1. März 2021 Newsdesk/Je, Stadtdekanat Bonn

Die Sanierung des Bonner Münsters schreitet voran, derzeit werden die barocken Altäre aus dem 17. und 18. Jahrhundert samt Alabasterskulpturen restauriert, darunter auch der Dreifaltigkeitsaltar (Stadtpatronealtar) aus einer Kölner Werkstatt aus dem Jahr 1704.

Was einfach klingt, ist aber alles andere als das. Das Problem: Alabaster ist sehr weich und vor allem gegen Feuchtigkeit sehr empfindlich. „Daher kann bei der Reinigung die Oberfläche leicht verletzt werden“, erläutert Restauratorin Susanne Brinkmann, die mit ihrer Kollegin Christina Verbeek in der Basilika im Einsatz ist. Die Lösung bietet ein innovatives Laserstrahlverfahren, das den Alabaster mit Licht reinigt, ohne ihn zu berühren. „Die dunkle Schmutzschicht absorbiert das Laserlicht und wird in dünnen Schichten abgetragen, während das helle Alabastergestein den Lichtstrahl reflektiert“, erklärt Brinkmann das Verfahren.

Der Laser selbst – der „CL20 Backpacklaser“ – wurde von den beiden Restauratorinnen modifiziert und in die Restauration eingeführt. Zum ersten Mal wurde er in Grabkammern in Ägypten eingesetzt, dort wurden Wandmalereien und Kalkstein von schwarzen Rußschichten befreit. Ursprünglich für die technische Anwendung konzipiert, wurde das mobile Lasergerät im Zuge eines Forschungsprojektes zur Reinigung altägyptischer Wandmalereien weiterentwickelt. Seitdem wird er zur Restaurierung von Wandmalereien und hochwertigen Steinbildhauerarbeiten eingesetzt. An dem Forschungsprojekt beteiligt waren neben Brinkmann und Verbeek (Atelier für Restaurierung, Köln) auch das Fraunhofer Institut Werkstoff und Strahlentechnik (IWS Dresden) sowie der Gerätehersteller. Gefördert wurde es von der der Gerda-Henkel-Stiftung.

Bedeutender Schritt für die Denkmalpflege im Rheinland

Das Ergebnis ist nun im Bonner Münster zu sehen. Dass der „CL20 Backpacklaser“ dort eingesetzt wird, ist ein wichtiger Schritt für die Denkmalpflege im Rheinland. Dort befindet sich der größte erhaltene Bestand an Barock-Altären insbesondere mit Alabasterskulpturen. „Bisher wurde die Laserreinigung fast ausschließlich im Museumsbereich an Skulpturen und Plastiken angewandt“, sagt Dr. Anna Pawlik, Konservatorin im Erzbistum Köln, die die Laserreinigung gemeinsam mit Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken nach Bonn geholt hat. Im Denkmalbereich sei die Maßnahme im Bonner Münster die bisher umfangreichste im Rheinland und darüber hinaus, „bislang wurde die Technik vor allem am Naturstein der Außenfassade des Kölner Doms eingesetzt“.

Alabaster ist in den vergangenen Jahren immer mehr in den Fokus der Kunst- und Restaurierungswissenschaft gerückt. So findet im Juni eine Tagung zu dem Thema in Paris im Louvre statt, Pawlik und Brinkmann haben ihre Teilnahme dazu bereits zugesagt. Dabei stehen Alabasterskulpturen vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert im Mittelpunkt. Dann soll es auch um die Provenienzforschung des Alabastergesteins gehen. Auch die Herkunft des im Bonner Münster eingesetzten Alabastermaterials soll untersucht werden. 

Münster-Bauverein finanziert Versetzung des Stadtpatronealtars

Darüber hinasu musste der Stadtpatronealtar versetzt werden, „eine Alternative zu der Maßnahme gab es nicht“, so Picken. Nun steht er direkt gegenüber dem Hauptportal – und damit an sehr prominenter Stelle. „Da er zwischen acht und zehn Tonnen wiegt, musste die Rückwand am neuen Standort statisch ertüchtigt werden, um das Gewicht des Altars abzufangen“, erläutert der Stadtdechant.

Insgesamt schlugen Abbau, Versetzung und Aufbau des Stadtpatronealtars mit rund 130.000 Euro zu Buche. Mit Unterstützung des Münster-Bauvereins konnte dieser Mehrbetrag aufgebracht werden. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, uns für das Bonner Münster einzusetzen und unseren Beitrag zur Sanierung zu leisten“, sagt Ulrich Lipperheide, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Vereis.

Sanierung des Bonner Münsters im Zeitplan

Die Generalsanierung des Bonner Münsters liegt im Zeitplan. So wird die Basilika voraussichtlich im November 2021 wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Derzeit steht die Sanierung der Gewölbe und die künftige Beleuchtung auf dem Programm, außerdem werden innen Verputzarbeiten durchgeführt, erläutert der Stadtdechant. Auch an der Fassade gehen die Arbeiten nun weiter, dort wird weiter verfugt. Diese Maßnahme musste wegen der frostigen Temperaturen kurzfristig unterbrochen werden.

Der überwiegende Anteil der Kosten für die Sanierungsarbeiten wird aus Kirchensteuermitteln finanziert. Das Erzbistum Köln übernimmt dabei einen Großteil der Kosten.