hardieß und Laura Meyer zu Gemeindereferentinnen sowie Michael Friedrich, Felix Köller, Caroline Lypken und Charlotte Nielen zu Pastoralreferentinnen bzw. zum Pastoralreferenten beauftragen.

Drei Fragen an...

Heimatgemeinde: St. Marien in Querum, Braunschweig 

Einsatzgemeinde: Pastorale Einheit Im Kölner Süden

Wie sah Ihr Weg in die Seelsorge aus und wann haben Sie gespürt: Das ist meine Berufung?

Eine spannende Frage. Als Jugendlicher habe ich es geliebt, in meinem Pfadfinderstamm in den Andachten Erfahrungsräume für die Begegnung mit Gott zu öffnen - über Musik, Worte, Diskussionen. Und in ruhigen Lagerfeuerrunden habe ich mich oft gefragt, wo mich diese Erfahrung hinführen möchte, wohin ich gerufen werde. Nach meiner Lehrerausbildung habe ich dann gemerkt: Diesen roten Faden möchte ich wieder aufnehmen -  Kirche als Erfahrungsräume gestalten, Menschen stärken und ermutigen, auf Gottes Nähe hindeuten. 

Was bedeutet der Dienst für Sie persönlich?

Als Seelsorger arbeiten zu dürfen, ist ein Geschenk. Es ist spannend mit ganz unterschiedlichen Menschen unterwegs zu sein. Das sind dann nicht bloß Arbeitswege, ich sehe sie vielmehr auch als Lebenswege. Man ist gemeinsam unterwegs.

Welche biblische Person hat Sie auf Ihrem Weg besonders inspiriert – und warum?

Am meisten hat mich Jesus selbst inspiriert. Denn er schließt keine:n aus, sondern gestaltet Gemeinschaft mit allen. Und er schaut weiter als nur auf die Ecken und Kanten; er sieht den Wert, das Talent, die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Menschen. Das prägt mich im Blick auf andere - und auch im Blick auf mich selbst. 

Heimatgemeinde: St. Johannes, Meckenheim

Einsatzgemeinde: Sendungsraum Katholisch in Bonn Süd-West, Schwerpunkt im Bonner Melbtal

Wie sah Ihr Weg in die Seelsorge aus und wann haben Sie gespürt: Das ist meine Berufung?

Nach meinem Abitur habe ich zunächst eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gemacht, weil für mich klar war, dass ich einen Beruf nah am Menschen ausüben möchte. In der Pflege habe ich erlebt, wie wichtig es ist, Menschen gerade in schwierigen Situationen zu begleiten. Da ich im Glauben schon immer stark verwurzelt war, ist in mir zunehmend der Wunsch gewachsen, Menschen auch in ihren Fragen nach Sinn, Hoffnung und Glauben zu begleiten. Deshalb habe ich mich für ein Theologiestudium in Bonn entschieden, mit dem Ziel, anschließend in die Seelsorge zu gehen.

Was bedeutet der Dienst für Sie persönlich?

Seelsorge bedeutet für mich vor allem Dienst am Menschen: da zu sein, zuzuhören, Halt zu geben und Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zu begleiten. Besonders schön finde ich, Menschen von klein auf begleiten zu dürfen – Kinder, Familien und Erwachsene – und gemeinsam mit ihnen den Glauben und die Religion immer wieder neu zu entdecken. Für mich ist Seelsorge ein sehr abwechslungsreicher und erfüllender Dienst, bei dem ich Menschen auf Augenhöhe begegnen, Gemeinschaft stärken und etwas von Gottes Liebe und Hoffnung weitergeben darf.

Welche biblische Person hat Sie auf Ihrem Weg besonders inspiriert – und warum?

Eine besondere Inspiration für mich ist die Heilige Elisabeth von Thüringen. Mich beeindruckt ihre große Nächstenliebe und ihr selbstverständlicher Einsatz für Menschen, die Hilfe und Unterstützung brauchten. Sie hat ihren Glauben nicht nur mit Worten, sondern vor allem durch ihr Handeln gelebt. Dieses Beispiel ermutigt mich, mich den Menschen zuzuwenden und Gottes Liebe durch mein eigenes Handeln erfahrbar zu machen.

