Wenn Kinder trauern…:Studientag Trauerpastoral im Katholisch-Sozialen Institut 2026
Verluste gehören zum Leben, auch zum Leben von Kindern. Und je nach Altersstufe und Entwicklungsphase haben sie bei der Verarbeitung von Leidvollem, wie dem Tod eines Elternteils, eines Geschwisterkindes, der Großeltern oder auch eines Freundes oder Mitschülers, ganz individuelle Bedürfnisse. Denn mit einem solchen tiefgreifenden Erlebnis werden sie in ihrer Sicherheit und Stabilität erschüttert, was nach Antworten und Reaktionen aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld verlangt: der Familie, der Schule, dem Bekanntenkreis.
Trauer als lebensnotwendige Reaktion
Trauer, stellt Dr. Eva-Maria Will, Referentin im Fachbereich Lebensbegleitende Pastoral und Trauerexpertin, sehr grundsätzlich fest, sei eine lebensnotwendige und gesunde Reaktion und damit die Antwort der Seele und des Körpers auf Verlust. Die Fähigkeit zu trauern beeinflusse den Lebensweg und die Persönlichkeitsentfaltung von jungen Menschen ganz maßgeblich. Dabei sei es nicht unwichtig, wie Kinder oder Jugendliche trauerten, so die Theologin. „Denn Kinder trauern anders als Erwachsene. Und es ist wichtig, dass sie dabei gut und kindgerecht begleitet werden.“ Nicht alles, was an Bewältigungsstrategien für Erwachsene passe, lasse sich auf Kinder übertragen.
Wie Kinder bei ihrem Trauerprozess konkret unterstützt werden können, ob sie beschützt oder mit Tod und Verlustschmerz konfrontiert werden sollen, ob es hilfreich ist, sie an der Beerdigung teilnehmen zu lassen oder dem Abschied am Grab bewusst auszuweichen – diese Fragen gehörten zu den Inhalten des Studientages in Kooperation mit dem Katholisch-Sozialen Institut, zu dem Will haupt- und ehrenamtlich Tätige aus der Gemeindeseelsorge – hier vor allem ehrenamtliche Begräbnisleiterinnen und -leiter – aus der Krankenhausseelsorge, dem Hospizwese sowie aus KiTa- und Schul-Kontexten begrüßen konnte.
Fachvorträge zum Einstieg
In drei Fachvorträgen ging es zunächst um die Vermittlung von Hintergrundwissen zum „Todesverständnis von Kindern“, zu „Systemischen Perspektiven von Trauer“ und zur „Krisenintervention in der Schule“, während in Workshops dann der Austausch und die thematische Komplexität kindlicher Trauer in allen ihren Facetten im Zentrum standen.
„Tote begraben und Trauernde trösten gehört zu den Werken der Barmherzigkeit und ist daher eine Kernaufgabe der Kirche“, betont Will. „In einer vertieften Auseinandersetzung mit einem gesellschaftlich relevanten Thema steigen wir in einen Diskurs ein, der dem Einzelnen bei seiner alltäglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen neue praxistaugliche Impulse geben soll.“ Trauer habe viele Gesichter, und daher sei es das Ziel, Trauer zu deuten und Raum für Trost zu öffnen.
Nicht allein lassen
Zudem entspreche dies auch dem Evangelisierungsauftrag der Kirche. „Unser Anspruch besteht darin, trauernde Familien und ihre Kinder nicht allein zu lassen, sondern als Kirche an ihrer Seite zu stehen.“ Von daher biete eine solche Veranstaltung auch unterschiedliche Lernfelder mit individuellen Zugängen zu Trauer: über Trostgeschichten aus der Bibel, über Musik und Literatur, über Materialien wie Kuscheltiere oder Bilderbücher, aber auch über Methoden wie beispielsweise die Transaktionsanalyse oder ganz praktisch-technische Hinweise beim Aufbau einer Trauergruppe.
Um Kinder aber in ihrer Trauer gut begleiten und altersgemäße Bewältigungsstrategien anbieten zu können, ist es zunächst erforderlich zu wissen, dass die Vorstellungen, die Kinder vom Tod haben, vielfältig sind und vom Alter, der kognitiven Entwicklung, Religion oder Kultur abhängen. Das machte Hedwig Bergmann, Diplom-Heilpädagogin, EFL-Beraterin, Kommunikationstrainerin und Supervisorin, in ihrem Eingangsvortrag „Warum wacht Opa nicht mehr auf?“ deutlich. Und dass es eine Rolle spiele, wie in der Familie mit Verlusten und dem Tod umgegangen werde. Sie zeigte auf, was Kinder – vom Säuglingsalter an – in den einzelnen Altersstufen schon begreifen, wie sie ihre Trauer zeigen können und sich ihr Verständnis vom Tod – je älter sie werden – wandelt.
Trauersituation betrifft ein ganzes Netzwerk
Pfarrer Andreas Schönfeld, lehrender und supervidierender Transaktionsanalytiker unter Supervision (PTSTA/C) aus Brühl, veranschaulichte, dass Trauer nicht nur das Individuum betreffe, sondern jeder Mensch Teil „seines“ Systems sei, wozu Herkunft, Familie, Freunde, Kita, Schule, Kommuniongruppe, Arbeitsplatz, Sportverein etc. zählten. Das heißt, eine Trauersituation betrifft immer auch das komplette Netzwerk, in das jemand eingebunden ist.
Auf „das große Ganze“ zu schauen, die Interaktion in der Gruppe wahrzunehmen und zu verstehen, wie dieses spezielle komplexe Familiensystem funktioniere, helfe ihm bei Trauergesprächen, erklärte der Seelsorger. Und dass es bei der Transaktionsanalyse darum gehe, Kraftquellen und Ressourcen – auch spirituelle – zu aktivieren.
Auch in der Klasse ein Thema
Der Vortrag von Regine Klein zu „Trauer im Klassenzimmer. Krisenintervention in der Schule“ legte schließlich nochmals die Vielfalt und auch erschreckend steigende Frequenz von schulischen Krisenanlässen, zu denen inzwischen vermehrt Suizide zählen, offen. Die Religionspädagogin und Referentin für schulische Krisenintervention in der Schulpastoral des Erzbistums Köln erklärte Krise als Kontrollverlust und Bedrohung von etwas, was sonst vertraut und zuverlässig ist.
Zu den größten denkbaren Krisen gehören demnach der plötzliche (Unfall-)Tod eines Schülers, eines Elternteils oder eines Lehrers, aber auch Gewalttaten wie ein Amoklauf, eine Geiselnahme oder Ermordung – und eben eine Selbsttötung. Sie empfahl Schulen für solche Situationen, ein Handlungskonzept und auch ein Krisenteam vorzuhalten, um auf eine solche Extremlage entsprechend reagieren und Kinder und Jugendliche in ihrem Schmerz erreichen zu können.
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