Vor der Weihe wurde die neue Adelheidisglocke mit Wasser aus dem Adelheidisbrunnen in Bonn-Pützchen gesegnet

29. August 2022 Newsdesk/Je

Bonn. Am Sonntag, 28. August hat der Bonner Stadt­dechant Dr. Wolfgang Picken feierlich die neue Glocke „St. Adelheid“ im Bonner Münster geweiht.

Tags zuvor hatte die Glocke einen „Ausflug“ nach Bonn-Pützchen an die Wirkungs­stätte ihrer Namens­patronin unter­nommen. Zur diesjährigen Eröffnung der Fest­oktav zur Heiligen Adel­heid stand die Glocke am Adel­heidis­brunnen vor der Kirche St. Adelheid. Mit Wasser aus dem Brunnen (dem „ Pützchen“) wurde die neue Münster­glocke gesegnet.

„Dass die Bonner Stadt­patronin Adelheid die Patronin der neuen Glocke geworden ist, ver­stehen wir als Sym­bol für die Einheit in der Stadt Bonn und als Aus­druck der großen Wert­schätzung für die Beueler Heilige“, erläutert der Stadt­dechant die Namens­wahl. In gewisser Hin­sicht sei dies ein Gegen­gewicht zum Brücken­männ­chen, das vom links­rheinischen Bonn aus dem Beueler Stadt­teil den nackten Hintern zeigt. „Die Adel­heidis­glocke will Zeichen dafür sein, dass alte Trenn­linien über­wunden sind und alle Bonner Stadt­teile zusammen­gehören." Eine Glocke in der Münster­kirche trage das Patronat der Stadt­patrone Cassius und Floren­tius. Des­halb habe es nahe gelegen, dass die notwendig ge­wordene neue Glocke das Patronat der dritten Stadt­patronin trage. „Die Adelheidis­glocke setzt der großen Frauen­persönlich­keit des Mittel­alters, der viele Orte und Kirchen­gemein­den auf der anderen Rhein­seite ihre Existenz verdanken, ein klang­volles Denkmal“, so der Stadt­dechant und Münster­pfarrer.

Aufhängung im Vierungsturm des Münsters

Am Montag, 29. August wurde die Glocke in den Vierungs­turm des Münsters mit den Worten „Sie bewegt sich, sie schwebt. Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei ihr Erstgeläute. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes – in Gottes Namen: Auf!“ gezogen.

Im Vierungstrum vervollständigt sie als kleinste Glocke das historische Geläut des Münsters. Der Neuguss war aufgrund eines Defektes an der Vorgänger­glocke nötig geworden. Die Glocke soll erstmals zusammen mit den anderen Glocken zum Stadt­patrone­fest im Oktober 2022 erklingen.

Glockenguss in Niederlanden

Gegossen wurde die neue Glocke am 1. Juli 2022 von der Glocken­gießerei Royal Eijsbouts im nieder­ländischen As­ten.

Adelheidisglocke

Die Glocke hat einen Durchmesser von 51cm, wiegt 79 kg und klingt auf den Schlagton g2.

Die Glockeninschrift lautet:

IN HONOREM SANCTAE ADELHEIDIS, RETRICIS PRIMAE ABBATIAE VILICHENSIS CIVITATISQUE PATRONAE BONNENSIS
FUSA MMXXII RENOVATIONE SANCTORUM CASSII FLORENTII ET MARTINI BASILICAE PERFECTA + EUSBOUTS ASTENSIS ME FECIT

Übertragung:
Zur Ehre der heiligen Adelheid, erste Leiterin der Abtei von Vilich und Stadtpatronin von Bonn.
Gegossen 2022 zum Abschluss der Renovierung der Basilika der hl. Cassius, Florentius und Martin + Hat mich gemacht Eijsbouts in Asten

Glocke in Bonn-Pützchen am Adelheidisbrunnen

Glockenweihe am 28. August

Heraufziehen der Adelheidisglocke am 29. August

Heraufziehen der Adelheidisglocke am 29. August

Ablauf Glockenweihe

Durch das Weihegebet erbittet die Kirche den Segen Gottes für den Dienst der Glocke. Im Anschluss an das Gebet erfolgen als ausdeutende Riten die Besprengung mit Weihwasser und der Inzens mit Weihrauch. Danach wird die Glocke mit Chrisam gesalbt – so wie zum Beispiel auch Täuflinge vor der Taufe, Weihekandidaten bei der Priesterweihe oder ein neuer Altar. Der Ritus endet damit, dass die Glocke von allen vier Seiten angeschlagen wird und so das erste Mal öffentlich erklingt.

Hl. Adelheid: Mitpatronin Bonns

Stadtpatrone von Bonn sind die heiligen Märtyrer Cassius und Florentius. Im Advent 2008 verkündete der damalige Kölner Weihbischof Dr. Heiner Koch (heute Erzbischof von Berlin) im Bonner Münster, dass die Heilige Adelheid von Vilich in Rom zur Mitpatronin der Stadt Bonn erhoben wurde. 

Adelheidisbrunnen

Das Brünnchen, das dem heutigen Bonner Ortsteil seinen Namen gab, ist auf die erste Äbtissin des Stifts Vilich zurückzuführen. Der Legende nach stieß Adelheid von Vilich im Jahr 1003 während einer Bittprozession - es herrschte zu jener Zeit eine große Dürre und Hungersnot im Rheinland - ihren Äbtissinnenstab auf freiem Feld in die Erde und bat um göttliche Hilfe. Und das Wunder geschah: An dieser Stelle entsprang eine Quelle, ein Pützchen. Da diesem Wasser Wunderheilungen zugeschrieben wurden, entwickelte sich der Ort zu einem beliebten Wallfahrtsziel.