Heimatgemeinde: St. Hubertus Düsseldorf-Itter / ehemalige Seelsorgeeinheit Düsseldorfer Rheinbogen, welche heute Teil der Pfarrei St. Nikolaus Düsseldorf ist.

Einsatzgemeinden: St. Laurentius in Niederkassel-Mondorf, St. Dionysius in Niederkassel-Rheidt und St. Lambertus in Troisdorf-Bergheim im Seelsorgebereich Siegmündung sowie an den Pfarreien St. Gerhard in Troisdorf, St. Hippolytus in Troisdorf, St. Georg in Troisdorf-Altenrath und St. Mariä Himmelfahrt in Troisdorf-Spich im Seelsorgebereich Troisdorf sowie an der Pfarrei St. Johannes in Troisdorf im Kreisdekanat Rhein-Sieg-Kreis.

Wie sah Ihr Weg in die Seelsorge aus und wann haben Sie gespürt: Das ist meine Berufung?

Mein Weg in die Seelsorge nahm zunächst einen Umweg: Nach Abitur und Bundesfreiwilligendienst habe ich eine Zeit lang Deutsch und katholische Religionslehre auf Lehramt studiert. Gleichzeitig war ich weiter mit großer Begeisterung ehrenamtlich in der Jugendarbeit, Firmvorbereitung und bei modernen Gottesdienstformaten in meinen Heimatgemeinden aktiv. Beim Weltjugendtag in Polen habe ich mir dann ganz bewusst die Frage gestellt, was ich wirklich mit meinem Leben machen möchte – und gemerkt: Ich möchte das, was mich selbst trägt und begeistert, zu meinem Beruf machen. Ich möchte Menschen von einem Gott erzählen, der uns nahe ist und dessen Freundschaft unser Leben verändern kann.

Was bedeutet der Dienst für Sie persönlich?

Seelsorger zu sein bedeutet für mich vor allem, zu den Menschen zu gehen und ein Stück weit mit ihnen unterwegs zu sein – unabhängig davon, wie alt sie sind, woher sie kommen oder wie nah oder fern sie der Kirche sind. Ich wünsche mir eine Kirche, in der Menschen etwas von der bedingungslosen Liebe Gottes erfahren und in der sie mit allem, was sie ausmacht, willkommen sind. Dabei möchte ich meine eigene Begeisterung für den Glauben weitergeben und Räume schaffen, in denen andere ihre ganz eigenen Erfahrungen mit Gott machen können. Wenn Menschen nach einer Begegnung mit Kirche etwas hoffnungsvoller, ermutigter oder neugieriger auf den Glauben sind, dann ist für mich viel erreicht.

Welche biblische Person hat Sie auf Ihrem Weg besonders inspiriert – und warum?

Mich inspiriert Petrus, weil seine Geschichte zeigt, dass Jesus keine perfekten Menschen beruft. Petrus ist begeistert und mutig, zweifelt aber auch, scheitert und muss immer wieder neu herausfinden, was Nachfolge für ihn bedeutet. Trotzdem traut Jesus ihm etwas zu und gibt ihm Verantwortung. Das erinnert mich daran, dass Berufung für mich nicht bedeutet, auf alles eine Antwort zu haben, sondern sich immer wieder neu von Jesus begeistern und auf seinen Ruf einlassen zu lassen.

Heimatgemeinde: St. Joseph am Nützenberg in Wuppertal

Einsatzgemeinde: Pastorale Einheit Westliches Wuppertal

Wie sah Ihr Weg in die Seelsorge aus und wann haben Sie gespürt: Das ist meine Berufung?

