Odenthal/Altenberg - Reliquienschatz - Johannes und Paulus

2. Juni 2014 StA Kommunikation/sam

Die Aufregung war groß, als vor drei Jahren in der Sakristei der katholischen Pfarrkirche St. Pankratius in Odenthal in einer Kiste zwei Schädelreliquien entdeckt wurden. Die Historikerin Petra Janke konnte die Reliquien als Überreste der römischen Märtyrer Johannes und Paulus identifizieren. Deren Schädel gehörten zum bedeutenden Altenberger Reliquienschatz. Nun sind sie am 1. Juni nach über zweihundert Jahren in einem vom Künstler Professor Heinz Mack geschaffenen Doppelreliquiar in den Altenberger Dom zurückgekehrt. Alt-Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ließ es sich nicht nehmen, sie am Sonntag beim Pontifikalamt persönlich zu segnen. Er betonte, dass Märtyrer und Heilige für die Festigung des Glaubens wichtig seien.

 

Mit den Überresten des Kölner Erzbischofs Engelbert (+1225), die im Altenberger Dom verwahrt werden, bilden die gefundenen Häupter das einzige Relikt des reichen mittelalterlichen Reliquienschatzes des ehemaligen Zisterzienserklosters Altenberg. Dieser war in der Neuzeit durch Plünderungen, Verkauf und letztlich durch die Säkularisation sowie die Auflösung des Klosters im Jahre 1803 abhanden gekommen.

Neben den Häuptern des Märtyrerpaares lagern im Pfarrarchiv auch die Urkunden über den Erwerb der Reliquien im 14. Jahrhundert. Diese und weitere Dokumente geben nahezu lückenlos Aufschluss über die Geschichte der beiden Schädelreliquien.

Johannes und Paulus sind bedeutende Heilige aus frühchristlicher Zeit; sie sollen im 4. Jahrhundert unter Kaiser Julian Apostata (361-363)in ihrem eigenen Haus hingerichtet worden sein, weil sie ihm den Dienst verweigerten. Über diesem Haus wurde eine Basilika errichtet – die heutige Kirche S. Giovanni e Paolo auf dem Coelius in Rom. Die beiden Märtyrer werden beim Hochgebet im „Communicantes" genannt und wurden schon früh in die Allerheiligenlitanei aufgenommen. Abt Hermann von Horchheim (1339-1346) hatte, laut den Urkunden, die heiligen Häupter im Jahr 1344 von einem Händler erworben, der von Rom nach Köln gereist war.

 

Die Schädelreliquien, die bei ihrer Wiederauffindung in barocke Textilien gekleidet waren, wurden von der Textilrestauratorin Ulrike Reichert und ihrer Kollegin Gabriele Muders-Schaudt in den Jahren 2012 und 2013 restauriert. Der leitende Pfarrer der Gemeinde in Altenberg, Pfarrer Johannes Börsch, konnte den international bekannten Künstler Professor Heinz Mack gewinnen, für den wiederentdeckten Schatz ein Doppelreliquiar zu schaffen. In diesem kehrten die beiden Märtyrer nun nach über zweihundert Jahren in den Altenberger Dom zurück. Hier werden sie zu besonderen Anlässen, wie Wallfahrten oder Kirchenfesten, gezeigt.

 

Informationen: