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Wenn Stille verbindet:Gehörlosenseelsorge in St. Georg

Gemeinschaft kennt viele Sprachen: Bei Kaffee und Eiscreme tauschen sich die Teilnehmerinnen in Gebärdensprache aus.
Datum:
29. Sept. 2026
Von:
Newsdesk/kla
In der Gemeinde St. Georg wird „all inclusive“ gelebt. Hier kommen gehörlose, schwerhörige und hörende Menschen zusammen – ob beim Kaffeetrinken, Spielen oder bei gemeinsamen Ausflügen. Ein Beispiel dafür, wie Vielfalt verbindet und Teilhabe selbstverständlich gelebt werden kann.
Finanzbericht 2026: Beitrag Gehörlosenseelsorge

Im Pfarrsaal von St. Georg duftet es nach frisch aufgebrühtem Kaffee. Mehr als 30 Gäste sitzen an gedeckten Tischen und genießen Eiscreme mit Sprühsahne – eine willkommene Abkühlung an diesem warmen Junitag. Stühle rücken, Löffel klirren leise am Porzellan. Doch für einen Kaffeeklatsch wirkt es ungewöhnlich still. Ein Eindruck, der täuscht: Denn hier wird viel erzählt – nur weniger mit der Stimme als mit den Händen.

Bunt und inklusiv – die Integrative Gruppe

Herzlich willkommen in der „Integrativen Gruppe“ der Gemeinde St. Georg. Alle zwei Wochen mittwochs kommen hier Gehörlose, Schwerhörige und Hörende zusammen, um gemeinsam Kaffee zu trinken und Gemeinschaft zu erleben. Es wird gespielt, gebastelt, gelacht und diskutiert – in Gebärden, mit ausdrucksstarker Mimik und viel gegenseitigem Verständnis. Inzwischen gehört auch eine Gruppe gehörloser Menschen aus der Ukraine zu den regelmäßigen Gästen. Unterschiedliche Sprachen, Erfahrungen und Lebensgeschichten treffen hier aufeinander und schaffen ein herzliches Miteinander, in dem Inklusion wie von selbst gelebt wird.

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Wenn Barrieren den Alltag bestimmen

Dabei ist ein Ort wie dieser alles andere als selbstverständlich. In Deutschland leben rund 80.000 gehörlose und etwa 16 Millionen schwerhörige Menschen. Trotz dieser hohen Zahl erleben Menschen mit Hörbehinderung im Alltag weiterhin zahlreiche Barrieren – nicht nur in der Kommunikation, sondern auch bei der gesellschaftlichen Teilhabe. Informationen bleiben unzugänglich, Gespräche laufen an ihnen vorbei, Bedürfnisse bleiben im wahrsten Sinne des Wortes „ungehört“. Nicht selten führt das zu Isolation und Einsamkeit. Umso wichtiger sind Räume, in denen Verständigung nicht erst hergestellt werden muss, sondern mühelos gelingt.

Drei Frauen, die Brücken bauen: Mit ihrem Engagement machen Gabriele Schäfer, Gabriele Feuser und Ursula Engelskirchen Inklusion erlebbar.

Ein fester Anker gegen Einsamkeit

Für Gabriele Feuser wurde die Integrative Gruppe zu einem festen Anker, einem Ort, an dem sie nicht am Rand steht, sondern mittendrin ist. Vor sieben Jahren erlitt sie einen Schlaganfall und es wurde plötzlich still – sie wurde schwerhörig und verlor nach und nach den Anschluss an ihr gewohntes Leben:

„Wenn man nur zu Hause sitzt, wird man doch verrückt. Hier in der Gruppe geht es mir gut. Es ist egal, woher man kommt. Die Hauptsache ist, wir sind zusammen hier und nicht alleine“, betont Gabriele Feuser.

Miteinander statt nebeneinander

Geschichten wie diese zeigen, was die Integrative Gruppe so besonders macht. Eine, die sie seit Jahren mitprägt, ist Gabriele Schäfer. Sie hatte die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen mit und ohne Hörbehinderung selbstverständlich zusammenkommen – nicht nebeneinander, sondern miteinander. „Mir war wichtig, die Gruppe so aufzubauen, dass sie dem integrativen Charakter von St. Georg entspricht. Wenn es die Gruppe nicht gäbe, wären viele der Gehörlosen gesellschaftlich isoliert. Hier erleben sie Gemeinschaft und ein echtes inklusives Miteinander“, so Schäfer.

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Unterstützt wird sie von Ursula Engelskirchen, die selbst seit ihrer Geburt schwerhörig ist und die Bedürfnisse vieler Besucherinnen und Besucher aus eigener Erfahrung kennt. Für sie ist die Gruppe weit mehr als ein regelmäßiger Treffpunkt: „Für viele bedeutet die Gruppe, einfach mal rauszukommen. Das ist auch für unsere gehörlosen Gäste aus der Ukraine besonders wichtig. Die wären sonst völlig von der Gesellschaft abgeschnitten“, bekräftigt Engelskirchen.

Erlebnisse jenseits des Pfarrsaals

Doch Gemeinschaft endet hier nicht an der Tür des Pfarrsaals. Gemeinsame Ausflüge – etwa in den Garten der Religionen, nach Husum oder auf eine Schifffahrt in Haltern am See – ermöglichen Erlebnisse, die vielen sonst verwehrt blieben. Begleitet werden sie von Gebärdendolmetschern sowie pflegerischen Fachkräften. So entsteht ein Rahmen, der Sicherheit gibt und Teilhabe ermöglicht.

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Stille Gesten, starke Gemeinschaft

Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke der Integrativen Gruppe. Sie zeigt, wie Inklusion gelingen kann, wenn Menschen einander offen begegnen und wenn Räume geschaffen werden, wo Unterschiede als selbstverständlicher Teil des Miteinanders verstanden werden. Aus Begegnungen werden Freundschaften, aus regelmäßigen Treffen entsteht Verbundenheit.

Als der Nachmittag langsam ausklingt, werden die letzten Kaffeetassen abgeräumt. Noch immer ist es vergleichsweise still im Pfarrsaal. Und doch wird hier unentwegt kommuniziert: mit Händen, Blicken und herzlichen Gesten. Zeichen einer Gemeinschaft, die keine gesprochenen Worte braucht.

Hörbehinderung in Deutschland

Wer nicht oder nur eingeschränkt hören kann, stößt im Alltag oft auf Hindernisse – beim Einkaufen, beim Arztbesuch oder bei der Suche nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit.

In der Gemeinde St. Georg in Köln ist deshalb ein Ort entstanden, an dem gehörlose, schwerhörige und hörende Menschen selbstverständlich zusammengehören. Hier werden Gottesdienste, Seelsorge und Gemeindeleben für alle zugänglich gestaltet.

Gebärdensprache, technische Hörhilfen und vielfältige Begegnungsangebote schaffen einen Ort, an dem Vielfalt selbstverständlich ist – ganz nach dem Motto: „all inclusive“.

Der Gebärdenchor St. Georg

Der Gebärdenchor St. Georg

Wie Stille auch mal „laut“ werden kann, erleben Sie in diesem Video. Dort lernen Sie den Gebärdenchor von St. Georg kennen, der 2025 sein 25-jähriges Jubiläum feierte.

Fakten zum Gebärdenchor

Der Kölner Gebärdenchor St. Georg besteht seit 26 Jahren und ist in der integrativen Gemeinde St. Georg beheimatet.

Die Mitglieder sind gehörlos und tragen Lieder in Gebärdensprache sowie „Poetischer Gebärde“ vor (und schaffen so einen „Gesang für Auge und Ohr“). Menschen, die die Lieder nicht hören können, können Lieder in Gebärdensprache mit den Augen wahrnehmen.

Die Chormitglieder kommen aus Deutschland, Polen und der Ukraine.

Gegründet wurde der Chor von Pfarrer Dr. Hermann-Josef Reuther, geleitet wird er von Dr. Juliane Mergenbaum.

Auftritte finden u. a. in integrativen Gottesdiensten und bei verschiedenen Kulturveranstaltungen statt. Höhepunkt waren unter anderem ein Auftritt in der Kölner Philharmonie sowie der Auftritt in Brüssel, bei dem der Chor das Land NRW im Bereich „Inklusive Kulturarbeit“ vertreten hat.

Beim „Singklusionsfestival“ in Menden wurde der Chor in diesem Jahr als „beispielhafter Ort in der Bundesrepublik Deutschland für mehr Teilhabe in der Musik“ ausgezeichnet.

Im Rahmen eines Festaktes in der Kulturkirche Alt St. Ulrich der Gold-Krämer-Stiftung, wird der Kölner Gebärdenchor St. Georg am 6.10.2026 um 16.00 Uhr mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet, eine Ehrung durch den LVR.

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