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Reparatur, die etwas bewegt:Soziale Radwerkstatt in Köln: Reparatur mit Mehrwert

Foto Hinterrad, Radstation
Datum:
3. Sept. 2026
Von:
Diana Haß, Fotos: Diana Haß
Zur Schule oder zur Arbeit radeln, spart Zeit und hält fit. Wenn das Fahrrad kaputt ist, sind die sozialen Radwerkstätten im Erzbistum eine gute Adresse. Dafür gibt’s mehrere Gründe.

Realitätscheck: Wunsch und Wirklichkeit

Foto: Frank Schnurbuschlacht, Radstation

Mit einer Zahnbürste bearbeitet Elias akribisch die Speichenenden eines Hinterrads. Ein kritischer Blick.  Dann greift der 18-Jährige zum Poliertuch und wienert über das Schutzblech. Die Fahrräder, die die Radwerkstatt Bahnhof Süd des katholischen Sozialverbands "IN VIA Köln" an der Luxemburger Straße in Köln verlassen, sind nicht nur technisch einwandfrei. Sie sind auch blitzblank.

Dafür steht Werkstattleiter Frank Schnurbusch mit seiner langjährigen Erfahrung als Zweiradmechatroniker. Jahrzehntelang hat er ein großes eigenes Geschäft geführt. Seit Jahresbeginn leitet er die Radwerkstatt – und damit ein etwas anderes Unternehmen. Auch wenn man das nicht sieht. Wer den modernen Geschäftsraum und die anschließende Werkstatt betritt, stellt keinen Unterschied zu einem herkömmlichen Fahrradgeschäft fest.  

Lernen, etwas „auf die Kette zu kriegen“

Den Unterschied macht das Konzept der Radwerkstatt.
"Wir schaffen hier eine Möglichkeit, in die Arbeitswelt einzusteigen und qualifizieren für den ersten Arbeitsmarkt", erklärt Schnurbusch. Neben drei Fachkräften arbeiten vier Männer und eine Frau mit speziellen Bedürfnissen in der Radwerkstatt.

Sie lernen hier nicht nur Technisches, sondern auch das Arbeitsleben "auf die Kette zu kriegen".

Elias beispielsweise hat eine Lernbehinderung und wächst durch die tägliche Routine und die steigenden Anforderungen in das Arbeitsleben hinein. "Das gefällt mir sehr gut hier", sagt der junge Mann und fügt selbstbewusst hinzu: "Demnächst fange ich mit einer Ausbildung zum Fahrzeugpfleger an."

Foto: Shervan, Radstation

Seine Kollegen Shervan und Joseph bestätigen, dass die Arbeit in der Radwerkstatt für sie wichtig und sinnstiftend ist.

"In Syrien habe ich als Baggerfahrer gearbeitet. Es ist sehr schön, wieder etwas zu tun", sagt Shervan, ein dreifacher Familienvater.

Foto Joseph, Radstation

Joseph, der aus Ghana stammt, ist seit vier Jahren in einer Fördermaßnahme zur Teilhabe am Arbeitsmarkt in der Radwerkstatt.

"Ich liebe es, zu schrauben", sagt der 60-Jährige, während er eine Inspektion bei einem Rad durchführt.  

Angebot seit rund 20 Jahren

Foto Aufträge, Radstation

Seit über 20 Jahren – begonnen hat alles mit der Radstation Köln am Hauptbahnhof - bietet "IN VIA Köln" Service rund ums Rad als soziale Initiative an.

Das bedeutet, dass die beiden Kölner Meisterwerkstätten nicht als gewinnorientiertes Unternehmen arbeiten, sondern mit großen Teilen des Erlöses Ausbildungsplätze oder Umschulungen finanzieren. Sie bieten inklusive und integrative Beschäftigung und begleiten Menschen auf dem Weg zurück ins Arbeitsleben. Wiedereingliederung in einem Berufsfeld, das Zukunft hat.

Wer hierhin kommt, kann nicht nur auf einen Top-Service zählen, sondern tut auch etwas Gutes. "Wir reparieren vor allem schnell und trotzdem preiswert", sagt Schnurbusch und verspricht: "Spätestens innerhalb von fünf Tagen ist eine Reparatur über die Bühne."

Schnelle Reparatur und gebrauchte Schnäppchen

RadstationVerkaufsräder

Wer also vor dem Schulstart noch mit Schrecken feststellt, dass ein Kinderfahrrad nicht in Ordnung ist, hat bei der Radwerkstatt Bahnhof Süd oder der Radstation am Kölner Hauptbahnhof gute Chancen auf schnellen Service. Frank Schnurbusch und sein Team jedenfalls sind darauf vorbereitet. "Vor dem Schulstart kommt manchmal eine Welle", weiß der Fachmann aus Erfahrung.

Neben Ersatzteilen und Reparatur bietet die Radwerkstatt auch generalüberholte Räder an. "Zum Teil werden uns diese Räder gespendet", erklärt Schnurbusch. Gerade wartet ein besonders schickes 24-Zoll-Mountainbike im Geschäftsraum auf einen neuen Besitzer. "Mountainbikes sind immer noch der Renner bei den Kids", sagt Schnurbusch, "Das hier ist top. Es hat unter anderem eine 14-Gang-Kettenschaltung."
Kostenpunkt: 199 Euro. 

Service rund ums Rad

Im Erzbistum Köln gibt es eine Vielzahl von Radwerkstätten und Radstationen. Bei den Radstationen, die meist in Bahnhofsnähe sind, können auch Fahrräder ausgeliehen werden.

Lastenräder, die besonders bei Familien mit Kleinkindern beliebt sind, gibt es in Köln-Mülheim bei der ccb colognecargo.bike GmbH. Die angeschlossene Meistterwerkstatt repariert auch alle anderen Zweiräder gern.

Eine Übersicht über die Angebote in Ihrer Nähe finden Sie hier:  
https://caritas.erzbistum-koeln.de/radstationen 

Nachhaltigkeit als Prinzip

"Wenn wir etwas gespendet bekommen, das Substanz hat, freuen wir uns und setzen es wieder instand", erklärt der Zweiradmechatroniker. Auch bei den Reparaturen ist Nachhaltigkeit oberstes Prinzip. "Ich gucke immer als Erstes, ob das Material noch intakt ist", sagt Pascal.

Der Mechaniker repariert gerade ein Tretlager. Das hatte sich gelöst und rappelte beim Fahren. "Jetzt läuft es wieder rund", stellt er zufrieden fest.