Mein Weg in die Seelsorge kam auf Umwegen und war nicht von vornherein klar. Es war eher ein Weg in vielen kleinen Schritten. Kirche und Glaube gehörten für mich schon immer zu meinem Leben, und durch mein ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit, als Musikerin und in der Sakramentenpastoral habe ich gemerkt, wie sehr mir die Arbeit mit Menschen am Herzen liegt. Gleichzeitig hatte ich zunächst einen ganz anderen beruflichen Weg eingeschlagen und 25 Jahre in einem Wirtschaftsunternehmen gearbeitet. Irgendwann spürte ich eine innere Unruhe und den Wunsch nach einer Aufgabe, in der ich mich als ganzer Mensch einbringen kann und in der auch ein Stück von mir selbst spürbar ist. Mit dem Theologiestudium im Fernkurs wurde aus diesem Wunsch langsam eine konkrete Perspektive und schließlich die Entscheidung, mich 2023 für den pastoralen Dienst zu bewerben.

Was bedeutet der Dienst für Sie persönlich?

Für mich bedeutet der Dienst vor allem, mit Menschen unterwegs zu sein und sie ein Stück auf ihrem Lebens- und Glaubensweg zu begleiten. Dabei ist mir wichtig, den Menschen mit Offenheit und Interesse zu begegnen, zuzuhören und wahrzunehmen, was sie bewegt. Ich möchte meinen Glauben und meine eigenen Erfahrungen einbringen und dabei darauf vertrauen, dass Jesus selbst mein Wegbegleiter ist und mich dabei begleitet und leitet. Es ist eine schöne und zugleich verantwortungsvolle Aufgabe, im Leben der Menschen etwas von Gottes Nähe und Liebe erfahrbar werden zu lassen.

Welche biblische Person hat Sie auf Ihrem Weg besonders inspiriert – und warum? 

Jesus Christus ist für mich die wichtigste Person und mein eigentlicher Wegbegleiter. Eine einzelne biblische Person, die mich auf meinem ganzen Weg maßgeblich inspiriert hat, kann ich nicht benennen. In unterschiedlichen Lebens- und Wegabschnitten haben mich immer wieder andere Menschen aus der Bibel angesprochen, mich inspiriert und mir durch ihre Worte oder Taten Mut gemacht. Aber auch einige Heilige sind für mich Menschen, von denen ich für meinen eigenen Weg lernen kann. Vielleicht gehört genau das für mich zum Glauben dazu: immer wieder Menschen zu entdecken, von deren Worten und Taten ich Impulse für meine eigenen Aufgaben und meinen Weg bekomme.

Heimatgemeinde: St. Nikolaus in Rösrath.

Einsatzgemeinde: Pastoralen Einheit Bonn-Nordwest

Wie sah Ihr Weg in die Seelsorge aus und wann haben Sie gespürt: Das ist meine Berufung?

Durch meine Eltern war ich von klein auf mit meiner Heimatgemeinde in Rösrath verbunden. Dort habe ich dann über die Messdienerarbeit einen Pastoralreferenten und seine berufliche Tätigkeit kennengelernt. Im Laufe der Oberstufe hat dann der Religionsunterricht an der Schule mein Interesse für Theologie geweckt. Durch Praktika im Jugendpastoralen Zentrum CRUX in Köln sowie der Pfarrei Heilige Familie in Düsseldorf hat sich dieser Weg dann für mich bestätigt.

Was bedeutet der Dienst für Sie persönlich?

Für mich bedeutet der Dienst als Pastoralreferentin, mich als Wegbegleiterin für Menschen zur Verfügung zu stellen. Ich möchte Räume schaffen, in denen Menschen für sich persönlich und gemeinsam mit anderen Gott in ihrem Leben auf die Spur kommen und Gemeinschaft erfahren können. Dazu gehört für mich auch, solidarisch an der Seite der Menschen zu sein, die gerade irgendeine Not erleben.

Welche biblische Person hat Sie auf Ihrem Weg besonders inspiriert – und warum? 

