Katholische Öffentliche Bibliotheken sichern auch künftig kostenlosen, freien Zugang zu Medien

16. Juni 2021 pek210616-uni
Symbolbild Bucherei

Köln. Das Erzbistum Köln stellt bis Ende 2023 seine finanzielle Förderung von sieben Vertrags­büchereien ein, die von Kirchen­gemeinden im Verbund mit der örtlichen Kommune betrieben werden. Ausschlag­gebend hierfür sind die wachsenden finanziellen Risiken für die Kirchen­gemeinden als Träger der Vertrags­büchereien. Die Entscheidung ist das Ergebnis einer intensiven Analyse und ausführlicher Beratungen. Nicht betroffen davon sind die rund 360 ehrenamtlich geführten Katholischen Öffentlichen Bibliotheken (KÖB) im Erzbistum.

Am 14. und 15. Juni informierten Vertreter der Pfarr­gemeinden die Mitarbeitenden in Alfter, Kerpen, Kürten, Meckenheim, Overath, Pulheim-Stommeln und Rheinbach über die Hintergründe der Entscheidung und die nun anstehenden nächsten Schritte. Die Kirchen­gemeinden als Träger sind gebeten, die mit den Kommunen geschlossenen Kooperations­verträge unter Wahrung der Kündigungs­fristen zu beenden, analog dazu stellt das Erzbistum die Bezuschussung bis Ende 2023 ein.

Angesichts des zeitlichen Vorlaufs eröffnen sich Gestaltungs­möglichkeiten für den Übergang. In den kommenden Monaten sollen gemeinsam Anschluss­perspektiven sowohl für die ehrenamtlichen als auch für die angestellten Mitarbeitenden entwickelt werden. Neben den Verhandlungen mit den Kommunen, ob sie die Trägerschaft von den Kirchen­gemeinden übernehmen, könnten auch alternative Finanzierungs­modelle entwickelt (z.B. Fördervereine oder Stiftungen) werden. Auch bestehende Vertrags­büchereien in ehrenamtlich geführte KÖBs umzuwandeln, könnte eine Option sein.

Aufgrund schwindender Finanzkraft der Kommunen stellen die Vertrags­büchereien für die Kirchen­gemeinden schon seit längerem ein zunehmend schwer kalkulierbares finanzielles Risiko dar. Bereits jetzt sind sie nicht mehr auskömmlich finanziert, unter anderem auch deshalb, weil sich einige Kommunen mit Blick auf die eigenen Sparzwänge aus der ursprünglichen Vereinbarung zur Bezuschussung der Vertrags­büchereien herausgezogen haben.

Der jährliche finanzielle Aufwand für das Erzbistum Köln beläuft sich für die sieben Vertrags­büchereien auf rund 310.000 Euro. Das deutlich rückläufige Kirchen­steuer­aufkommen infolge der Corona-Pandemie wie auch der Kirchen­austritte machen eine Anpassung der Budgets erforderlich. Um die viel­fältigen Aufgaben des Erzbistums auch künftig erfüllen zu können, ist es notwendig, jedes einzelne Engagement zu prüfen und neu zu justieren.

Das Erzbistum steht weiterhin zu seinem kirchlichen Bildungs­auftrag. So bleibt insbesondere das Angebot eines kosten­losen, freien Zugangs zu Medien – gerade in sozialschwachen Gebieten – durch die rund 360 ehrenamtlich geführten KÖBs erhalten. Zugleich bleiben die KÖBs als pastoraler Ort auch künftig fester Bestand­teil des Pastoralkonzepts.

 

Vertragsbüchereien

Die Pflichtaufgabe der Kommune, zur allgemeinen Literatur-und Informations­versorgung eine Bücherei zu unterhalten, haben eine Reihe von Kommunen bereits in den 1970er-Jahren in Form einer „ Vertragsbücherei“ an katholische Kirchen­gemeinden vor Ort übertragen. Im Unterschied zur klassischen Katholischen Öffentlichen Bücherei (KÖB), deren Arbeit von Ehrenamtlichen geleistet wird, ist die Leitung einer Vertragsbücherei haupt- oder nebenamtlich angestellt. Die konkrete Ausgestaltung einer Vertrags­bücherei regelt ein Kooperations­vertrag, der zwischen der katholischen Kirchen­gemeinde als Träger und der Kommune als Vertrags­partner geschlossen wurde.

Im Erzbistum Köln gibt es noch sieben Vertragsbüchereien in

  • Alfter (St. Matthäus),
  • Kerpen (St. Martinus),
  • Kürten (St. Johann Baptist),
  • Meckenheim (St. Johannes der Täufer),
  • Overath (St. Walburga),
  • Pulheim-Stommeln (St. Martinus) und
  • Rheinbach (St. Martin).