Das Christentum lebt vom Erzählen seines Glaubens:Rückblick auf den Tag der Pastoralen Dienste 2026

Evangelisierung ist ein Schlüsselwort, „um den Glauben in einer säkularen Welt zur Sprache zu bringen“. Davon ist Elisabeth Neuhaus, Fachbereichsleiterin Personalentwicklung Pastorale Dienste, überzeugt. Deshalb haben sie und weitere Verantwortliche alle pastoralen Dienste im Erzbistum Köln zu einem Studientag zu diesem Thema in das Kardinal Schulte Haus in Bensberg eingeladen. Inhaltlicher Impulsgeber war der Utrechter Pastoraltheologe und Münsteraner Priester Prof. Dr. Jan Loffeld. Rund 150 Teilnehmer folgten dieser Einladung.
Loffeld, Autor des vielbeachteten Buchs „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt: Das Christentum vor der religiösen Indifferenz “, näherte sich dem „Tankerbegriff Evangelisierung“ aus zwei unterschiedlichen Richtungen an. Das Wort „Tankerbegriff“ deutet an, dass sich hinter diesem Schlagwort sehr unterschiedliche Vorstellungen sammeln können, „weil er nicht eindeutig definiert ist“. Am Vormittag erschloss er ihn aus „trinitarischen Überlegungen“.
Ein didaktisch-sakramentales Modell der Evangelisierung lege quasi von oben nach unten den Schwerpunkt auf die Vermittlung der Glaubensinhalte. Das politisch-gesellschaftliche Modell in der Nachfolge Jesu gehe vom konkreten Ort der Glaubenspraxis und der engagierten Solidarität mit den Ärmsten aus. Das verkündende-charismatische Modell als Wirken des Heiligen Geistes setze beim Glaubenszeugnis an. „Erstens müssen Menschen das leben, was sie im Glauben ergriffen haben; und zweitens sollten sie ihre persönlichen Glaubenserfahrungen mit anderen teilen: Glaube wird bezeugt, weniger gelehrt“, so der Theologe.
Nachmittags vertiefte er diesen Gedanken mittels des Schlüsselworts „narrative Brücke“. „Heute kommt es darauf an, die bessere Geschichte zu erzählen“, so Loffeld. Das Christentum sei eine Erzählreligion, in der Christen von den Anfängen an, ihre existenziellen Glaubensgeschichten erzählt hätten. So könne man das Evangelium im anderen entdecken, wie auch andere es bei mir erkennen könnten. Wichtig sei aber auch, die persönlichen Erfahrungen an der allgemeinen Glaubensverkündigung messen zu lassen. Schließlich sei es das Handeln Gottes selbst, das eine Evangelisierung ermögliche. Das menschliche Tun komme dann dazu. Jede pastorale Tätigkeit müsse einen christlichen Erzählraum ermöglichen.
Teilnehmer hoben im Gespräch hervor, wie wichtig ihnen der Blick auf die unterschiedlichen Wirklichkeitsbedingungen bei der Verkündigung sind. Das sei die „Kunst der Pastoral“, wie es Pfarrer Berthold Wolff als Mitveranstalter sagte. Es gebe nicht den einen Weg der Evangelisierung. Diakon Dr. Marc Kerling lobte, wie der Referent alte Texte und moderne Narrative für die Pastoral verband. Es gehe auch darum, so sagte es Pfarrer Andreas Süß, dass sich alle gegenseitig in der Glaubensverkündigung als bereichernd erleben. Das gelte auch für die Seelsorger untereinander, um sich weiter „selbst zu evangelisieren“.
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