Erzbistum Köln – Diözesanpastoralrat tagte in Köln

22. Januar 2019 (pek190122-he)
11 Bilder
Die Mitglieder des Diözesanpastoralrats

Köln. Im Blick auf den Pastoralen Zukunftsweg befasste sich der Diözesanpastoralrat am vergangenen Samstag mit Leitlinien und Schlüsselworten der aktuellen Etappe, die ihren Ursprung in den Hirtenbriefen des Erzbischofs haben. Sie sollen Hilfestellung für die Orientierung auf der Etappe geben und sind ein erster Schritt der Beteiligung. An solchen Arbeitshilfen, Beteiligungsformaten und auch technische Möglichkeiten der Beteiligung wird zurzeit gearbeitet. Herausgestellt wurde die ebenfalls in den Hirtenbriefen des Erzbischofs formulierte Aufgabe, unterschiedliche Zielgruppen - besonders jene, die der Kirche weniger oder kaum verbunden sind - spezifisch anzusprechen und die Notwendigkeit betont, die verschiedenen einzelnen Maßnahmen kommunikativ und logisch in den Gesamtzusammenhang des Pastoralen Zukunftswegs einzuordnen. In den fünf Arbeitsfeldern werden dazu zurzeit unter anderem entsprechende Analysen erstellt, um darauf fußend konkrete Formen der Partizipation zu entwickeln. Der Diözesanpastoralrat tagte in Köln zusammen mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki; er ist das wichtigste Beratungsgremium des Erzbischofs.

Auf der Sitzung informierte Privatdozentin Dr. Katharina Westerhorstmann von der Universität Bonn zudem über den Forschungsstand zu sexuellem Missbrauch, die weitere Aufarbeitung der Fälle in der katholischen Kirche und notwendige Konsequenzen. Der namentlich bei der jüngeren Generation feststellbare Mentalitätswandel müsse weiter gefördert werden, ebenso wie die bereits geleistete Aufklärung und die präventive Auseinandersetzung. Bestimmte Strukturen in der Kirche begünstigen den Missbrauch - etwa Machtmissbrauch und Korpsdenken, das die Kirche um jeden Preis vor Angriffen schützen will. Häufig falle sexueller Missbrauch zusammen mit geistlichem; verbreitete Thesen, die zum Missbrauch umlaufen, müssten hinterfragt werden, so Westerhorstmann. Ein direkter Zusammenhang mit dem Zölibat sei ebenso wenig nachweisbar wie eine monokausale Verdächtigung der Homosexualität.

Entscheidend für die Prävention ist eine noch gründlichere Auseinandersetzung mit Sexualität und insgesamt eine fundierte Persönlichkeitsbildung namentlich in der Priesterausbildung. Positiv registrierte die Referentin, dass seit den 1990er Jahren die Kurve von Vorfällen sexuellen Missbrauchs steil abfällt; gleichwohl ist Missbrauch aber weder ein rein historisches noch ein erledigtes Thema. Das begonnene Umdenken „von der Kirchenraison zum Opferschutz“ zeigt sich auch in einer sorgfältigen Aktenführung, dass – wie im Erzbistum geschehen – jeder Fall der Staatsanwaltschaft gemeldet und auch kirchlich härter sanktioniert wird.

„Kirche hätte beim Thema Kinderschutz eine besondere gesellschaftliche Berufung“, so Westerhorstmann, doch der eingetretene Vertrauensverlust behindert die Kirche stark. Selbst in der innerkirchlichen Öffentlichkeit wird wenig über das Thema Missbrauch gesprochen; Ursachen seien eine „frustrierte Gleichgültigkeit“ gepaart mit Verärgerung, Wut und tiefsitzenden Verletzungen.

Weiterer Tagesordnungspunkt war die im Kirchenrecht eröffnete Möglichkeit, kanonische Pfarrer für eine gewisse Dauer zu ernennen. Kardinal Woelki wies darauf hin, dass das Kirchenrecht die Theologie des Zweiten Vatikanums in rechtliche Regeln fasst. Diskutiert wurden eine größere Flexibilität, Auswirkungen auf die Gemeinden und auch persönliche Aspekte der Priester wie ihre Beheimatung. Das Gremium plädierte dafür, dass der Erzbischof von dieser Möglichkeit grundsätzlich Gebrauch macht und Details ihrer Ausgestaltung prüft.

Eine Anfrage nach dem kirchlichen Engagement auf dem Wohnungsmarkt ergab, dass die kirchlichen Wohnungsbaugesellschaften, an denen das Erzbistum beteiligt ist, mit ihren über 23.000 Wohnungen und deren durchschnittlichen Quadratmetermiete zwischen 6 und 7 Euro einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums leisten. Im ehemaligen Kloster an St. Pantaleon und im Klarissenkloster Köln-Kalk stellt das Erzbistum zudem insbesondere Flüchtlingen Wohnraum zur Verfügung.

„Unser Auftrag ist es, Menschen zu Christus zu führen und eine Kirche im Wachstum zu sein“, so Kardinal Woelki die Beratungen. Auf dem Pastoralen Zukunftsweg müsse unter diesem Aspekt auch vieles Gewohnte und Hergebrachte befragt werden, ob es diesem Ziel diene. Alles entscheidend aber sei die Frage: „Glauben wir noch, dass Christus allein das Heil der Welt ist und dass es zu ihm keine Alternative gibt? Denn nur von ihm her kommt die Kraft, diesen Weg zu gehen.“