Mich hat neben vielen anderen Figuren zum Beispiel Esther inspiriert. Sie versucht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Not und Leid von sich und anderen abzuwenden. Dazu scheut sie auch die Gefahr für sich selbst nicht. Und zugleich geht sie klug und strategisch vor. Das inspiriert mich, weil ich ebenso einen guten Umgang mit den mir gegebenen Möglichkeiten leben möchte.

Heimatgemeinde: Marienstatt (Pfarrei Maria Himmelfahrt Hachenburg)
Einsatzgemeinde: Pfarrei St. Michael und St. Gertrud, Oberberg-Süd

Wie sah Ihr Weg in die Seelsorge aus und wann haben Sie gespürt: Das ist meine Berufung?

Kirche gehörte für mich von klein auf ganz selbstverständlich zum Leben dazu. Über viele Jahre war ich ehrenamtlich in meiner Gemeinde engagiert, als Messdienerin, Lektorin und Kommunionhelferin, im Pfarrgemeinderat, der Kolpingfamilie und später, mit meinen eigenen fünf Kindern, besonders in der Kinder- und Familienpastoral. Als ich wieder stärker ins Berufsleben einsteigen wollte, sagten mir unabhängig voneinander immer wieder Menschen: „Kirche, das wäre doch etwas für dich“, bis mein Mann schließlich den Würzburger Fernkurs entdeckte. Ein Theologiestudium konnte ich mir zunächst kaum vorstellen, in der Gemeinde mitzuarbeiten war das eine, Theologie zu studieren noch einmal etwas ganz anderes. Schließlich beschloss ich, es einfach zu versuchen. Schon nach kurzer Zeit merkte ich, wie sehr mich das Studium begeisterte und wie viel ich dabei auch über meinen eigenen Glauben neu entdeckte. Meine Berufung war für mich kein einzelner großer Moment. Es waren viele kleine Anstöße und Begegnungen, bei denen ich erst nach und nach gemerkt habe: Das ist mein Weg.

Was bedeutet der Dienst für Sie persönlich?

Für mich bedeutet der Dienst vor allem Begegnung mit Menschen, oft in ganz besonderen Situationen ihres Lebens. Ich darf Menschen ein Stück ihres Weges begleiten, mit ihnen Freude teilen, Fragen aushalten und manchmal auch in schweren Momenten einfach da sein. Gerade in schwierigen Situationen frage ich mich immer wieder: Wie würde Jesus jetzt handeln? Sein Blick auf den Menschen ist für mich Orientierung und Maßstab, besonders dann, wenn es keine einfachen Antworten gibt. Dabei erlebe ich immer wieder, dass Glaube dort lebendig wird, wo Menschen sich gesehen und angenommen fühlen. Genau diese Begegnungen machen meinen Dienst für mich so wertvoll.

Welche biblische Person hat Sie auf Ihrem Weg besonders inspiriert – und warum?

Mich inspirieren besonders Maria Magdalena und Junia.

Maria Magdalena, weil sie Jesus begegnet, sich von ihm ansprechen lässt und schließlich selbst zur Zeugin und Verkünderin wird. Besonders berührt mich, dass Jesus ihr zutraut, seine Botschaft weiterzutragen.

Junia beeindruckt mich, weil sie zu den Frauen der frühen Kirche gehört, die Verantwortung übernommen und den Glauben weitergetragen haben, deren Bedeutung aber lange kaum wahrgenommen wurde. Gerade ihre Geschichte erinnert mich daran, genau hinzuschauen, auf Menschen, auf ihre Gaben und auf das, was vielleicht leicht übersehen wird.

Beide Frauen zeigen mir, dass Berufung damit beginnt, sich ansprechen zu lassen und den Mut zu haben, das Empfangene mit anderen zu teilen.

Heimatgemeinde: St. Suitbertus in Remscheid

Einsatzgemeinde: Pastorale Einheit, Kölner Westen (Pfarreien Sankt Nikolaus und Sankt Bruno, St. Stephan, Sankt Pankratius, Sankt Franziskus)

Wie sah Ihr Weg in die Seelsorge aus und wann haben Sie gespürt: Das ist meine Berufung?

