Für Eltern und Familien, die den Übergang nach den Sommerferien gelassen und strukturiert begleiten möchten, erklärt Dr. Thomas Köhler-Saretzki, Leiter der psychologischen Beratungsstelle Herbstmühle in Wipperfürth, wie der Wiedereinstieg in Schule und Alltag gelingt, was bei Ferienblues, Lernlücken und emotionalen Herausforderungen hilft und warum ein guter Start nach den Sommerferien für Motivation und Wohlbefinden so wichtig ist.
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Sommerferien vorbei:Ferienblues überwinden: Locker zurück in den Schulalltag

Ferienblues nach den Sommerferien verstehen

Wenn nach den Sommerferien das neue Schuljahr startet, kehrt in vielen Familien mit dem Schulalltag auch der Stress zurück, der zwischen Schwimmbad, Eis und Dolce Vita eine Pause hatte. Nicht alle Menschen reagieren gleich auf diesen Übergang. Viele Kinder fühlen sich nach den Sommerferien zunächst überfordert oder unruhig. Was ist der Grund dafür, dass Kindern der Übergang körperlich und mental so schwerfällt?
"Weil der abrupte Wechsel von Freiheit und Entspannung zum Schulbesuch einen starken Kontrast bildet, der mit Anforderungen, Verpflichtungen und einem früh klingelnden Wecker verbunden ist", sagt Dr. Thomas Köhler-Saretzki, Leiter der psychologischen Beratungsstelle Herbstmühle in Wipperfürth (Träger: Verband der Katholischen Kirchengemeinden im Oberbergischen Kreis).
Mit Routinen zurück in den Schulalltag

Wenn der Alltag wieder in Schwung kommt, müssen sich Klein wie Groß erst wieder an das Tempo und eine feste Routine gewöhnen. Viele Eltern erleben ihre Kinder in dieser Zeit als gereizt, schlecht gelaunt und unmotiviert.
"Es ist völlig normal, dass Kinder nach den Ferien erst einmal keine Lust auf Schule, Stillsitzen und Zuhören haben und sich dies auch an ihrem Verhalten zeigt", beruhigt Familientherapeut Köhler-Saretzki. "Der Ferienmodus lässt sich nicht auf Knopfdruck ausschalten."
Viele Eltern sind jedoch schnell beunruhigt, wenn ihr Kind nach den Ferien gereizt, unmotiviert oder erschöpft wirkt. Dabei helfe zusätzlicher Druck wenig. Im Gegenteil: Vorwürfe, Vergleiche oder Sätze wie "Reiß dich zusammen" können den Ferienblues noch verstärken. Doch wie finden Familien erfolgreich zurück in ihren Rhythmus?
"Entscheidend ist, mit kleinen Routinen wieder Struktur in den Alltag zu bringen", so Köhler-Saretzki. Feste Rhythmen und verlässliche Abläufe können Kindern helfen, sich nach den Ferien wieder im Schulalltag zurechtzufinden. Und nach einer langen Auszeit fehlt genau das: ein stabiler, vorhersehbarer Tagesablauf, der konzentriertes lernen und mehr Produktivität im Schulalltag fördert.
Morgenroutine nach den Ferien neu einspielen

Struktur gelingt mit Ankerpunkten wie zum Beispiel einer festen Zubettgehzeit. "Denn die größte Hürde für Kinder nach den Ferien ist das Aufstehen", weiß Familientherapeut Köhler-Saretzki.
Hilfreich kann sein, die Schlafenszeit schon einige Tage vor dem Schulstart schrittweise wieder nach vorn zu verschieben. Nicht drastisch, sondern jeden zweiten Tag um 15–20 Minuten. Wie viel Schlaf ein Kind braucht, ist individuell. Eine feste, altersgerechte Schlafenszeit hilft jedoch vielen Kindern, morgens leichter in den Tag zu starten.
Gegen das Morgenchaos helfen feste Regeln: "Vereinbaren Sie eine gemeinsame Frühstückszeit, stellen Sie Ranzen und Kleidung mit Ihrem Kind bereits am Vorabend bereit. Eine schöne Idee kann auch ein Familienkalender sein, der mit dem Kind erstellt wird, und alle Absprachen sichtbar festhält", regt Köhler-Saretzki an.
Tipps, um die ersten Schulwochen bewusst zu entlasten

Doch die Rückkehr in die Schule ist nicht nur mit Organisation, sondern auch mit emotionalen Herausforderungen verbunden: "Die sozialen Dynamiken in einer Klassengemeinschaft, die Lautstärke, mögliche Reibereien oder wie behutsam die ersten Tage durch Lehrkräfte gestaltet werden, sind nicht zu unterschätzen", weiß Familientherapeut Köhler-Saretzki.
Nach der langen Ferienzeit müssen viele Kinder neue Eindrücke, Erwartungen und unterschiedliche Gefühle verarbeiten. Die Nachmittage sollten in den ersten Schulwochen daher nicht komplett durchgetaktet sein.
Raum zum Durchatmen, ein weniger straffes Freizeitprogramm und ausreichend Zeit für Hausaufgaben können helfen, dass Motivation und Freude am Schulalltag zurückkehren. Positive gemeinsame Erlebnisse stärken zudem die Gemeinschaft.
Weitere Tipps für einen gelassenen Start in die Schule finden Familien auch in unserem Beitrag „Gut ist gut genug: Schulstart ohne Druck“ .
Köhler-Saretzki: "Feiern Sie die Erfolge und Fortschritte Ihres Kindes! Und lenken Sie den Blick des Kindes weg vom Pflichtgefühl, hin zu positiven Erwartungen: auf das Wiedersehen mit den Freunden, das Fußballspielen in der großen Pause oder das Lieblingsfach."
Lernlücken nach den Ferien gelassen angehen

Anders sieht es aus, wenn Kinder Stress empfinden, weil sich echte Lerndefizite zeigen oder der Kopf scheinbar alles vergessen hat.
Nach langen Ferien kann es vorkommen, dass Kinder Lerninhalte zunächst nicht sofort wieder abrufen können. Das klingt im ersten Moment dramatisch, ist aber mit dem richtigen Wiedereinstieg gut aufholbar.
Eltern können einzelne Themen in Ruhe noch einmal aufgreifen und gemeinsam mit ihrem Kind auffrischen. Das kann Sicherheit geben und das Selbstvertrauen stärken.
Ganz wichtig: Die Ängste des Kindes ernst nehmen, zuhören und Mut zusprechen. Denn ein guter Neustart gelingt auch über das Gefühl: "Ich schaffe das!"