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Was wir unter Krankenhausseelsorge verstehen

Zusammen mit der Medizin kümmert sich die Krankenhausseelsorge um das Heilwerden des Patienten.

„Seelsorge besteht im Dasein, im Mitgehen, im Begleiten, im Wahrnehmen und Annehmen.“
(Michael Klessmann)

„Für alle Quellen von Sinn offen sein“
(Erhard Weiher)

„Die Kommunikation des Evangeliums von der Liebe Gottes ist Ausgangs- und Zielpunkt jeder Seelsorge, auch der im Krankenhaus.“
(Michael Klessmann)

Was bieten wir an?

Krankenseelsorge

Kranke Menschen in ihrem Zimmer und an ihrem Bett zu besuchen und ihnen in der menschlichen Begegnung eine fachlich qualifizierte Seelsorge anzubieten ist das ABC der kirchlichen Sorge um den kranken Menschen. 

Wir gehen davon aus, dass Krankheit, Verletzlichkeit und Gebrechlichkeit zum Menschsein gehören und uns Menschen weder im Tiefsten die Würde nehmen können, noch uns von Gott, dem Geheimnis unserer Existenz, trennen. Dieses Vertrauen wollen wir gerade in den Momenten stellvertretend zur Verfügung stellen, wo es kranken Menschen und ihrer Umgebung bedingt durch Krankheit und Krise abhanden scheint. 

Wir "predigen" nicht am Krankenbett. Wir wollen niemandem etwas einreden. Wir orientieren uns an den kranken Menschen, die wir besuchen. Von Martin Buber stammt der Satz: "Alles wahre Leben ist Begegnung".  In der Begegnung, im Gespräch können wir wirklicher werden, einander helfen, uns und unsere Mit-Welt besser zu verstehen. Möglicherweise eingefrorene Gedanken und Bilder können "auftauen" und werden beweglich, hin zu einem immer neuen, reiferen Verständnis von uns selbst, von unserer Mit-Welt, auch von Gott als dem tiefsten Geheimnis unseres Daseins. Dafür will Seelsorge Raum und Gelegenheit bieten.    

Sakramente sind in der Kirche bewährte, sichtbare, tastbare und auch schmeckbare Zeichen der Nähe Gottes. So wie wir glauben, dass Jesus Christus mit seinem Leben und Sterben als Ganzes zu einer liebevollen Gabe an die Welt "von Gott her" angenommen werden darf, so zeigt sich in den Sakramenten seine liebevolle Zuwendung an uns, die an IHN glauben.

In der Krankenkommunion

„Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ So lädt Jesus angesichts seines letzten Abendmahles seine Freunde ein, mit ihm verbunden zu bleiben.

„Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ heißt, dass wir auch heute noch beim Empfang der Kommunion untereinander und ganz besonders mit Jesus selbst verbunden bleiben können.

Diese Verbindung kann Leben stärken. Oft feiern wir diese enge Beziehung mit Jesus und untereinander in den frohen Stunden unseres Lebens, an Fest – und Sonntagen. Diese Stärkung zeigt ihre spürbare Wirkung aber auch in den Grenzsituationen des Lebens : in den Momenten, wo das Leben sich schmerzhaft und leidvoll zeigt, auch in der Erfahrung von Tod und Sterben. In der besonderen Feier der Krankenkommunion erleben wir, dass wir füreinander so nahrhaft wie Brot und Wein sind und wir erleben, dass Jesus Christus uns auch in den schweren Momenten des Lebens seine heilsame Nähe und Begleitung schenken will.

In der Krankensalbung

Tiefer und weiter als Worte reichen in manchen Lebenssituationen Symbole und Zeichenhandlungen. Ernsthaft Erkrankten spendet deshalb die katholische Kirche das Sakrament der Krankensalbung. Durch dieses heilige Zeichen erfährt die erkrankte Person: Ich bin in meiner Not nicht alleingelassen. Jesus Christus, der unter Schmerzen sein Kreuz getragen hat, ist mir im Sakrament nahe und ich ihm. Er gibt mir Kraft auf meinem Weg, auch und gerade dann, wenn dieser Weg mein letzter sein sollte.

... wenn Sie vor einer Operation stehen oder vom Arzt erfahren oder selber spüren: Ich bin ernster krank, als ich dachte, kann sie die Krankensalbung stärken.

... wenn Sie merken, dass die Krankheit und ihre Begleitumstände an Ihren körperlichen und seelischen Kräften zehren, kann sie die Krankensalbung stärken.

Wenn Sie für sich oder einen Angehörigen die Krankensalbung oder ein Gespräch darüber wünschen, wenden Sie sich gerne an das Pflegepersonal,  den Besuchsdienst oder direkt an die Krankenhausseelsorge.

Unter dem Begriff "Sterbegegleitung" werden viele verschiedene Tätigkeiten zusammengefasst. Sie alle können dazu beitragen, das Leid zu lindern. Sie können dabei helfen, beim Tragen der existenziellen Situation des absehbar zu Ende gehenden Lebens zu unterstützen.

Somit umfasst "Sterbebegleitung" sowohl die körperliche, als auch die mentale, die soziale und die spirituelle Dimension, in der wir Menschen diesen Weg des Sterbens durchleben.

In der Sterbebegleitung wirken im besten Fall viele Menschen unterschiedlicher beruflicher Ausrichtung, sowie ehrenamtlich Tätige, der Freundeskreis und Familienangehörige zum Wohl des sterbenden Menschen zusammen und bringen sich mit ihren Fähigkeiten in die Begleitung und in die Begegnung mit der sterbenden Person ein. 

