Kommunionkatechese mit und für Jungen

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Für eine gelingende Katechese mit und für Jungen sind ein paar Aspekte zu beachten. Jungen bringen nämlich spezifische Besonderheiten mit, die sich jedoch in der katechetischen Arbeit gut aufgreifen lassen.

22. März 2018

In der Kommunionvorbereitung mit Jungen zusammen zu sein (zu arbeiten), macht große Freude und stiftet Freundschaften zwischen den Jungen, zu den Erwachsenen (Katecheten), zur Gemeinde, zu Jesus. Damit das möglicher wird, ist ein Blick in die ‚Seele‘ der Jungen hilfreich.

Unterschiede

Bedingt durch gesellschaftliche und familiäre Gegebenheiten verhalten sich Jungen anders als Mädchen. Für Jungen und Mädchen im Kommunionalter kann man in der Regel (nicht für jeden einzelnen Jungen geltend!) sagen:

  • Die Jungen äußern ihre Empfindungen weniger als die Mädchen. Auch deshalb, weil sie im Gesamt weniger reden als Mädchen.
  • Sie zeigen etwas weniger Einfühlung in den Gemütszustand anderer (genannt: Empathie) als gleichaltrige Mädchen.
  • Hingegen agieren die Jungen mehr körperlich als die Mädchen (in der Regel und nicht für jedes einzelne Mädchen geltend).
  • Auch haben sie mehr Risikobereitschaft und zeigen weniger Furcht.

Diese geschlechtstypischen Unterschiede sind gering, jedoch in einer Gruppenstunde oder in anderen Formen des Zusammenseins während der Kommunionvorbereitung sehr wohl bemerkbar.

Miteinander

In einer Gruppe – ob geschlechtlich gemischt oder geschlechtshomogen – kämpfen Jungen immer wieder ihre Rangfolge aus: Wer ist der Beste, wer der Stärkste? Das läuft bei ihnen auch verbal, jedoch mehr körperlich ab. Die Mädchen haben eher umgekehrte Vorgehensweisen.

Für alle Jungen ist die Beziehung zur Gruppenleitung, also dem Katecheten oder der Katechetin wichtig. Das kann heißen, dass manche Jungen die Erwachsenen provozieren, sich auffällig benehmen, Regeln überschreiten, Mittun verweigern… So testen sie aus: „Steht der Erwachsene wirklich zu mir als Mitglied der Gruppe?“

 

Der Leitsatz „Wir sind ein Team“ hilft insbesondere Jungen, für ein Miteinander bereit zu sein und sich gegenüber den anderen im ‚Team‘ rücksichtsvoll, hilfsbereit bis fürsorglich zu verhalten.

 

Es kann für das Zusammensein in den Katechese-Gruppenstunden förderlich sein, sich auf ein paar Regeln des Miteinanders zu verständigen. Die für die Jungen bzw. für die Kinder (und nicht für die Erwachsenen!) hilfreichen Regeln sollten gemeinsam verschriftlicht werden. Aus Sicht der Kinder sind dann die Katechet(inn)en eher Moderator(inn)en als Aufpasser(innen), wenn sie an die gemeinsamen Regeln erinnern.

Vorüberlegungen

Oft werden Mädchen und Jungen in einer Katechese-Gruppe zusammengebracht. Dabei wäre Folgendes bedenkenswert:

  • Haben die Katechet(inn)en überhaupt Freude an einer Zusammenarbeit mit Jungen oder sehen sie schon vorab in den Jungen ‚Gruppenstörer‘ und ‚Problemfälle‘? Letzteres erschwert den Erwachsenen, eine wohlwollende Verbindung zu den Jungen zu finden.
  • Trauen sich die Katechet(inn)en zu, in einer gemischten Gruppe die Mädchen- und die Jungen-Ansprüche gleichermaßen zu berücksichtigen und dafür eigens Materialien zusammenzustellen? Bisherige Vorbereitungsmaterialien sind eher Mädchen orientiert, was Konflikte mit den Jungen unvermeidlich macht.
  • Ist eine Kommunionvorbereitung in Geschlechter getrennten Gruppen für die Entwicklung der Jungen und Mädchen nicht dienlicher, weil Katechet(inn)en je spezifischer auf die Kinder und ihre geschlechtstypischen Neigungen eingehen können? Zudem: In Geschlechter homogenen Gruppen können Geschlechterklischees leichter gelockert werden.
  • In einer reinen Jungengruppe machen Jungen mehr mit, und sie sind viel bereiter, auch angeblich Mädchen affinere Aufgaben zu auszuführen (Malen, Backen). Denn sie können sich vor Mädchen nicht blamieren, und sie haben es nicht nötig, zu behaupten „Die Aufgabe ist Mädchenkram“.
  • Wenn die Gruppenstunden der Kommunionvorbereitung in Jungen- und in Mädchengruppen (also: Geschlechter homogenene Gruppen) stattfindet, finden sich darüber hinaus viele Gelegenheiten, in denen alle Kommunionkinder – Mädchen wie Jungen – zusammen sind.

Mir erscheint es als sinnvoll, Gruppenkonstellationen zu ermöglichen, aufgrund derer die Katechet(inn)en das Gefühl haben, allen Gruppenmitgliedern und ihren Bedürfnissen annähernd gerecht werden zu können.

Didaktische Anregungen

Wenn Menschen zu einer Gruppe zusammenkommen, durchläuft ihre Gruppe eine Ankomm-, Orientierungs-, Arbeits- und Abschiedsphase. Darum müssen Jungen (wie Mädchen) sich bei jedem Treffen wieder zu ihrer Gruppe formieren. Insbesondere die Jungen benötigen viel Zeit für ihr Ranking (Ankommen und Orientieren). Darum bieten anderthalbstündige Gruppenstunden letztlich wenig Zeit für die Arbeitsphase. Halbe oder ganze Tage sind gemeinschaftsförderlicher und arbeitsintensiver.

 

Jungen sollten viele Pausenzeiten haben, und sie mögen Pausen mit Bewegung (Rennen, Fußballspielen, Skaten, anregende Spiele wie HalliGalli, Tischkickern mit Tischtennisball, Wattepusten). Je Katechet(inn)en bezogener die Arbeit ist, umso länger sollten die Pausen sein. (Letzteres gilt auch für Mädchen.)

 

Arbeitsaufgaben, die wie ein Wettbewerb untereinander ausgeführt werden, spornt Jungen an.

Jungen erleichtert oder ermöglicht man ihr Mittun, wenn:

  • eine Aufgabe, die die Jungen als Mädchen typische Aufgabe wahrnehmen könnten, verkoppelt wird mit einer den Jungen (in der Regel) naheliegenden Aufgabenstellung, so beispielsweise Lesen und Sich-Bewegen.
  • erst mehrere Arbeitsaufträge erteilt werden, die ganz nach dem Geschmack der Jungen sind, und dann eine Aufgabe gestellt wird, die die Jungen (zumeist) weniger mögen, so beispielsweise Aufgaben mit körperlicher Aktivität und dann Texte schreiben.
  • die Lebensbedingungen und Lebenswelt der Jungen sich in dem Zusammensein wiederfinden – vielleicht durch Materialien aus Lego, durch Beispiele oder Vergleiche aus dem Sport, durch Technik unterstützte Aufgaben.

Zum Autor

Dr. Burkhard R. Knipping, ehrenamtlich in der Kommunionvorbereitung aktiv, arbeitet seit mehreren Jahren zum Thema Jungen-Katechese, Referent im Generalvikariat des Erzbistums Köln (Beziehungs- und Ehepastoral, Männerpastoral),

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