Zum Inhalt springen

St. Alban im Kölner Stadtgarten:Eine neue Heimat für die anglophone Gemeinde

Interview mit Maforr Laura Tinzoh. Die Bilder dürfen nur im Zusammenhang mit dem Finanzbericht 2025 verwendet werden.
Datum:
29. Sept. 2026
Von:
Newsdesk/jst
Die anglophone Gemeinde hat in Köln ihr Zuhause in St. Alban gefunden. Sie füllte den zuvor ungenutzten Kirchenbau mit neuem Leben. Ein Blick in das aktive und bunte Gemeindeleben gibt Maforr Laura Tinzoh.

St. Alban, am Stadtgarten im Kölner Westen gelegen, heißt im Volksmund eigentlich Neu-St. Alban. Sie ist als etwas Neues entstanden, auch wenn oder gerade weil es der Neubau einer bereits bestehenden und im Zuge des Zweiten Weltkrieges zerstörten Kirche ist.

Alt-St. Alban stand am Quatermarkt, zwischen dem Wallraf-Richartz-Museum und dem Gürzenich. Die Pfarrkirche gehörte zu den ältesten in Köln, wurde jedoch durch mehrere Bombenangriffe bis 1945 so stark zerstört, dass man sich nach dem Krieg gegen einen Wiederaufbau entschied.

Stattdessen wählte man einen anderen Standort und entschloss sich zu einem Kirchenbau der Moderne, um St. Alban wieder aufleben zu lassen. Einiges an Interieur aus dem alten Bau hatte man gerettet und mitgebracht, als man von 1957 bis 1959 aus Ziegeln anderer zerstörter Häuser nach den Plänen des Architekten Hans Schilling einen modernen und offenen Kirchenbau schuf. In gewissem Sinne ist diese Kirche ganz nach Kölner Manier also ein wenig „zusammengefringst“ – zumal Kardinal Frings tatsächlich an dem Neubau beteiligt war.

So trifft in St. Alban alt auf neu, verziertes Gold auf warmen und schlichten Backstein. Durch geschicktes Lichtspiel in den Fenstern wird der Fokus auf einzelne Elemente gerichtet.

Neues Leben in einer Kölner Traditionskirche

St. Alban erging es wie vielen Kirchen: Mit der zurückgehenden Zahl an Gläubigen fanden weniger Gottesdienste statt. Wer sich die Kirche anschauen wollte, konnte dies noch unter der fachkundigen Führung des Küsters tun, der sich sorgsam um den Bau kümmerte. Ansonsten wurde es still in St. Alban.

Dies änderte sich jedoch, als die anglophone Gemeinde wuchs und eine neue Heimat brauchte.

42 Gemeinden und Seelsorgestellen verzeichnet die Internationale Katholischen Seelsorge (IKS) im Erzbistum Köln. Zu ihnen gehört die anglophone Gemeinde, vorrangig bestehend aus Menschen aus Nigeria, Kamerun, Burundi und Kenia, aber auch einigen Deutschen und Amerikanern. Sie teilen sich St. Alban mit der syro-malankarischen Gemeinde.

Eine Gemeinde mit mehreren Stationen

Aber bis es soweit war, hatte die anglophone Gemeinde einen weiten Weg hinter sich. Davon berichtet Maforr Laura Tinzoh, die an diesem warmen Sommertag im Juli extra in die Kirche gekommen ist, um ein bisschen zu erzählen. Und das tut sie – sehr lebhaft und lebendig, und man merkt ihr die Freude am Glauben an, wenn sie spricht.

Interview mit Maforr Laura Tinzoh. Die Bilder dürfen nur im Zusammenhang mit dem Finanzbericht 2025 verwendet werden.

Maforr Laura Tinzoh ist bereits seit 1997 in Deutschland. Köln war der Ort der Wahl, weil ihr Ehemann hier studierte. Die gebürtige Kamerunerin kam dann vor etwa 20 Jahren zur anglophonen Gemeinde dazu und hat einige Stationen mitgemacht: Zunächst trafen sich die Gemeindemitglieder in St. Mauritius, dann in St. Ursula. Seit Corona nun findet das Gemeindeleben in St. Alban statt – sie brauchten damals dringend einen Gemeindesaal.

Das Leben und den Glauben feiern

Die anglophone Gemeinde zeichnet sich durch ein sehr lebendiges Gemeindeleben aus, es gibt viele Veranstaltungen und Aktivitäten. Durch ihre Mitglieder wird St. Alban mit Leben gefüllt: Es finden neben Gottesdiensten auch Chorproben, Gemeindefeste oder Gruppenaktivitäten statt. Und natürlich Taufen, Hochzeiten und Trauerfeiern – das ganze Leben wird abgedeckt.

Interview mit Maforr Laura Tinzoh. Die Bilder dürfen nur im Zusammenhang mit dem Finanzbericht 2025 verwendet werden.

„In St. Alban haben wir uns gleich wie zuhause gefühlt“, sagt Maforr Laura Tinzoh und schaut in den Kirchenraum, „hier ist es einfach schön.“ Sie ist fest in der Gemeinde verwurzelt, hat sich hier ihr Leben aufgebaut: Sie hat fünf Kinder, das älteste, eine Tochter, studiert bereits. Ihr jüngster Sohn ist im letzten Jahr mit zur Kommunion gegangen.

