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Drei Fragen an... Pater Björn Schacknies SAC:Augenklinik der Pallottiner in Nigeria

Drei Fragen an Pater Björn Schacknies
Datum:
20. Aug. 2026
Von:
Newsdesk
Sehen schenken bedeutet, Menschen ein Stück Freiheit und Lebensqualität zurückzugeben. Pater Björn Schacknies SAC ist Vizeprovinzial bei den Pallottinern. In unserem Kurzinterview erzählt er, wie die Pallotti-Augenklinik in Mbaukwu entstanden ist, welche Rolle der Nigerianer Igwe (dt. König) Peter Anugwu spielt und wie die Klinik zu einem konkreten Ausdruck christlicher Nächstenliebe wird.

Wie ist die Pallotti-Augenklinik in Mbaukwu entstanden, und welche Rolle
spielt dabei "König" Igwe Peter Anugwu?

Die Idee zur Pallotti-Augenklinik entstand im Rahmen von Zukunftsworkshops der nigerianischen Pallottiner. Im Mittelpunkt der von der Provinzleitung initiierten und moderierten Workshops stand die Frage, in welchen apostolischen Werken die wachsende Delegatur mit vielen jungen und motivierten Pallottinerpatres und -brüder künftig tätig sein und zugleich nachhaltige Strukturen vor Ort aufbauen kann. Neben anderen Projekten wurde dabei die Errichtung einer Augenklinik ausgewählt.

Engagierte Mitglieder der nigerianischen Pallottiner-Gemeinschaft entwickelten die Projekte für die apostolischen Werke mit nachhaltiger Wirkung vor Ort eigenständig und mit Unterstützung der Provinzleitung weiter. Das Team für die Augenklinik besuchte andere Augenkliniken, führte Gespräche mit Ärzten, Fachleuten und Betroffenen, prüfte verschiedene Standorte und erarbeitete einen Businessplan. Von Anfang an war das Ziel, eine Klinik aufzubauen, die medizinisch professionell, technologisch zeitgemäß, patientenfreundlich und wirtschaftlich nachhaltig arbeitet. Pater Innocent, der das Projekt maßgeblich mitentwickelt, beschreibt die Klinik zugleich als einen praktischen Weg der
Evangelisierung: Nicht allein Worte, sondern vor allem der konkrete Umgang mit den Patientinnen und Patienten soll die pallottinische Botschaft von der Liebe Gottes erfahrbar machen.

Eine entscheidende Rolle spielt Igwe ("König") Peter Anugwu, der lokale traditionelle Herrscher von Mbaukwu. Er hatte die Pallottiner bereits früher durch die Überlassung von Land unterstützt und wurde als traditioneller Würdenträger regelmäßig über die Projekte informiert. Da er selbst unter einer zunehmenden Sehschwäche leidet und die augenmedizinische Versorgung in der Region nur unzureichend ist, erkannte er die große Bedeutung der Klinik für die Bevölkerung.

Bei einem Besuch im Jahr 2025 zeigte er sich vom Engagement der Pallottiner überzeugt und entschloss sich, seinen Palast mit 18 großen Räumen der Gemeinschaft zu schenken. In diesem Gebäude soll nun die Augenklinik eingerichtet werden. Damit wurde die konkrete Grundlage für die Pallotti-Augenklinik Mbaukwu als caritatives apostolisches Werk der Gesellschaft des Katholischen Apostolates geschaffen.

Die Pallottiner übernehmen als lokaler Träger langfristig Verantwortung für Betrieb, Personal und Qualität. Durch ihre Verankerung in Gemeinde und Gesellschaft soll die Klinik allen Menschen offenstehen – unabhängig von Religion oder Einkommen.

Was zeichnet das Konzept der Augenklinik aus – besonders mit Blick auf
Behandlungskosten und die Ausbildung von Fachpersonal vor Ort? 

Das Konzept verbindet den caritativen Auftrag mit wirtschaftlicher Nachhaltigkeit. Die Klinik soll nicht dauerhaft ausschließlich von Spenden aus dem Ausland abhängig sein, sondern sich im laufenden Betrieb möglichst weitgehend selbst tragen. Deshalb ist grundsätzlich vorgesehen, dass die medizinischen Leistungen bezahlt werden.

