„Sinnbild für Christus in unserer Mitte“:Kardinal Woelki weiht Altar in Wipperfürth-Wipperfeld
„Ein seltenes und besonderes Ereignis“, das man – wenn überhaupt – meist nur einmal erlebe, wie Pfarrer Lambert Schäfer betonte, feierte am Wochenende die Gemeinde St. Clemens in Wipperfürth-Wipperfeld: nämlich die Weihe ihres Altares. Und das mit 50-jähriger Verspätung.
Erzbischof Kardinal Woelki war aus Köln ins Bergische gekommen, um ein Versäumnis nachzuholen, das fünf Jahrzehnte zurückliegt, aber erst jetzt bekannt geworden war. Im Zuge der dreijährigen Sanierung der Kirche hatte die langjährige Küsterin des Gotteshauses und Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Heidi Küster, die Entdeckung gemacht, dass der Altar aus den 70er Jahren nie geweiht worden war
Recherche bestätigte Vermutung
Ihre Recherche im eigenen Pfarrarchiv, aber auch beim Erzbistum hatten den Verdacht bestätigt, zumal keinerlei Hinweis auf eine offizielle Beurkundung dieses Weiheaktes gefunden werden konnte. Stutzig gemacht hatte die hauptamtliche Kirchenangestellte, dass sie in der Altarplatte kein Reliquienkästchen finden konnte, obwohl die Einlassung von Reliquien in der Regel fester Bestandteil einer Altarweihe ist. Auch wenn das kirchenrechtlich keine Folgen hat – trotz fehlender Jurisdiktion hatten die Handlungen auf dem Altar zu jeder Zeit Gültigkeit, bestätigt Seelsorger Schäfer mit dem Grundsatz „Ecclesia supplet“ – sollte doch die kirchliche Ordnung so schnell wie möglich wieder hergestellt und dieser Fehler korrigiert werden.
Besuch im Bergischen Land
Und so feierte nun Kardinal Woelki in dem Kirchdorf im Bergischen Land mit den Wipperfeldern in der bis auf den letzten Platz besetzen Kirche ein großes Fest. „Das volle Programm zu einem einzigartigen Erlebnis“, schwärmt nach dem Gottesdienst Gemeindemitglied Peter Wasserfuhr. In der Tat hatte die Gemeinde mit dem großen Aufgebot an St. Sebastianus-Schützenbrüdern, der Wipperfelder Schützenkapelle, die den Gottesdienst gemeinsam mit dem Kirchenchor musikalisch gestaltete, aber auch den vielen Messdienern und dem feierlichen Glockengeläut zum Auszug des Erzbischofs alle Register gezogen. „So etwas erlebt man nicht alle Tage“, resümiert der 63-Jährige sichtlich begeistert.
Die Sache mit dem Altar sei eine große Überraschung gewesen, lacht er, und dass der Kölner Erzbischof aus diesem Grund den Weg nach Wipperfeld gefunden habe, findet er persönlich „sehr bewegend“. „Danke, dass Sie gekommen sind“, ruft er ihm denn auch herzlich entgegen, als dieser zunächst auf dem Kirchplatz und später beim anschließenden Empfang im Pfarrheim die Begegnung mit der Gemeinde sucht und viel Zeit für Austausch und Gespräche mitgebracht hat.
Festliche Altarweihe
Die Stimmung ist heiter und gelöst. Der Pastor bringt den Ehrengast mit wichtigen Vertretern der Gemeinde in Kontakt, darunter auch mit Bürgermeisterin Anne Loth und Architektin Alexandra Flosbach, die für ihre Arbeit an dem Gotteshaus viel Lob bekommt.
Schäfer, das sieht man, hat zu den Menschen in seinem Sprengel einen guten Draht und ist leutselig. Auch der Kardinal geht auf die vielen Menschen herzlich zu, begrüßt alle persönlich, wird von ihnen umringt. Es wird viel gescherzt. Hier freut man sich, wenn Kirche mal was los macht und die Menschen zusammenbringt. Strukturdebatten stehen nicht im Vordergrund. Auf dem Dorf mahlen die Mühlen anders.
