Hoffnung als ansteckende Kraft:Internationales Jugendprojekt „Tomorrow has a Pulse“ in St. Michael

Was macht jungen Menschen heute Mut und Hoffnung in einer Welt, die so wenig hoffnungsvoll scheint? Nichts einfacher, als für eine Antwort mit nur einem Klick ChatGPT zu bemühen. Doch Helene, eine der Jugendlichen, stoppt die Gruppe, noch bevor KI die scheinbar perfekte Lösung bietet und das selbständige Denken ausgeschaltet wird. Denn genau darum soll es schließlich bei dem Jugendevent „Tomorrow has a Pulse“ gehen: um Eigeninitiative, Kreativität und Selbstwirksamkeit.
Die Teilnehmenden aus acht unterschiedlichen Nationen – aus den Ländern Ägypten, Indien, Jordanien, Kolumbien, dem Libanon, Palästina, Sambia und Deutschland – sollen selbst aktiv werden, ihren eigenen Weg, ihre eigenen Antworten auf die existenziellen Herausforderungen ihrer Zeit finden. Und das im gegenseitigen Austausch. Was auch bedeutet, an die eigene Schmerzgrenze zu gehen und die je individuelle Kultur ihres Herkunftslandes, aber auch persönliches Erleben einzubringen, viel vom eigenen Ich preiszugeben und sich damit auch verletzlich zu machen.

Grenzen aufbrechen, Hürden überwinden
Konkret bedeutet das: Yolita, Aya, Tony, Sherif und die anderen erzählen mit Hip-Hop, Poetry, Chorgesang, Tanz und Theater ihre Geschichten: Jacobo und Amanda als Tänzer einer kolumbianischen Salza, Valentina mit einem selbstkomponierten Song am Keyboard, Faris am Oud, einer für den arabischen Raum typischen Laute, und Suzanna am Violoncello.
Die Jugendlichen stellen Fragen, brechen Grenzen auf und suchen nach Hoffnung und Mut in ihrem Leben. Sie teilen Träume und erzählen von Hürden, die sie überwunden haben. Und von Visionen, die größer sind als die Grenzen ihrer Herkunft und politischer Widerstände in ihrem Land. Und sie machen deutlich, dass Hoffnung kein Gefühl ist, das man hat – sondern eine Kraft, die man lebt, die ansteckend sein und sich auf andere übertragen kann.

Verbindungen über Kontinente hinweg
All das bringen die jungen Leute an diesem Samstag in einer einzigartigen Performance auf die Bühne. In der Kölner Kirche St. Michael zeigen sie vor großem Publikum, dass durch Begegnung, globales Lernen und künstlerische Zusammenarbeit neue Überzeugungen wachsen, über Kontinente hinweg Verbindungen entstehen können, die zu Freundschaften werden und Zusammenhalt schaffen.
Für sie geht es darum, unterschiedliche Perspektiven zu den Themen Mut, Hoffnung und Zukunft zu entwickeln und zu tolerieren, dass dabei jeder andere Prägungen und Ideen mitbringt, aber auch andere Ängste, Stärken und Talente hat. Und im Zentrum all dessen steht die Erfahrung, Teil einer großen lebendigen weltkirchlichen Gemeinschaft zu sein.
50 Jahre weltkirchliche Zusammenarbeit im Erzbistum
Denn Anlass für dieses internationale Jugendprojekt, zu dem ein erstes Treffen bereits Anfang Juni in Ägypten stattgefunden hatte, ist das Jubiläum „50 Jahre Weltkirchliche Zusammenarbeit im Erzbistum Köln“. Schon vor Monaten war daher ein Teil dieser internationalen Gruppe in Kairo und Alexandria zusammengekommen, um sich zunächst kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und mit ersten Vorüberlegungen die gemeinsame Arbeit an diesem kreativen Prozess, in dessen Mittelpunkt der selbstkomponierte Song „Tomorrow has a Pulse“ steht, zu beginnen. Für eine Teilnahme beworben hatten sich Jugendliche mit Motivationsvideos aus der ganzen Welt.

Zwei Wochen lang intensives Training
Das Ergebnis ist überaus berührend. Das wurde jetzt auf der Zielgeraden bei einem der letzten Probendurchläufe – nach 14 Tagen intensiven Trainings in Bonn und Köln – deutlich. Nicht nur, dass die jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 zu einer spürbar starken Körpersprache gefunden haben – auch ihre Vorstellungen, wo sich tatsächlich Spuren von Mut und Hoffnung in ihrem Leben zeigen, können sie inzwischen immer unmissverständlicher ins Wort bringen. Auf Englisch, Arabisch und Deutsch.
Einfühlsam begleitet wurden sie bei diesem Prozess von Friederike Worth, Bildungsreferentin und Theaterpädagogin bei Don Bosco Mission Bonn, und Kessius Mutale, Jugendleiter bei Don Bosco in Lusaka, der Hauptstadt Sambias, der selbst viele Jahre in seiner Heimat von Don Bosco unterstützt wurde und heute Teenagern in einem Land mit hoher Jugendarbeitslosigkeit hilft, ihre Talente zu entdecken und gesellschaftliche Themen kreativ zu bearbeiten.

Hoffnung auf Frieden in Kriegsregionen
„Ich sehe Hoffnung in den Menschen, die das Erdbeben in meinem Land überstanden haben; Menschen, die nach wie vor den Glauben und den Mut haben, weiterzumachen und nach einer besseren Zukunft streben.“ So formuliert etwa der 18-jährige Jacobo aus Kolumbien sein Statement zum Thema Hoffnung. Andere – die Jugendlichen aus dem Nahen Osten – stellen die Hoffnung auf dauerhaften Frieden in den Kriegsregionen in den Vordergrund.
„Immer gab es eine besondere Dynamik. Wir haben viel ausprobiert, diskutiert, gelacht und an den Ideen für die Performance gefeilt“, schildert Friederike Worth, Bildungsreferentin bei Don Bosco Mission Bonn, ihre Beobachtungen beim Einstudieren der vielen wechselnden Szenen und musikalischen Elemente. Doch trotz der Unterschiedlichkeit der Lebensrealität der Jugendlichen verbinde sie auch viel, meint die Spielleiterin. Am Ende teilten doch viele junge Menschen ähnliche Sorgen, Wünsche, Herausforderungen und Zukunftsträume. An diesem Punkt hätten sich alle immer wieder getroffen.
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