Seelsorge kann und will insbesondere dazu beitragen, dass Sterbende Zugang zu ihren geistlichen Kraftquellen finden, aus denen sie Halt, Trost oder auch Ermutigung schöpfen können.  

Spiritual Care ist im angelsächsischen Sprachraum der üblicherweise verwendete Begriff für Seelsorge. Die Verwendung des Begriffs ermöglicht den Fokus auf die spirituelle Dimension von Seelsorge, unabhängig von der Nähe zur Kirchlichkeit und einer konfessionellen Zugehörigkeit. Vielmehr geht es hier um eine sorgende Haltung, die jeder Mensch zu Gunsten eines anderen einnehmen kann. Dies kann deutlich machen, dass Seelsorge eine gemeinschaftlich getragene Aufgabe - mit durchaus unterschiedlichen Rollen - ist.

So steht Spiritual Care im Gesundheitswesen für das Konzept, dass alle an der Sorge für kranke Menschen Beteiligten auch die existenzielle und geistliche Dimension des Erlebens von Krankheit im Blick haben sollten und eine gemeinsame Verantwortung dafür tragen, dass Patientinnen und Patienten und ihr Umfeld darin unterstützt werden, mit ihren geistlichen Kraftquellen in Berührung zu kommen und aus ihnen Kraft, Halt, Vertrauen oder auch Trost zu schöpfen.

Die berufliche Krankenhausseelsorge in ihrer ausgebildeten Fachlichkeit kann ihr Wissen und ihre Erfahrung der mitsorgenden Gemeinschaft zur Verfügung stellen, um die Kompetenzen für Spiritual Care als eine gemeinsam getragene Aufgabe voran zu bringen und weiter zu entwickeln. So kommen spezifische Rollen und ergänzende Perspektiven zum Wohl des Patienten zusammen. Kirchlich beauftragte Seelsorge erfährt hier eine Erweiterung und Vertiefung zum Wohl des je einzelnen Menschen, dem wir im Gesundheitswesen und darüber hinaus begegnen.

Krankenhausseelsorge

Wer im Gesundheitswesen arbeitet, und steht jeden Tag in einer spannungsvollen Wirklichkeit. Wie kann es gelingen, den Menschen und seine Würde in den Mittelpunkt zu stellen? Oft genug gibt es darauf keine einfachen und eindeutigen Antworten.

Als Krankenhausseelsorgerinnen und Krankenhausseelsorger teilen wir diese Erfahrungen und bieten uns als Gesprächspartner für die gemeinsame Suche in diesen Fragestellungen an, das eine Mal in Form eines sich spontan ergebenden persönlichen Gesprächs, das andere Mal in der gelegentlichen oder auch ständigen Mitarbeit in Gremien der Ethikberatung in Ihrem Haus (z.B. Ethikkomitee oder ethische Fallbesprechung).

Unser Fachbereich bietet Qualifikation zu ethischen Themen an, auch in Kooperation mit der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM).

In manchen Pflegeakademien und Ausbildungsstätten sind auch Krankenhausseelsorgende im Unterricht und in der seelsorglichen Begleitung von Kollegium und Auszubildenden tätig.

Die Klinikseelsorgerin begrüßt das Pflegeteam am Stützpunkt und frägt nach, ob es Patienten gibt, denen sie dringend einen Besuch an bieten sollte. Fast unisono kommt die Antwort: "Hier bei uns - wir könnten gerade auch Seelsorge brauchen." - Eine spontane Einladung, erst einmal hier zu bleiben, zuzuhören und nachzufragen, wie die Seelsorgerin das Pflegeteam unterstützen oder entlasten kann.

Das ist nur ein Beispiel von vielen verschiedenen Situationen aus dem Alltag eines Krankenhauses. Sie machen anschaulich, dass der Fokus auf die Dimension des Existenziellen, des Geistlichen nicht auf die Patienten begrenzt bleiben kann: Auch alle, die hier arbeiten, sind Menschen, die Freude erleben, Tragik kennen,  traurig oder verletzt, wütend oder ängstlich sein können, Menschen, die glauben, hoffen und lieben. Sie wollen nicht nur "funktionieren". Sie erwarten an diesem Arbeitsplatz - zu Recht - auch die Erfahrung von Sinn, von Solidarität und von Würde. Damit ist das "Betriebssystem" Krankenhaus selbst ein Ort der Seelsorge. Krankenhausseelsorge kann und will Kulturen des Zusammen-Arbeitens mitgestalten.

Kultursensible Kommunikation, Unterstützung von Patienten und Angehörigen beim Umgang mit belastenden Diagnosen, Abschieds- und Trauerrituale, Reden über Sterbewünsche, gewaltfreie Kommunikation im Team, die Moderation ethischer Fallgespräche,

oder auch Fragen wie:

  • Wo und wie finde ich halt als helfende Person?
  • Woraus schöpfe ich Kraft?
  • Welche Rolle spielt mein Glaube im Umgang mit herausfordernden Lebensthemen?

... und noch viele weitere Themen gehören zum Spektrum der Fort- und Weiterbildung bei Krankenhäusern und Trägern der Alten- und Eingliederungshilfe.

Möglicherweise finden Sie dazu etwas in unserem Veranstaltungsprogramm.

Sie wollen dazu eine interne Veranstaltung planen? Die Krankenhausseelsorge kann sie in der Planung und Gestaltung dieser Veranstaltung, sowie in der Suche nach geeigneten Referentinnen und Referenten unterstützen.

Petra Beckers

Sachbearbeiterin

Petra Beckers

Sekretariat

Kardinal-Frings-Str. 1-3
50668 Köln