Und überhaupt: Noch ist die Pastorale Einheit Oberberg Nord, die für 2030 mit dann insgesamt 32.000 Katholiken ansteht, in weiter Ferne. Trotzdem übt man sich schon mal in kleinen Schritten ein und ereifert sich weniger über das, was woanders als überwiegend defizitär oder gar Bedrohung wahrgenommen wird.
"Dorf voller Leben"
Das bestätigt auch Peter Wasserfuhr. Er lobt in dem Zusammenhang den großen Zusammenhalt der Ortsvereine als große Stütze. „Wir tun alles dafür, dass die Zusammenlegung gelingt“, unterstreicht er angesichts der unaufhaltsamen Entwicklung zu einer großen Pastoralen Einheit. Dabei helfe grundsätzlich, dass jeder eine überschaubare Aufgabe übernehme. So organisiere er zum Beispiel gerade die Jubelkommunion, die für Pfingsten geplant sei.
Auch ein solches Fest der Altarweihe mit dem Kardinal, zu dem schließlich viele zusammenkämen, würde zum Zusammengehörigkeitsgefühl beitragen, meint er. Pfarrer Schäfer hatte bei seiner Begrüßung von Wipperfeld von einem Dorf, aber einem „Dorf voller Leben“ gesprochen. Das bringe das Selbstverständnis von Wipperfeld genau auf den Punkt.
Die Bedeutung einer lebendigen Gemeinde hatte zuvor auch Kardinal Woelki in seiner Predigt angesprochen, als er den Altar als Herzstück der Kirche ins Zentrum seiner Ausführungen stellte. Er betont: „Der Altar ist das Sinnbild für Christus in unserer Mitte. Er führt uns zusammen zur Gemeinschaft des Glaubens, in die jeder durch die Sakramente Taufe, Kommunion und Firmung eingegliedert ist, somit Anteil an der göttlichen Natur hat und zum Tempel des Heiligen Geistes geworden ist.“
Jeder Profanität entzogen
Und was an Heiligung am Tag der Taufe geschehen sei, werde heute auch an diesem Altar vollzogen. Er werde mit Weihwasser besprengt, abgewaschen und mit Chrisam gesalbt, erklärt Woelki zu den einzelnen Riten und Handlungen. „Wir taufen ihn und entziehen ihn damit jeder Profanität.“ Da er für Christus stehe, müsse ihm auch in Ehrfurcht begegnet werden, was der Priester mit dem Kuss – dem Bruderkuss für Christus zu Begrüßung und zum Abschied – zum Ausdruck bringe. „Er küsst nicht toten Stein, er küsst den Herrn selbst.“
Woelki fährt fort: „Auf dem Altar sammeln wir die Gaben von Brot und Wein, empfangen von Christus selbst aber seinen Leib und sein Blut als Stärkung für unseren Lebensweg. Die Wandlung von Brot und Wein soll auch uns verwandeln.“ Weiter erklärt der Erzbischof: „Jesus Christus will in uns sein, will mit uns leben, will durch uns in der Welt handeln und gegenwärtig sein. Nun dürfen wir ihn als seine Boten in der Welt präsent machen.“
Mit dem vom Altar aufsteigenden Weihrauch werde augenscheinlich, „wie Christus in seiner Liebe für uns brennt, unser Herz erwärmen will“. Jede Feier an diesem Altar sei Ausdruck der Hingabe an Gott. Woelki mahnt aber auch: „Es ist an uns, ihn gegenwärtig machen.“ Das bedeute, die Messe nicht nur zu feiern, sondern sie zu leben.
Abschließend wünscht er der Gemeinde, sich auch künftig stets um den Altar zu versammeln, um sich gemeinsam an Jesus Christus zu erinnern, sich als seine Kirche auferbauen zu lassen und von hier Trost und Leben zu erfahren. Er dankt allen, die zur Mitfeier gekommen sind und damit zeigen, „dass hier der Glaube an die Gegenwart Gottes lebendig ist, sie dem Evangelium lebendigen Ausdruck verleihen und als Zeugen Jesu Christi im Alltag leben“.
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