Eine einladende Gemeinde

Maforr Laura Tinzoh lebt ihren Glauben und ist mit ganzem Herzen dabei. Sie freut sich über die Momente, in denen das gemeinsame Feiern auch mit Menschen verbindet, die gar nicht zur Gemeinde gehören. So wurde vor der Kirche im Mai der Muttertag gefeiert – bunt und mit Musik. Dieser Musik folgte eine evangelische Pastorin, die neu hinzugezogen war, und stieß auf die Gemeindefeier, zu der sie prompt eingeladen wurde. „So eine Gemeinde wollen wir sein – einladend!“ lacht Maforr Laura Tinzoh. Überhaupt lacht sie viel, erzählt mit Begeisterung. Sie ist, wie man im Rheinland so schön sagt, mit Schmackes dabei.

Sie ist ausgebildete Lebensmittelchemikerin, ein eher technischer Beruf. Aber irgendwann war es Zeit für etwas Neues: Sie organisiert Veranstaltungen, wirkt als Autorin und Moderatorin  – und studiert wieder. Sie hat sich an der Katho eingeschrieben für ein Masterstudium in Interreligiöser Dialogkompetenz.

Interview mit Maforr Laura Tinzoh. Die Bilder dürfen nur im Zusammenhang mit dem Finanzbericht 2025 verwendet werden.

Darauf gekommen ist sie, als sie Ingbert Mühe von der IKS bei den Empowerment-Tagen kennenlernte, eine Veranstaltung, die sich speziell an Frauen richtete. 2021 trat sie eine Stelle im Bereich Weltkirche & Dialog im Erzbistum Köln an. Im Heiligen Jahr 2025 nahm sie auch an der traditionellen Romwallfahrt der IKS teil. Jetzt möchte sie noch Qualifikationen ergänzen.

Zwei Welten verbunden

Daneben hat sie sich in ihrem Wohnort Bergheim im Pfarrgemeinderat engagiert: Sie verbindet so beide Welten. Maforr Laura Tinzoh versteht sich als jemand, der jetzt hier lebt und daher auch in der deutschen Gemeinde aktiv ist. Aber sie legt auch Wert auf ihre Wurzeln.

Und das zeigt sie stolz. Für das Gespräch hat sie ein Kleid gewählt, das für ihre Heimat und ihre Wurzeln steht: ein Atoghu, ein traditionelles Gewand mit gestickten Mustern aus der Region Bamenda in Kamerun. Die Farben und das Muster geben Aufschluss darüber, woher jemand stammt, erklärt sie.

Interview mit Maforr Laura Tinzoh. Die Bilder dürfen nur im Zusammenhang mit dem Finanzbericht 2025 verwendet werden.

Hier in Deutschland kommen in der anglophonen Gemeinde Menschen zusammen, die in ihren Heimatländern weit voneinander entfernt wohnen, und bilden eine Gemeinschaft, die gegenseitige Unterstützung bietet und gemeinsam den Glauben feiert. Man achtet aufeinander und nimmt Anteil am Leben der anderen Gemeindemitglieder. Neugeborene werden begrüßt, Verstorbene betrauert.

Der gemeindeeigene Chor ist sehr beliebt und oft im Einsatz – und die Gottesdienste sind in der Regel gut besucht. Es gibt zudem einen kleinen Raum für die Katecheten, die sich sonntags nach der Messe noch mit den Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren beschäftigen und ihnen zum Beispiel die Predigt noch einmal etwas kindgerechter erklären. Für Jugendliche gibt es ein „youth movement“, sie können sich untereinander digital vernetzen und austauschen.

Außerdem gibt es Einkehrtage zur Advents- und Fastenzeit, der Muttertag wird fröhlich vor der Kirche im Außenbereich gefeiert. Tatsächlich lebt die Gemeinde auch vor allem von dem Engagement der Frauen. Frauen wie Maforr Laura Tinzoh, die neben den Terminen der Gemeinde auch schon weitere Events vor Augen hat, wie etwa das 50-jährige Jubiläum der Weltkirche, das 2026 gefeiert wird.

Die Anglophone Gemeinde

Die anglophone Gemeinde ist eine von 42 Gemeinden und Seelsorgestellen der Internationalen Katholischen Seelsorge (IKS) im Erzbistum Köln, vorrangig bestehend aus Menschen aus Nigeria, Kamerun, Burundi und Kenia. Letztendlich bezieht sich die Bezeichnung aber allgemein auf die englischsprachigen Gemeinden vom afrikanischen Kontinent und zieht dabei die Grenzen nicht so eng – tatsächlich gibt es auch ein Ehepaar aus Amerika und ein paar Deutsche in der Gemeinde.

Über das Atoghu

Das Atoghu, oder auch nur Toghu genannt, ist ein traditionelle Gewand mit gestickten Mustern aus der Region Bamenda in Kamerun. Die Farben und das Muster geben Aufschluss über die genaue Herkunft einer Person. Vormals Königen vorbehalten, wird ein Atoghu heute vor allem zu festlichen Anlässen und als Ausdruck der eigenen kulturellen Identität getragen. So trug Maforr Laura Tinzoh auch ein Atoghu, als sie im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums des Bereichs Weltkirche im Erzbistum Köln bei einer Papstaudienz in Rom war.

Kurz zuvor hatte übrigens Papst Leo, der im April 2026 im Rahmen seiner Afrikareise unter anderem in Bamenda war, er ein spezielles Messgewand aus dem traditionellen Atoghu-Stoff erhalten.

Mehr zum Thema

Aktuelle Nachrichten aus dem Erzbistum Köln

Service und Kontakt

Service und Kontakt

Pressekontakt

Geschäftszeiten

Kardinal-Frings-Str. 1-3
50668 Köln

Pressekontakt

Geschäftszeiten

Mo-Do: 8.30 - 17 Uhr
Fr: 8.30 - 14 Uhr

Erzbistum Köln
Newsdesk