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Sommerferien vorbei:Ferienblues überwinden: Locker zurück in den Schulalltag

Mutter mit Kind vor der Schule
Datum:
3. Sept. 2026
Von:
Sara Ebertz
Wecker, Brotdose, Stundenplan – nach sechs Wochen Leichtigkeit kann und darf der Start ins neue Schuljahr schon mal holpern. Wie es Kindern und ihren Eltern gelingt, trotz Turbulenzen gelassen zurückzufinden, erklärt Dr. Thomas Köhler-Saretzki, Leiter der psychologischen Beratungsstelle Herbstmühle in Wipperfürth.

Ferienblues ist hartnäckig, aber "heilbar"

Wenn dieser Tage das neue Schuljahr startet, kehrt mit dem Alltag in vielen Familien auch der Stress zurück, der zwischen Schwimmbad, Eis und Dolce Vita eine Pause hatte. Umfragen zufolge fühlt sich jedes zweite Kind im Alter von sechs bis zwölf Jahren nach den Sommerferien überfordert oder unruhig. Warum fällt Kindern der Übergang körperlich und mental so schwer?

"Weil der abrupte Wechsel von Freiheit und Entspannung zum Schulbesuch einen starken Kontrast bildet, der mit Anforderungen, Verpflichtungen und einem früh klingelnden Wecker verbunden ist", sagt Dr. Thomas Köhler-Saretzki, Leiter der psychologischen Beratungsstelle Herbstmühle in Wipperfürth (Träger: Verband der Katholischen Kirchengemeinden im Oberbergischen Kreis). 

Rhythmus und Routine statt Remmidemmi

Frauen mit Kind an der Tür

Wenn der Alltag wieder in Schwung kommt, müssen sich Klein wie Groß erst wieder an das Tempo gewöhnen. Viele Eltern erleben ihre Kinder in dieser Zeit als gereizt, schlecht gelaunt und unmotiviert.

"Es ist völlig normal, dass Kinder nach den Ferien erst einmal keine Lust auf Schule, Stillsitzen und Zuhören haben und sich dies auch an ihrem Verhalten zeigt", beruhigt Familientherapeut Köhler-Saretzki. "Der Ferienmodus lässt sich nicht auf Knopfdruck ausschalten."

Leider gingen bei vielen Eltern aber die Warnsignale viel zu schnell an. Dabei helfe zusätzlicher Druck wenig. Im Gegenteil: Vorwürfe, Vergleiche oder Sätze wie "Reiß dich zusammen" können den Ferienblues noch verstärken. Doch wie finden Familien erfolgreich zurück in ihren Rhythmus?

"Entscheidend ist, mit kleinen Routinen wieder Struktur in den Alltag zu bringen", so Köhler-Saretzki. Denn unser Gehirn liebt feste Rhythmen und Verlässlichkeit. Und nach einer langen Auszeit fehlt genau das: ein stabiler, vorhersehbarer Tagesablauf. 

Schwierigster Moment: Wenn der Wecker klingelt

Kind mit Trinkflasche

Struktur gelingt mit Ankerpunkten wie zum Beispiel einer festen Zubettgehzeit. "Denn die größte Hürde für Kinder nach den Ferien ist das Aufstehen", weiß Familientherapeut Köhler-Saretzki.

Nach Möglichkeit sollte die Schlafenszeit lieber schon ein paar Tage vor dem Schulstart nach vorn geschoben werden. Nicht drastisch, sondern jeden zweiten Tag um 15–20 Minuten. Laut Weltgesundheitsorganisation sind 11 Stunden Schlaf pro Nacht für Kinder im Grundschulalter ideal. Wer um 7 Uhr aufsteht, sollte also spätestens um 20 Uhr im Bett liegen.

Gegen das Morgenchaos helfen feste Regeln: "Vereinbaren Sie eine gemeinsame Frühstückszeit, stellen Sie Ranzen und Kleidung mit Ihrem Kind bereits am Vorabend bereit. Eine schöne Idee kann auch ein Familienkalender sein, der mit dem Kind erstellt wird, und alle Absprachen sichtbar festhält", regt Köhler-Saretzki an. 

Einfache Maßnahmen, die wirklich helfen

Spielende Kinder mit einem Tuch

Doch die Rückkehr in die Schule ist nicht nur mit Organisation, sondern auch mit emotionalen Herausforderungen verbunden: "Die sozialen Dynamiken in einer Klassengemeinschaft, die Lautstärke, mögliche Reibereien oder wie behutsam die ersten Tage durch Lehrkräfte gestaltet werden, sind nicht zu unterschätzen", weiß Familientherapeut Köhler-Saretzki.

Nach der langen Ferienzeit haben viele Kinder einen anstrengenden Mix aus Gefühlen zu bewältigen. Die Nachmittage sollten in den ersten Schulwochen daher nicht komplett durchgetaktet sein.

Mit etwas Raum zum Durchatmen, einem weniger straffen Freizeitprogramm und ausreichend Zeit für das Erledigen der Hausaufgaben kommen Motivation und Freude bald zurück.

Köhler-Saretzki: "Feiern Sie die Erfolge und Fortschritte Ihres Kindes! Und lenken Sie den Blick des Kindes weg vom Pflichtgefühl, hin zu positiven Erwartungen: auf das Wiedersehen mit den Freunden, das Fußballspielen in der großen Pause oder das Lieblingsfach." 

Lücken schließen und selbstbewusst nach vorn

Kinder im Unterricht

Anders sieht es aus, wenn Kinder Stress empfinden, weil sich echte Lerndefizite zeigen oder der Kopf scheinbar alles vergessen hat.

Der sogenannte "Sommerslide" – Lernverlust durch lange Ferien – ist wissenschaftlich gut belegt. Das klingt im ersten Moment dramatisch, ist aber mit dem richtigen Wiedereinstieg gut aufholbar.

Als Eltern darf man einzelne Themen ruhig noch einmal hervorholen und gezielt auffrischen, um dem Kind die nötige Sicherheit und Selbstvertrauen zurückzugeben.

Ganz wichtig: Die Ängste des Kindes ernst nehmen, zuhören und Mut zusprechen. Denn ein guter Neustart gelingt auch über das Gefühl: "Ich schaffe das!"