Eingewöhnung in Kita und Schule:Einschulung: Großer Schritt für kleine Menschen

Realitätscheck: Wunsch und Wirklichkeit

Drittes Kind, dieselbe Kita wie die großen Schwestern, Erzieherinnen, Räume, Weg zur Garderobe – alles vertraut.
"Carlotta kannte die Einrichtung aus dem Effeff. Die Eingewöhnung wird ein Heimspiel, dachten wir", erinnert sich Leonie Beisheim an den Start ihrer jüngsten Tochter in der katholischen Kindertagesstätte in Köln-Lövenich.
Behutsame Eingewöhnung gibt Sicherheit

Was bei den älteren Töchtern scheinbar mühelos funktioniert hatte, wollte sich bei Carlotta nicht wiederholen. "Irgendwann hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. Doch aus den zuversichtlich geschätzten Tagen wurden volle sechs Wochen Eingewöhnung", sagt Papa Simon.
Wenn sich die Elternzeit dem Ende neigt und der Wiedereinstieg in den Job näher rückt, tickt plötzlich die Uhr. Eine stressige Situation, die viele Eltern ungeduldig werden lässt.
Doch gerade bei der Eingewöhnung ist Eile fehl am Platz.
"Lieber einen Puffer einbauen und sich darauf einstellen, dass das Ankommen häufig Zeit benötigt", sagt Janine Pultke, Leiterin der Katholino-Kita St. Maternus in Köln-Rodenkirchen.
Die katholische Einrichtung nimmt bereits Einjährige auf. Das fachkundige Team verfügt über die nötige Expertise, um mit der ersten großen Trennungserfahrung von Eltern und Kindern umzugehen. Gibt es ein Patentrezept?
"Kinder erleben die Situation sehr unterschiedlich – je nach Persönlichkeit oder bisherigen Erfahrungen. Wir schauen deshalb immer genau hin und begleiten jede Familie individuell", berichtet die Erzieherin.
Vertrauen – eine Lektion fürs Leben

Geduld, die sich auszahlt: Eine gelungene Eingewöhnung legt nicht nur den Grundstein für eine unbeschwerte Kitazeit, sondern kann auch bei späteren Übergängen Halt bieten.
"Eine Bindung zu Menschen außerhalb der Familie aufzubauen, gibt Selbstvertrauen und Sicherheit. Auf dieses Erlebnis können Kinder etwa bei ihrer Einschulung zurückgreifen", bestätigt Janine Pultke.
Doch das Loslassen kann schmerzvoll sein – für die Kleinsten sowie für Mama und Papa. Auch sie müssen sich daran gewöhnen, die Betreuung in andere Hände zu geben.
Und darüber hinaus tun sich plötzlich jede Menge Fragen auf: Was, wenn mein Kind beim Abschied weint? Wie merke ich, ob mein Kind wirklich angekommen ist? Berliner, Münchner oder Tübinger – welches Eingewöhnungsmodell ist das richtige für uns? Bei so vielen Themen kann einem als Elternteil schon mal der Kopf schwirren.
Mutmach-Impulse fürs Gefühlskarussell

"Ich verstehe gut, dass Familien verunsichert sind, wenn sie Unterschiedliches lesen und hören. Doch es führen immer mehrere Wege zum Ziel. Wir verzichten deshalb bewusst auf ein starres Schema: Wenn sich ein Kind leichttut, ziehen wir die Eingewöhnung nicht künstlich in die Länge. Wenn ein Kind mehr Zeit braucht, gehen wir behutsam vor", erklärt Janine Pultke das Zusammenspiel.
Eltern können ihrem Kind helfen, indem sie Sicherheit und Zuversicht vermitteln und mögliche Ängste ernst nehmen.
"Für mich ist es auch ungewohnt, aber hier sind sehr nette Menschen, die gut auf dich aufpassen. Ich glaube daran, dass es dir hier gefallen wird", formuliert die Erzieherin einige hilfreiche Impulse, die Mut machen sollen. Wertvoller als jede Beruhigung sei es, das Vertrauen des Kindes in seine eigenen Fähigkeiten zu wecken.
Segensspruch: Ich wünsche dir einen schönen Tag!

"Kaum ist der Zwerg im neuen Alltag angekommen, steht schon die nächste Etappe vor der Tür: die Einschulung", erinnert sich Leonie Beisheim an das zweite große Übergangserlebnis im Leben ihrer Tochter.
Die Kitazeit verging wie im Flug und aus der Chefin des Sandkastens wurde viel zu schnell ein i-Dötzchen. Für Familien ist der Schulstart mit ebenso gemischten Gefühlen verbunden wie die Eingewöhnung.
"Carlotta hat sich erstaunlich reibungslos zurechtgefunden. Ihre große Schwester hatte mehr zu kämpfen, weil ihre beste Freundin nicht in dieselbe Klasse gekommen ist. Das war ein Drama mit viel Herzklopfen", blickt Leonie Beisheim zurück.
Doch die Erstgeborene fand schnell ihren Platz - auch ohne bekannte Gesichter auf den anderen Bänken. "Kinder sind oft stärker und mutiger als Eltern denken. Aus Muttersicht kann ich die Sorge verstehen, doch Stolpersteine gehören zum Leben. Wir entwickeln uns nicht weiter, indem uns jede Schwierigkeit erspart bleibt", sagt Verena Bremser, Lehrerin an der Katholischen Grundschule An den Kaulen in Köln-Chorweiler.
Schutzengel oder Talisman geben Rückenwind