Der Weg, eine Berufung zu entdecken und zu erspüren, ist oft nicht geradlinig. So war es auch bei mir.

Schon früh entdeckten meine Lehrerinnen und Lehrer an der weiterführenden Schule, dass ich ein besonderes Interesse und Gespür für gesellschaftliche Phänomene und insbesondere für die Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderung habe. Als Kind mit einer körperlichen Behinderung lernte ich früh, dass Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, es in unserer Gesellschaft nicht immer einfach haben.

Meine Familie gehört nicht zu den regelmäßigen Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern und war auch nicht besonders engagiert in der Gemeinde. Dennoch begleitete mich der Glaube von klein auf. Gerade im Hadern mit meiner Behinderung und den damit verbundenen Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung wurde der Glaube für mich zu einem Deutungsangebot und zu einer Möglichkeit, nach Sinn zu fragen.

Ein einschneidendes Erlebnis war für mich der Empfang des Sakraments der Firmung. Dort durfte ich erfahren, dass in den Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben, der Geist Gottes wirkt. Sie haben mich als Person mit vielen Fähigkeiten gesehen, wertgeschätzt und mir etwas zugetraut. Diese Erfahrung hat mich nachhaltig geprägt. Gleichzeitig ermutigte mich die Firmung, mich kritisch mit meinem eigenen Leben und meinem Glauben auseinanderzusetzen.

So begann ich, mich zunehmend ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren. Mit diesem Engagement wuchs auch der Wunsch, Gemeindereferentin zu werden. Heute kann ich sagen: Aus diesem Wunsch ist für mich eine Berufung geworden.

Was bedeutet der Dienst für Sie persönlich?

Mein Dienst bedeutet für mich persönlich, dass ich Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen begleiten und ihnen dienen darf, von jungen Menschen bis hin zu älteren Menschen.

Dieser Menschendienst ist für mich zugleich eine Form von Gottesdienst, insbesondere im diakonischen und verkündenden Sinne. Ausgehend von der Ebenbildlichkeit jedes Menschen glaube ich, dass mir in jedem Menschen auch ein Stück von Gott begegnen kann.

Mit Menschen jeden Alters über den Glauben ins Gespräch zu kommen oder Räume zu eröffnen, in denen solche Gespräche möglich werden, ist mir ein großes Anliegen und zugleich persönlich inspirierend. Deshalb ist es mir auch wichtig, immer wieder aus den kirchlichen Räumen hinauszugehen und den Menschen dort zu begegnen, wo sie leben und ihren Alltag gestalten.

Welche biblische Person hat Sie auf Ihrem Weg besonders inspiriert – und warum?

Die Bibel ist für mich ein wunderbares Buch voller Menschen, deren Geschichten bis heute inspirieren können. Sie erzählen von Menschen mit ihren Hoffnungen, Fragen, Zweifeln und Leiderfahrungen und davon, wie sie ihr Leben mit Gott gestalten.

Besonders begleitet mich seit meinem Studium die Begegnung Jesu mit dem blinden Bettler Bartimäus.

Jesus fragt ihn: „Was willst du, dass ich dir tue?“, obwohl sein Wunsch nach Heilung zunächst offensichtlich erscheint. Gerade darin liegt für mich etwas Entscheidendes: Jesus begegnet Bartimäus auf Augenhöhe und überlässt ihm selbst die Entscheidung darüber, was er möchte und braucht. Er nimmt ihm nicht die Verantwortung für sein eigenes Leben ab, sondern respektiert seine Autonomie.

Diese Haltung Jesu ist für mich ein großes Vorbild für die Begleitung von Menschen, die mir anvertraut sind. Ich möchte Menschen nicht vorschnell sagen, was sie brauchen oder was für sie richtig ist. Vielmehr möchte ich ihnen zuhören, ihre Wünsche und Bedürfnisse ernst nehmen und ihnen zutrauen, ihr eigenes Leben selbstbestimmt zu gestalten.

