Neuanfang mit Gott:Halt finden im Glauben: Fünf Menschen erzählen

Erwachsen getauft: Eine bewusste Entscheidung für den Glauben

Ich habe immer schon an ein höheres beziehungsweise göttliches Wesen geglaubt. Durch den Philosophieunterricht auf dem Gymnasium und den Einfluss meiner besten Freundin, die auch sehr religiös ist, habe ich mich mit meiner Vergangenheit - ich war auf einer katholischen Grundschule, aber eher aufgrund der unmittelbaren Nähe - auseinandergesetzt. Da habe ich gemerkt, dass mein Glaube und meine Werte mit denen des Katholizismus übereinstimmen.
Mich taufen zu lassen, hat für mich bedeutet, dass ich mich frei entfalten konnte und nur nach mir beziehungsweise meinem Glauben gehandelt habe. Somit hat mir diese Entscheidung sehr viel Selbstbewusstsein und sentimentalen Wert gebracht. Sie hat sich zudem sehr positiv auf mein Leben ausgewirkt und mir Mut für spätere große Entscheidungen gegeben. Auch habe ich das Gefühl, dass Gott durch die Taufe jetzt noch mehr hinter mir steht und für mich da ist.
Die Vorbereitung auf die Taufe war neu und ungewohnt, aber sehr hilfreich. Hier konnte ich alle Fragen stellen, die zu Hause keiner beantworten konnte. Die Taufe in St. Michael war dann sehr aufregend, aber trotzdem ein schönes Erlebnis. Ich war froh, dass ich nicht allein getauft worden bin, weil ich nicht gerne im Rampenlicht stehe. Ich gehe immer noch häufig zur Messe, lese die Bibel und versuche, mich an ihre Werte zu halten.
Darüber hinaus versuche ich, Gott auch in schweren Zeiten oder Situationen aufzusuchen und meine Sorgen mit ihm zu bereden. Ich finde, dass man die Gesellschaft generell wieder mehr zu Christus führen sollte, weil man den Menschen so wieder Hoffnung und Liebe schenkt. Gerade in der Zeit, in der Krieg, Ausbeutung und Unrecht "selbstverständlich" sind, sollten christliche Werte wieder mehr praktiziert und verbreitet werden.
Anna Sophie Becker, 18, Wuppertal
Schulstart mit Gottes Segen

Unsere Tochter Marie wird am 3. September eingeschult. Wir kommen eigentlich aus Bedburg, aber für Marie war schon lange klar, dass sie in die Städtische Gemeinschaftsgrundschule Bergheim-Glesch gehen möchte. Dort wohnen Oma und Opa, also meine Eltern, und dort bin ich auch selbst zur Schule gegangen. Die Schule wird sehr familiär geführt.
Da wir nicht in Bergheim leben, war die Schulwahl erst etwas schwierig. Aber seit feststeht, dass es klappt, ist Marie schon ganz aufgeregt und freut sich auf die Schule. Sie saß in den vergangenen Monaten schon oft an ihrem kleinen Schreibtisch und malte Buchstaben und Zahlen.
Zum Schulstart wird ein Gottesdienst gefeiert, das war uns ganz wichtig. Wir sind in der Familie sehr kirchlich angehaucht. Auch in Maries Kindergarten, St. Lambertus, war uns das schon sehr wichtig. Da haben die Kinder im Morgenkreis und zum Essen gebetet. Und sie haben die Kirchenfeste gefeiert.
Zum Abschied aus dem Kindergarten sind die Leiterin und die Erzieherinnen zu jedem Kind gegangen und haben ihm ein Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet und gesagt: „Der liebe Gott passt immer auf dich auf.“ Das war sehr berührend.
Das Schöne ist, dass Marie das jetzt manchmal auch bei uns macht. Und wir machen es bei ihr und werden es beibehalten, wenn sie jetzt zur Schule geht.
Victoria (37), Marvin (32) und Marie Kremer (6), Bedburg-Lipp
Spirituelle Auszeit: Kraft schöpfen im Glauben

Einfach mal aus dem Trott rauskommen und bei Gott vor Anker gehen.
So könnte man beschreiben, was mich bewegt, mir regelmäßig spirituelle Auszeiten zu nehmen. Entweder allein, als Paar oder auch als Familie - wie wir gemacht haben, als unsere drei Söhne noch klein waren.
Meine Frau ist Exerzitienleiterin und da war ich auch schon dabei. Und in der Gemeinde gibt es das Angebot "Mit Bibel und Rucksack", an dem ich teilgenommen habe. Da gehen wir gemeinsam drei Tage lang eine traditionelle Wallfahrt auf einem anderen Weg, der von Bibel-Teilen und Schweigen geprägt ist.
Für mich sind das Qualitätszeiten sowie Beziehungszeiten, sowohl was meine Beziehung zu Gott angeht als auch unsere Beziehung als Paar oder die Beziehungen in einer Pilgergruppe. Auch berufliche Themen und Probleme im Team, die mich bewegen, nehme ich mit in diese Auszeiten. Sie helfen mir, neue Perspektiven und Ideen zu finden.
Ich oder wir gemeinsam waren schon an vielen Orten, nicht nur im Erzbistum Köln. Ich mag besonders das Benediktinische Leben und die Abtei St. Hildegard in Eibingen bei Rüdesheim, wo man im Weinberg mitarbeiten und an den Gebetszeiten der Schwestern teilnehmen kann. Oft waren meine Frau und ich auch in der Jugendbildungsstätte Haus St. Altenberg, da haben wir uns kennengelernt.
Ralf Ossowski, 58, Königswinter
Beichte: Seelenhygiene und Selbstfürsorge

