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Mit dem Sonderzug nach Lourdes:Auf Pilgerfahrt mit dem Deutschen Lourdes-Verein

Datum:
5. Juni 2026
Von:
Newsdesk/awe
Der Deutsche Lourdes-Verein bietet einmal jährlich eine Pilgerfahrt für Pilger mit und ohne Pflegebedarf an. Gemeinsam macht man sich im Sonderzug auf den Weg zur Gottesmutter von Lourdes an die Grotte von Massabielle. In diesem Jahr fand die inklusive Pilgerreise nach Pfingsten statt. Alexandra Wenglorz aus dem Bereich Medien & Kommunikation ist mitgepilgert und schildert ihre eindrücklichen Erfahrungen.

Es gibt Reisen, die uns neue Orte zeigen. Und es gibt Reisen, die uns sowohl Gott als auch uns selbst näherbringen.

Die Wallfahrt des Deutschen Lourdes-Vereins gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Jahr für Jahr machen sich Pilger aus ganz Deutschland auf den Weg zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Christenheit – und schon die Anreise wird zu einem besonderen Erlebnis: im traditionellen Sonderzug, der auf einzigartige Weise Gemeinschaft, Gebet und Begegnung verbindet. Am Ende gehört man zur Familie. Und nimmt neben zahlreichen schönen Erinnerungen, Devotionalien und Souvenirs das sichere Gefühl mit heim, dass Gott einen liebt.

Niemand reist allein

Besonders beeindruckend an dieser Wallfahrt zu der Stätte, an welcher im Jahre 1858 dem einfachen Mädchen Bernadette die Mutter Gottes mehrfach erschien, ist, wie die kranken, älteren und behinderten Menschen, die z.T. in einem speziellen Lazarettwagen anreisen, während der gesamten Wallfahrt würdevoll und fürsorglich umhegt und gepflegt werden. Hier wird gelebte Nächstenliebe sichtbar. Ärzte, Malteser Helferinnen und Helfer schenken ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit, damit jede Pilgerin und jeder Pilger – unabhängig von seinen körperlichen oder geistigen Einschränkungen – diese besondere Reise erleben kann.

Wer einmal mit diesem Zug unterwegs war, spürt vom ersten Moment an: Hier reist niemand allein. Fremde werden zu Weggefährten, Gespräche entstehen ganz von selbst, und aus Begegnungen wachsen oft Freundschaften fürs Leben. Das gemeinsame Beten, Teilen von Mahlzeiten, Lebensgeschichten, Singen und Unterwegssein schafft eine Atmosphäre, die viele Teilnehmer als tief berührend beschreiben.

Erfahrung von Gemeinschaft

In Lourdes angekommen, öffnet sich eine Welt voller Glauben, Hoffnung und Zuversicht. Die Grotte von Massabielle, an der die Gottesmutter der heiligen Bernadette erschien, die feierlichen Gottesdienste, die beeindruckenden Lichterprozessionen am Abend und die internationale Gemeinschaft der Pilger hinterlassen unvergessliche Eindrücke.

Doch Lourdes ist weit mehr als ein Ort. Es ist eine Erfahrung. Eine Erfahrung von Gemeinschaft in einer Zeit zunehmender Vereinzelung. Eine Erfahrung von Hoffnung, gerade für Menschen, die Krankheit, Sorgen oder andere schwere Belastungen tragen. Und eine Erfahrung von Glauben und Liebe, die oft noch lange nach der Rückkehr nach Hause nachwirkt.

Viele Teilnehmer berichten, dass sie nach Lourdes mit einem leichteren Herzen zurückkehren. Nicht, weil ein jeder dort Heilung von körperlichen, seelischen oder geistigen Gebrechen fände – obwohl dies auch immer wieder eindrücklich geschehe – oder weil alle Fragen beantwortet und plötzlich alle Probleme gelöst wären, sondern weil sie dort etwas gefunden haben, das im Alltag oft verloren geht: Zeit für das Wesentliche, für Anbetung und stilles Gebet sowie für echte Begegnungen und das Gefühl, von Gott getragen zu sein.

Lourdes empfängt Menschen mit allem, was sie mitbringen. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieses besonderen Ortes.

Persönliche Eindrücke

Gleich aufgefallen ist mir Familie B. Der Familienvater ist ein ehemaliger Mitarbeiter einer Behindertenwerkstätte. Er und seine Frau begleiten auf freiwilliger Basis mehrere Menschen mit Handicap, um ihnen eine freudvolle Teilnahme an der jährlichen Lourdes Wallfahrt zu ermöglichen und ihnen mit Hingabe und Humor durch die Tücken des Pilger-Tages zu helfen. Auch die Enkelin der Familie, die das erste Mal dabei ist, hat bereits Feuer gefangen und will von nun an jedes Jahr mitfahren.