Wer einen vertrauten Begleiter um sich hat, fühlt sich schneller wohl an einem neuen Ort. Das kann ein befreundetes Kind sein. "Oder Eltern geben ein Lieblingskuscheltier oder einen kleinen Talisman mit in die Schule", erklärt Verena Bremser ein beliebtes Ritual zum Schulstart.
Eine Brücke zum Elternhaus kann auch geschlagen werden, "indem man sich morgens bewusst von seinem Kind verabschiedet und ihm einen schönen Tag wünscht. Ich empfinde diese kleine Geste als großen Segen, der viel Kraft geben kann."
Aufgeregte neue Schulkinder führt in diesen Tagen auch Franziska Manka an der Erzbischöflichen Grundschule Dönberg in Wuppertal ins Klassenzimmer.
Wie an den meisten Grundschulen sind die Lehrkräfte hier gut auf die Neuankömmlinge eingestellt: "Wir arbeiten mit einem Patensystem: Ältere Kinder schreiben den zukünftigen Erstklässlern einen Willkommensbrief und kümmern sich nach der Einschulung intensiv um ihren Schützling - sie spielen zusammen in der Pause oder beantworten Fragen", schildert die Grundschullehrerin.
Auch ein Schnuppertag vor den großen Ferien soll die Unsicherheit vor dem Unbekannten abfedern und ein positives Gefühl vermitteln.
Ernüchterung trifft jedes Schulkind – früher oder später

Auf dem Stundenplan der Erzbischöflichen Grundschule steht deshalb erst mal nur: Ankommen. "Emotionale Sicherheit geben, kleine Strukturen etablieren, Mut und Selbstvertrauen vermitteln", zählt Franziska Manka auf, womit sie ihre neue Klasse stärken möchte.
Ihr Tipp: Eltern sollten ein mulmiges Gefühl oder Ängste des Kindes weder kleinreden noch dramatisieren. Besser sei es, Verständnis zu zeigen, zu loben und zu ermutigen. Denn nur, wer sich sicher fühle, könne erfolgreich lernen.
Unabhängig davon, wie sanft der Übergang gestaltet wird, dauere das Einfinden in den Schulalltag trotzdem seine Zeit.
"Früher oder später hat jedes Kind mit der Anpassung zu kämpfen", beobachtet Grundschullehrerin Franziska Manka Jahr für Jahr aufs Neue: "Das eine Kind sorgt sich schon vor dem ersten Tag, das andere marschiert voller Tatendrang in den Klassenraum. Doch spätestens im Laufe des ersten Schuljahres erkennt es: Schule ist spannend, kann aber auch ganz schön anstrengend sein."
Ich kann das schon allein: Selbstständigkeit macht stark

Denn Unterricht ist nicht jeden Tag Schultüte und Pause. Ein Schultag bedeutet auch: Früh aufzustehen, Regeln einzuhalten, Eigenverantwortung zu übernehmen, Spielpartner zu finden und sich viele Namen zu merken.
"Die größten Herausforderungen sind, sich in Geduld zu üben, mindestens eine Viertelstunde am Stück konzentriert zu arbeiten, die eigenen Schulmaterialien zu überblicken und sich selbstständig zu organisieren", berichten beide Lehrerinnen.
Dabei können Eltern ihre Kinder gezielt unterstützen: Familien investieren viel Zeit in die Auswahl des richtigen Schulranzens oder der Schultüte. "Doch mindestens genauso wichtig ist es, das Kind mit dem Inhalt seiner Tasche vertraut zu machen", sagt Franziska Manka.
"Ich werde auch oft gefragt: Was muss mein Kind zur Einschulung schon können?", erzählt Verena Bremser. Ihre Antwort: "Die kleinen Dinge des Alltags: Den Ranzen packen, sich selbst ankleiden, sich nach dem Sportunterricht wieder umziehen oder die Schuhe binden." Fähigkeiten, die Kindern den Start sehr erleichtern.
Schulkind zu werden, ist ein großer Schritt für kleine Menschen, den Eltern einfühlsam begleiten können, indem sie ihnen im Alltag immer mehr zutrauen und bewusst Raum für Selbstständigkeit geben. So wachsen Mut, Zuversicht und Vorfreude auf alles, was kommt – mit der Gewissheit: Mama und Papa sind da, wenn sie gebraucht werden.