"In die Weite. Aspekte jüdischen Lebens"

15. September 2021 pek210915
(von links nach rechts) Abraham Lehrer, Vizevorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) und Dr. Markus Hofmann, Generalvikar im Erzbistum Köln bei der Eröffnung der Ausstellung "In die Weite - Aspekte jüdischen Lebens" in Kolumba am 14. September 2021, Bild im Hintergrund: Michael Buthe, Ohne Titel, 1992

Köln. Ab sofort ist die Ausstellung „In die Weite. Aspekte jüdischen Lebens“ bis zum 15. August 2022 in Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, zu sehen. Die Ausstellung ist eine Kooperation von MiQua. LVR-Jüdisches Museum im Archäologischen Quartier Köln und Kolumba im Rahmen des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. 

Mit einer Auswahl von über 100 internationalen Leihgaben, die zu einem Teil über die Dauer des Jahres wechseln werden, zeigt die nun eröffnete Ausstellung Objekte, die über jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart facettenreich berichten. Mit den Werken der Kolumba-Sammlung, vor allem mit zeitgenössischer Farbfeldmalerei, werden die angesprochenen Themen um eine existentielle und emotionale Erfahrung bereichert. In der ungewohnten Verbindung von historischer und ästhetisch-künstlerischer Annäherung ist die Ausstellung ein Wagnis. Mit der vollständig erhaltenen Genisa der ehemaligen Synagoge aus Niederzissen, die als dritte Partnerin im Projekt ist, wird einer der eindrücklichsten Funde zur jüdischen Kultur in Deutschland ein ganzes Jahr lang in Kolumba präsent sein.

Grundlage und Ausgangspunkt für die umfassende Ausstellung ist das Dekret Kaiser Konstantins. Im Jahr 321 erließ der römische Kaiser ein Gesetz, das es den Städten erlaubte, auch Juden in den Rat zu berufen. Dieses an die Kölner Kurie adressierte Schreiben, das nun für fünf Wochen als Leihgabe der Biblioteca Vaticana nach Köln in die Ausstellung „In die Weite“ überbracht wurde, ist die früheste schriftliche Quelle zur Existenz von Jüdinnen und Juden nördlich der Alpen. Somit kann jüdisches Leben in Deutschland auf eine mindestens 1700-jährige Geschichte zurückblicken. Sie wird im Rahmen eines bundesweiten Festjahres mit zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt.

In seinem Grußwort anlässlich der Ausstellungseröffnung sagte der Kölner Generalvikar Dr. Markus Hofmann: „Ich bin dankbar, dass mit dieser Ausstellung ein Zeichen für Toleranz und für die Bedeutung jüdischen Lebens in Deutschland gesetzt wird. Seit mehr als 1700 Jahren gehören Juden zur Gesellschaft in Deutschland und wirken in ihr zum Wohle aller mit. Und ich bin dankbar, dass unsere Ausstellung mit dem beziehungsreichen Ausblick auf die Kathedrale und neben vielen anderen Aspekten auch der Intoleranz Juden gegenüber einen eigenen Raum widmet – als bleibendem Mahnmal.“ 

Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ergänzt: „Diese Ausstellung lenkt unseren Blick „In die Weite“. Die Ausstellung entführt uns mit literarischen und alltäglichen Zeugnissen des Lebens, der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf eine Reise zu Aspekten jüdischen Lebens als Teil der europäischen Geschichte, durch alle Zeiten. Sie entführt uns in eine Zukunft des gegenseitigen Respekts und der Achtung verschiedener Lebensentwürfe, einer Zukunft, die sich ganz dem Leitgedanken unseres Grundgesetzes verpflichtet: der Unantastbarkeit der individuellen Menschenwürde. Mit dieser Ausstellungs-Co-Produktion stellt sich der LVR mit seinem LVR-Museum MiQua gemeinsam gegen jede Form von Antisemitismus, gegen Diskriminierung und menschenverachtenden Tendenzen.“

„Bildung und Wissen schaffen die Grundlage, um Vorurteile abzubauen. Sie fördern Offenheit, Respekt und Toleranz in unserer Gesellschaft. Jüdinnen und Juden, jüdische Gemeinden und Einrichtungen können, müssen und wollen diese große gesellschaftliche Bildungsaufgabe nicht alleine bestreiten – sie brauchen Partnerschaften aus allen Bereichen unseres alltäglichen Lebens. Dass das Kolumba als Kunstmuseums des Erzbistums zusammen mit dem MiQua des Landschaftsverbandes Rheinland ein Jahr lang jüdisches Museum und damit Partner sein wird, ist eine große Aufgabe und ein deutliches Zeichen. Mich berührt der Dialog zwischen den Kunstwerken und den jüdischen Objekten, Geschichten und Biografien sehr. Aus Sehen, Erleben und Lesen generiert diese großartige Ausstellung gesellschaftsrelevantes Wissen und Verständnis“, betont Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorstandsmitglied der Synagogen-Gemeinde Köln.

 

Die Ausstellung ist vom 15. September 2021 bis 15. August 2022, täglich außer dienstags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung erscheint ein Taschenbuch, das jede Besucherin und jeder Besucher kostenlos erhält. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Es gelten die aktuellen Regelungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Führungen sind vor 12 und nach 17 Uhr möglich und mit Kolumba telefonisch oder per E-Mail zu vereinbaren (0221 933193-32/ dl@kolumba.de).

Bilder der Ausstellung zum Download finden Sie unter:
https://webshare.farbanalyse.de/qs/1531-161bba16d87946f4

Genisa

Eine Genisa (verbergen, hebräisch: ganus) ist ein verstecktes Depot zur Aufbewahrung unbrauchbar gewordener Schriften und Ritualobjekte des Judentums. Was hier verborgen wird, soll vor der weiteren Zerstörung durch den Menschen geschützt werden. Häufig werden Genisot (Pl.) zufällig bei Bauarbeiten in alten Synagogen entdeckt. Sie eröffnen einen beeindruckenden Blick in die Vergangenheit. Besonders umfangreich erhaltene Genisot wurden bspw. in Niederzissen und Veitshöchheim entdeckt. (Quelle: www.juedische-allgemeine.de)