„Have you ever fallen in love with a clock?“ – Über Norm und Abweichung:Kolumba eröffnet Jahresausstellung 2026/2027
Hinter der nun eröffneten Jahresausstellung im Kunstmuseum Kolumba stand zunächst die Frage: „Was ist normal?“ Und von der „Norm“ wanderte der Fokus alsbald in Richtung „Abweichung“, denn oft genug werden Normen und das, was als normal gilt, erst deutlich, wenn nicht mehr eingehalten werden kann / wird, auf was sich kollektiv geeinigt wurde.
Normen können sowohl Halt oder Orientierung bieten, kategorisieren, aber auch einteilen in jung und alt oder Mann und Frau, sowie wertend sein, wie passend oder nicht, gesund oder krank.
Zeit als Norm
Auftakt zur Ausstellung und auch titelgebend ist die Zeit als Norm, mit der sich Kunstschaffende auseinandergesetzt haben. Aber auch Körperlichkeit bzw. die Betrachtung des Körpers zieht sich durch die Räume: Das Ideal wird etwa einer Verzerrung im Spiegel gegenübergestellt.
Teil der Ausstellung sind ebenfalls eine Sammlung des Künstlers Felix Droese, der sich als Student Anfang der 70er Jahre partizipativ mit Psychiatriepatienten auseinandersetzte, oder die in einem weiteren Raum gezeigten Werke von Bärbel Lange, die die eigene Geschichte mit einem zeitweisen Leben auf der Straße in ihrer Kreativität zum Ausdruck bringt. Beide lenken den Blick auf Bereiche, die jenseits dessen liegen, was oft als Norm betrachtet wird.
Künstler stellen in Werken Normen auf den Prüfstand
Für Dr. Marc Steinmann, der im Januar 2026 die Leitung des Kunstmuseums in Nachfolge von Dr. Stefan Kraus übernommen hat, ist es tatsächlich bereits die 20. Ausstellung, die er hier gestaltet hat – im Team, wie ihm wichtig ist, zu betonen. Der Perspektivwechsel im Austausch ist essentiell, oder auch „das gemeinsame Ringen“, wie er es nennt. Der Aufbau und die Anordnung der einzelnen Objekte sind sorgfältig abgestimmt. Die Künstler*innen, deren Werke in dieser Ausstellung zu sehen sind, erforschen zum einen, wie Normen entstehen und funktionieren. Sie stellen sie aber auch auf den Prüfstand, eröffnen Fragen.
„Fragen stellen macht den Menschen aus“, sagt Marc Steinmann. Dass Menschen aus dem Museum rausgehen und ein bisschen bewusster hingucken, damit sei schon auch ein Ziel erreicht.
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