Auch Christel aus Frankfurt, mit ihren über 80 Jahren, beeindruckt mich schwer. Sie ist seit 60 Jahren ehrenamtlich tätig, hat viele Wallfahrten bei den Maltesern mitgearbeitet und genießt nun trotz des hohen Alters weiterhin die Teilnahme an der Wallfahrt. Ihren diesjährigen Einsatz als Messdienerin im Heiligtum empfindet sie als eine große Ehre. Ihr Mann, den sie während Corona verloren hat, fehlt ihr. Um der Einsamkeit sinnvoll zu begegnen, kümmert sie sich seitdem um Menschen im Altenheim. Auch die Gemeinschaft der Pilger tut ihr gut.

Nach ihrer schönsten Lourdes-Geschichte gefragt, erzählt mir Karin, eine fröhlich dreinblickende Pilgerin, Krankenschwester von Beruf, dass ihr Mann sich einst in Lourdes eine Ehefrau gewünscht habe, die unbedingt Krankenschwester sein sollte. Aber Achtung beim Gebet: Er zog sich kurz darauf einen doppelten Bänderriss zu, der dazu führte, dass er ins Krankenhaus kam, wo die beiden begeisterten Lourdes-Pilger sich kennenlernten. Und dies ist wohl nicht das einzige Paar, das sich hier gefunden hat.

In diesem Jahr haben die Eheleute ihre besten Freunde mitgenommen, weil der Mann im vergangenen Jahr wiederbelebt wurde und nach einer Weile im Koma nun der Regenerierung und Heilung bedarf. Karin sagt mir: „Nach jeder Wallfahrt hat sich in unserer Familie etwas zum Guten entwickelt. Das wünschen wir unseren besten Freunden jetzt natürlich auch.“

Auf dem Bahnsteig von Lourdes zeigt mir Kerzengestalterin Claudia, die auf der Wallfahrt Messdiener mit Handicap angeleitet hatte, ein Onyx-Herz mit einer wundertätigen Medaille. Bewegt erzählt sie, dass eine Messdienerin ihr diese gekauft habe, um sich bei ihr zu bedanken, dass sie sie so liebevoll unterstützt hat und damit sie sie auch über Lourdes hinaus im Herzen behalte.

In diesem Jahr haben die Eheleute ihre besten Freunde mitgenommen, weil der Mann im vergangenen Jahr wiederbelebt wurde und nach einer Weile im Koma nun der Regenerierung und Heilung bedarf. Karin sagt mir: „Nach jeder Wallfahrt hat sich in unserer Familie etwas zum Guten entwickelt. Das wünschen wir unseren besten Freunden jetzt natürlich auch.“

Auf dem Bahnsteig von Lourdes zeigt mir Kerzengestalterin Claudia, die auf der Wallfahrt Messdiener mit Handicap angeleitet hatte, ein Onyx-Herz mit einer wundertätigen Medaille. Bewegt erzählt sie, dass eine Messdienerin ihr diese gekauft habe, um sich bei ihr zu bedanken, dass sie sie so liebevoll unterstützt hat und damit sie sie auch über Lourdes hinaus im Herzen behalte.

Eine fest etablierte Tradition

Das Angebot einer integrativen Pilgerreise aufrecht zu erhalten, die es auch Menschen mit Pflegebedarf ermöglicht, nach Lourdes zu fahren, ist Msgr. Dr. Markus Hofmann ein persönliches Anliegen:

„Seit ich im Jahr 2015 auf Bitte von Kardinal Woelki die Leitung des Deutschen Lourdes-Vereins in Köln übernommen habe, bestätigte sich jedes Jahr die Erfahrung: die Wallfahrts-Teilnehmer des Krankenpilgerzuges spiegeln in all ihrer Unterschiedlichkeit doch überraschend übereinstimmend wider: diese Fahrt schenkt den allermeisten Teilnehmern ganz besondere Eindrücke und bewegt sie sehr tief. Hier ist der Glaube geradezu mit Händen zu greifen. Die Dankbarkeit der Pilger ist für mich eine starke Motivation, alles zu tun, damit der Krankenpilgerzug auch im nächsten Jahr wieder stattfinden kann.“

Auch für Pfarrer Wilhelm Darscheid ist an dieser Wallfahrt das Miteinander und gegenseitige Beschenken von Kranken und gesunden Menschen das Besondere: „Dabei geben nicht nur die Gesunden, oft sind es gerade die Menschen mit Handicap, die den Gesunden viel mehr geben, als ihnen bewusst ist."

Wallfahrt nach Lourdes

Ob jung oder alt, gesund oder krank, allein oder gemeinsam mit Freunden oder Familie – im Sonderzug des Deutschen Lourdes-Vereins findet jede und jeder seinen Platz. Bei Bedarf wird auf Einschränkungen und entsprechende Sonderwünsche eingegangen und Rücksicht genommen.

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