Gerade als Mensch mit einer Behinderung ist mir diese Form der Begegnung besonders wichtig. Ich wünsche mir eine Kirche und eine Gesellschaft, in der Menschen nicht zuerst auf ihre Einschränkungen oder das, was sie vermeintlich von der Norm unterscheidet, reduziert werden, sondern als selbstbestimmte Menschen mit ihren eigenen Fähigkeiten, Wünschen und Hoffnungen wahrgenommen werden.

Einsatzgemeinde: Pastorale Einheit Siebengebirge

Heimatgemeinde: St. Judas Thaddäus, Duisburg Buchholz

Wie sah Ihr Weg in die Seelsorge aus und wann haben Sie gespürt: Das ist meine Berufung?

Wenn ich auf meinen Weg in die Seelsorge schaue, kann ich sagen: „Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade“, wie es so schön heißt. Ich bin ganz klassisch in einer Kirchengemeinde groß geworden und habe mich dort ehrenamtlich engagiert, aber ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ich einmal den Glauben weitergeben würde. Mir war nur früh klar, dass ich Menschen begleiten und unterstützen möchte deshalb führte mein erster Weg in den medizinischen Bereich. Während meiner Zeit in der Arztpraxis und im Krankenhaus als Medizinische Fachangestellte durfte ich erleben, dass Menschen sich mir anvertrauten und ich sie, besonders am Ende ihres Lebens, begleiten durfte. Das hat mir gezeigt, wie viel ein einfaches Lächeln oder ein Moment des Daseins bewirken kann. Als ich meinen Beruf nicht mehr ausüben durfte, sagte jemand zu mir: „Dann mach doch dein Hobby zum Beruf.“ Ich ging mit einer Gemeindereferentin aus meiner Heimatgemeinde mit und lernte die Vielfalt dieses Berufes kennen. Am Ende des ersten Tages saßen wir in ihrem Auto. Sie fragte mich, wie es mir gefallen hatte, und mein Blick blieb an einer Christophorus-Plakette hängen. Ich kann bis heute nicht erklären, warum aber in diesem Moment fiel bei mir der Groschen und ich sagte: „Ich möchte Gemeindereferentin werden.“ Seit diesem Tag darf ich jeden Tag neu erfahren, dass das mein Weg ist und dass Gott meine Füße auf weiten Raum stellt.

Was bedeutet der Dienst für Sie persönlich?

Seelsorge bedeutet für mich vor allem, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, ihnen mit Wertschätzung zu begegnen und ihnen zu vermitteln, dass jede und jeder willkommen ist. Dabei möchte ich authentisch sein und gemeinsam mit den Menschen Stück für Stück die Botschaft und die Liebe Gottes in unserem Leben entdecken und lernen, was Jesus mit unserem Leben zu tun hat. Ich möchte mit den Menschen gemeinsam im Alltag unterwegs sein, so wie Jesus auch mit seinen Jüngern unterwegs war. Denn dieses gemeinsame Unterwegssein ist für mich einer der größten Schätze meines Dienstes.

Welche biblische Person hat Sie auf Ihrem Weg besonders inspiriert – und warum?

Es gibt viele inspirierende und spannende Personen in der Bibel. Eine Person, mit der ich mich immer wieder identifizieren kann, ist Petrus. Er ist ein Mensch, der mutig und manchmal vorpreschend ist, aber auch nicht immer alles sofort versteht und an der ein oder anderen Stelle Angst hat. Petrus zeigt mir immer wieder aufs Neue, dass Glauben ein Weg ist und dieser Weg nicht immer leicht und einfach ist, sondern manchmal ganz viel Mut, Kraft und Hoffnung braucht. Gleichzeitig zeigt er mir, dass ich darauf vertrauen darf, mich immer wieder von Jesus rufen zu lassen und dass er mit mir unterwegs ist.

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