Erzbistum Köln - Schule/Hochschule - Fortbildung für Lehrkräfte:Pädagogische Woche fragt nach Identität im Heute
Köln. Wie verstehen sich Glaube und Religion in säkularer Gesellschaft – oder näher: wie verstehen sich Glaubende angesichts säkularer Gegenwart und zugleich vieler Fragen und Anfragen an die Religion? Diese Frage nach der Identität stellt in diesem Jahr die Pädagogische Woche des Erzbistums Köln, bei der zum 34. Mal Religionslehrerinnen und Religionslehrer aller Schulformen eingeladen sind.
Nach dem eröffnenden Gottesdienst mit Generalvikar Dominik Meiering am Montagnachmittag
begrüßte Bernadette Schwarz-Boenneke, Leiterin der Hauptabteilung Schule/Hochschule, die
Teilnehmenden im Maternushaus: „Schon seit langem erleben wir einen Wandel in der Bindekraft
der Religionen. Die Lebenswirklichkeit vieler Menschen begegnet dem (kirchlichen) Glauben zunehmend
skeptischer und indifferenter.“ Namentlich die Aufnahme von Migranten und Flüchtlingen führe
auch in Schulen zum Erleben kultureller, sozialer und religiöser Differenzen und damit verbunden
zum „Pluralismus von Lebensformen und Lebenskonzepten“. Schule konfrontiere „mit
Andersheit und Differenz“, was aber nicht bloß als Zumutung oder gar Bedrohung wahrgenommen
werden dürfe, sondern „Spielräume der Freiheit und Begegnung“ eröffne. Der
nachhaltigste Ort, die dafür erforderliche Urteilskompetenz und Sprachfähigkeit von jungen Menschen
gerade auch im Blick auf eigene religiöse Überzeugungen zu fördern, ist der bekenntnisgebundene
Religionsunterricht mit dem Ziel, „eine konkrete religiöse Identität von Glaubenden“
herauszubilden.
Identität durch Diversität – auf diesen Kern pointierte Festredner Daniel Deckers,
Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, das Thema in seinem Vortrag. Katholische Schulen
sollten sich wie etwa auch kirchliche Kindertagesstätten oder konfessionell geführte Krankenhäuser
und Sozialeinrichtungen offensiv als „Kirchorte“ begreifen, wobei deren Kirchlichkeit
nicht zuerst an der Konfessionszugehörigkeit der Mitarbeitenden, sondern am konkret gelebten Geist
festzumachen sei: Wie ist in diesen Institutionen der Umgang mit den anvertrauten Menschen, mit den
eigenen Mitarbeitenden? Welchen Stellenwert haben insbesondere jene, die aus dem üblichen Schema
fallen – die Leistungsschwachen, Chancenarmen, Nachzügler oder aus vielerlei Gründen
Lerngehemmten? Die Chance der Kirche bestehe gerade darin, dass sich in ihr – selbst
gegenwärtig noch – wie in keiner zweiten gesellschaftlichen Sozialform so viele so
unterschiedliche Menschen zusammenfinden. Identität könne auf diese Weise gerade durch
Wertschätzung der Diversität entstehen – und zugleich als Ausweis des Katholischen, also
Umfassenden im Wortsinn. Voraussetzung dafür sei allerdings, eine innere und nicht bloß
zahlenmäßige (wie verbreitet in vielen Gottesdiensten sichtbare) Leere zu füllen, die auch unter
Christen um sich greife und auf deren Bedrohung schon Papst Benedikt aufmerksam gemacht habe. Ins
Zentrum entsprechender identitätsstiftender Bemühungen gehöre für ihn, so Deckers, das in diesem
Jahr besonders beachtete Wort „Barmherzigkeit“. Dessen konkrete Über- und Umsetzung
realisiere sich im Schulalltag in ganz einfachen Sätzen und deren handelndem Einüben: Ich höre dir
zu; ich begleite dich; ich rede gut über dich; ich teile mit dir; ich bete für dich; du gehörst
dazu.
Zur größten Fortbildungsveranstaltung für Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen waren
über 200 Lehrkräfte zur Begrüßung ins Maternushaus gekommen. In dieser Woche erwarten die
Lehrkräfte Arbeitskreise und Austausch zu Religionsunterricht und Schulpastoral. Im Lauf der Tage
werden insgesamt 1.000 Lehrkräfte im Maternushaus erwartet. Die Fortbildungsreihe wird jährlich vom
Erzbistum Köln veranstaltet.
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