Erzbistum Köln – Erinnerung an den Bischof, Wissenschaftler und Politikberater

13. Februar 2019 Newsdesk/mth

Köln. Über zehntausend Gläubige im Kölner Dom wurden vor 50 Jahren am 2. März 1969 Zeugen, wie Kardinal Josef Frings dem neuen Kölner Erzbischof Joseph Höffner seinen Bischofsstab und damit symbolisch sein Amt weiterreichte.

Hinter den Menschen im Erzbistum Köln lagen bewegende Tage. Am 23. Februar wurde der damals greise und fast blinde Kardinal Frings in einer Messe als Erzbischof entpflichtet. Am 24. Februar wurde Joseph Höffner zum neuen Erzbischof von Köln ernannt. Die liturgische Amtseinführung im Kölner Dom folgte dann am 2. März unter anderem im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke.

Joseph Höffner als anerkannter Wissenschaftler und Politikberater

Bevor Joseph Höffner zum Kölner Erzbischof ernannt wurde, hatte er sich bereits einen Namen als Wissenschaftler gemacht. Der 1906 in Horhausen im Westerwald geborene Höffner studierte in Trier, Rom und Freiburg Theologie, Philosophie, Soziologie und Volkswirtschaft und beendete sein Studium mit einem vierfachen Doktor. In den fünfziger Jahren gründete und leitete er das Institut für christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster. Joseph Höffner war außerdem als Politikberater tätig und gilt als geistiger Vater einer Rentenreform, die 1957 während der Kanzlerschaft von Konrad Adenauer verabschiedet wurde.

(Erz-)Bischof von Münster und Köln

1962 wurde Joseph Höffner zum Bischof von Münster geweiht, der er bis 1969 blieb. Während seiner Zeit als Erzbischof von Köln (1969 bis 1987) bekleidete Kardinal Höffner von 1976 bis 1987 das Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. In die Zeit als Erzbischof fielen außerdem die Entführung des Arbeitgebervertreters Hanns Martin Schleyer. Als einer der wichtigsten Repräsentanten der Gesellschaft stand im Herbst 1977 auch Kardinal Höffner unter schärfsten Polizeischutz.

Das Steckenpferd des Bischofs war Zeit seines Lebens die christliche Soziallehre. Sein 1962 erschienenes Werk „Christliche Gesellschaftslehre“ fand weltweit Beachtung und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Im Jahr 2007 kam eine Auflage von 2.000 Stück in China auf den Markt. 

Hilfe für verfolgte Juden

Erst spät wurde bekannt, dass Joseph Höffner seit März 1943 ein jüdisches Mädchen versteckt hielt und sie damit vor der Verfolgung der Nationalsozialisten rettete. Die siebenjährige Alice Ester Meyerowitz kam mit der Kinderlandverschickung von Berlin nach Kail in Rheinland-Pfalz, wo sie zunächst bei Joseph Höffner und später, als dieser zum Pfarrer in Trier ernannt wurde, bei der Familie des Landwirts Wilhelm Heucher untergebracht war. Nach dem Krieg konnte das Mädchen mit ihren Eltern wiedervereint werden, die in Berlin in einem Versteck überlebt hatten.
> mehr

Norbert Feldhoff über Kardinal Höffner

Erzbistum Köln – langjähriger Geheimsekretär und Generalvikar unter Kardinal Höffner

Wie kaum ein Zweiter kann Norbert Feldhoff Auskunft über Höffners Zeit in Köln geben. Von 1969 bis 1975 war er Höffners Geheimsekretär. Danach diente er ihm bis zum Tod des Erzbischofs im Oktober 1987 als Generalvikar.

Feldhoff: Tief beeindruckt von 1. Begegnung mit Höffner

Norbert Feldhoff erzählt im Interview mit Robert Boecker (Kirchenzeitung vom 22. Februar 2019) von seiner ersten Begegnung mit Joseph Höffner:

Durch den damaligen Generalvikar habe er kurz nach Höffners Einführung erfahren, dass er Erzbischöflicher Geheimsekretär werden sollte. Doch von Höffner hörte Feldhoff nichts. Eine längere Zeit verging, ehe der junge Kaplan ins Erzbischöfliche Haus bestellt wurde. „Hm, Herr Kaplan, sie sollen also mein Sekretär werden?“, waren die ersten Worte Höffners zu Feldhoff.

„Sie werden den Kontakt zu Menschen in die Kirche und außerhalb der Kirche halten. Sie sind bereit, dies zu tun?“, habe der Erzbischof gesagt, um nach Feldhoffs Zustimmung in die Innentasche seines Jacketts zu greifen und die Ernennungsurkunde herauszuholen.

„Und dann erkundigte sich der Erzbischof über Seelsorgearbeit in Neuss. Es war für mich damals unglaublich: Der Erzbischof von Köln interessierte sich für die Meinung und Sichtweise eines jungen Kaplans. Das hat mich sehr beeindruckt“.

Höffner habe das Gespräch damit beendet, dass er mit den Worten aufgestanden sei „so, jetzt gehen wir Kaffee trinken und dann lernen sie auch meine Schwester kennen.“

 

Den ganzen Arikel mit Norbert Feldhoff und einen Bericht von Monsignore Professor Dr. Obiora Ike über Kardinal Höffner lesen Sie in der aktuellen Kirchenzeitung vom 22. Februar 2019.

Bildergalerie: Joseph Kardinal Höffner