Die Menschen kommen mit ganz unterschiedlichen Anliegen zu uns.
Wir bieten in der Dominikanerkirche St. Andreas in Köln jede Woche vier Beichtslots an und natürlich kann man auch außerhalb der offiziellen Zeiten um einen Termin für ein Beichtgespräch oder eine geistliche Begleitung bitten.
Für viele Menschen, die regelmäßig zur Beichte kommen, ist das auch ein Stück Seelenhygiene und Selbstfürsorge. Wir urteilen nicht darüber, warum jemand kommt oder was jemand beichtet - ob es nun eine Bagatelle ist oder etwas Schwerwiegenderes, eine Sünde. Es ist etwas, das die Person in dem Moment belastet, und das nehmen wir ernst.
Wegen des Beichtgeheimnisses kann ich natürlich nicht über konkrete Gespräche reden. Aber manches bleibt einem als Beichthörendem schon im Gedächtnis, etwa wenn Menschen von Ereignissen oder Entscheidungen aus ihrer Vergangenheit berichten, die sie über viele Jahre hinweg belastet haben, oder wenn jemand eine Lebensbeichte ablegt. Einige Ältere kommen auch, weil es sie bedrückt, dass ihre Kinder oder Enkel keinen Bezug mehr zum Glauben oder zur Kirche haben, und weil sie fürchten, etwas falsch gemacht zu haben.
Es gibt auch Menschen, die erst einmal sagen: "Ich habe eigentlich nichts zu beichten."
Ich lade in solchen Situationen dazu ein, auf das Kreuz zu schauen, das auch bei uns im Beichtzimmer hängt: "In der Beichte schaue ich auf die vertikale Achse, auf mein Verhältnis zu Gott, und auf die horizontale Achse, auf mein Verhältnis zu den Mitmenschen. Und ich schaue auch auf den Schnittpunkt, auf mich selbst."
Die Beichte ist eine Chance auf einen Neuanfang. Ich ermutige immer dazu, sich nicht zu viel vorzunehmen, um das Leben danach zu verändern oder sein Verhältnis zu Gott neu zu ordnen. Sondern in kleinen Schritten weiterzugehen, sich vielleicht morgens Zeit zu nehmen für Gott oder abends in einer Rückschau auf den Tag.
Pater Daniel Stadtherr OP, 48, Dominikaner an St. Andreas, Köln
Wenn der Glaube vom Kopf ins Herz rutscht

Ich bin evangelisch getauft, aber bin ganz unreligiös aufgewachsen und habe damit auch zufrieden gelebt. Als Jugendliche habe ich gesagt, dass ich mich nicht nur für die Geschenke konfirmieren lasse, und bin nicht mitgegangen.
Mit knapp 30 habe ich mein erstes Kind, meine Tochter, bekommen und habe dabei gedacht: "Das ist so ein Wunder! Es muss doch einen Gott geben."
Mein Mann und meine Kinder - wir haben drei - sind katholisch. Mein Mann ist kein großer Kirchgänger, aber der Glaube und Spiritualität sind ihm wichtig. Unsere Kinder waren im katholischen Kindergarten und darüber fing ich an, in die Kirche zu gehen. Ich merkte, dass ich das ganz schön finde, aber zwischen allen Stühlen sitze.
Es dauerte dann noch etwas, aber Anfang des Jahres sprach ich Pastor Süß an und dann ging alles ganz schnell. Drei Tage später fing ein Alpha-Kurs an und wir wussten dann auch sehr schnell, dass ich in der Osternacht die Erstkommunion und die Firmung empfangen werde. Der Alpha-Kurs war von Anfang an ganz fantastisch, die Video-Impulse und die anderen Menschen.
Dann kam der Heilig-Geist-Tag, an dem wir Zeugnisse von Menschen anschauten, die über ihre Geist-Erfahrung erzählten und dabei oft ganz emotional wurden. Da dachte ich noch: "Das kann mir nicht passieren."
Abends konnten wir dann im Gottesdienst von Zweierteams für uns beten lassen. Ich wurde gefragt, für was sie beten sollten, und ich sagte: "Dafür, dass ich nicht so zweifeln muss." Und als sie für mich beteten, schossen die Gefühle plötzlich aus mir heraus und ich verfloss in Tränen. Da ist der Glaube vom Kopf ins Herz gerutscht.
Saskia Semrau, 47, Neuss