Gleichzeitig sollen die Behandlungskosten durch die Anschubfinanzierung niedriger bleiben als in vergleichbaren Einrichtungen in der Hauptstadt. Für besonders bedürftige Patientinnen und Patienten ist ein Solidaritätsfonds vorgesehen. Nach derzeitiger Planung sollen etwa zehn bis zwanzig Prozent der Patienten behandelt werden können, ohne dass sie die Kosten vollständig selbst tragen müssen.So entsteht ein hybrides Modell: Die regulären Einnahmen sichern den laufenden Betrieb, während Spenden gezielt dort eingesetzt werden, wo Menschen sonst von einer Behandlung ausgeschlossen wären.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung lokaler Fachkräfte. Pater Innocent studiert inzwischen Optometrie und soll die Klinik nach seiner Rückkehr mit aufbauen und leiten. Pater Godson wird derzeit in Klinikleitung, Gesundheits- und Finanzmanagement ausgebildet und absolviert zusätzlich ein Praktikum in einer nigerianischen Augenklinik. Darüber hinaus soll ein weiterer Mitbruder zum Augenarzt weitergebildet werden. Auch die angestellten Mitarbeitenden sollen durch strukturierte Fort- und Weiterbildungen gefördert werden. Ein Trainings- und Wartungskonzept, lokale Auftragsvergabe, Kooperationen sowie messbare Qualitätsindikatoren sollen dazu beitragen, die medizinische Qualität und die technische Infrastruktur langfristig zu sichern. Ein Schutzkonzept wird ebenfalls Bestandteil der Standards der Klinik sein.

Welche Folgen hat vermeidbare Blindheit in Nigeria, und wie möchte die Pallotti-Augenklinik hier konkret helfen? 

Eine eingeschränkte Sehfähigkeit begrenzt den Bewegungs- und Gestaltungsspielraum eines Menschen erheblich. In einer Umgebung, in der der Straßenverkehr vielerorts unübersichtlich und gefährlich ist, wird es für Menschen mit einer starken Sehbehinderung zusätzlich schwierig, sich selbstständig außerhalb des Hauses zu bewegen. Sie geraten dadurch leicht in Abhängigkeit von anderen und sind einem erhöhten Risiko von Ausbeutung, Vernachlässigung und Missbrauch ausgesetzt.

Vermeidbare Blindheit betrifft deshalb nicht nur die medizinische Gesundheit. Sie schränkt die persönliche Freiheit, die gesellschaftliche Teilhabe und die Möglichkeit ein, den eigenen Lebensunterhalt zu sichern. Häufig sind ganze Familien betroffen: Angehörige müssen Betreuung übernehmen, Kinder können möglicherweise nicht regelmäßig die Schule besuchen, und Eltern verlieren die Möglichkeit, einer Arbeit nachzugehen und für ihre Kinder sowie den Lebensunterhalt der Großfamilie zu sorgen.

Die Pallotti-Augenklinik möchte hier einen konkreten Beitrag leisten: ambulante, bezahlbare und moderne Augenheilkunde - ergänzt um sichere Kurzzeitunterbringung und medizinisch begleitete Nachsorge. Sie soll Menschen durch erreichbare Diagnostik und Behandlung vor vermeidbarem Sehverlust bewahren und, wo dies möglich ist, die Sehkraft wiederherstellen.

Sozialtarife und ein Solidaritätsfonds sollen sicherstellen, dass die Behandlung nicht am Einkommen der Betroffenen scheitert. Wiedergewonnene Sehkraft bedeutet dabei weit mehr als eine medizinische Verbesserung. Sie kann einem Menschen Bewegungsfreiheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität zurückgeben. Eltern werden wieder in die Lage versetzt, einer Arbeit nachzugehen und Verantwortung für ihre Kinder und ihre Familie zu übernehmen. Kinder erhalten bessere Chancen, die Schule zu besuchen und ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

Aus katholischer Sicht ist die Klinik ein caritatives apostolisches Werk und ein konkreter Dienst an der Würde des Menschen. Jeder Mensch ist als Geschöpf Gottes unverwechselbar und besitzt eine unveräußerliche Würde – unabhängig von Herkunft, Religion, Einkommen oder sozialem Status. Die Pallottiner wollen Menschen nicht nur medizinisch behandeln, sondern ihnen in ihrer konkreten Not beistehen, ihre Selbstständigkeit stärken und ihnen neue Möglichkeiten zur Teilhabe eröffnen.

Damit wird die Augenklinik zu einem Ausdruck christlicher Nächstenliebe: Die Liebe zu Gott zeigt sich im Dienst am konkreten Menschen. Im Geist Vinzenz Pallottis soll die Klinik nicht nur Hilfe leisten, sondern Menschen zu einem möglichst selbstbestimmten Leben befähigen und zugleich die Gemeinschaft vor Ort stärken. Sie verbindet medizinische Versorgung mit Barmherzigkeit, sozialer Verantwortung und dem Einsatz für mehr Gerechtigkeit.

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