Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln hat sich neu konstituiert

29. Juni 2022 pek220629
Zweite Amtszeit läuft bis April 2024
Symbolbild: Betroffenenbeirat und Beraterstab sollen auf dem Weg der Aufklärung und der Veränderung im Umgang mit sexualisierter Gewalt wie ein Kompass professionelle Wegbegleiter für das Erzbistum sein.

Köln. Am 28. Juni 2022 hat sich der Betroffenen­beirat des Erz­bistums Köln konstituiert und seine Arbeit aufge­nommen. Dem Gremium gehören jetzt sieben Mitglieder an.

In einem unabhängigen Verfahren wurden die Mitglieder des Betroffenen­beirats durch den Beraterstab benannt und vorgeschlagen. Der Berater­stab besteht aus externen Expertinnen und Experten und berät das Erz­bistum in Fragen des Umgangs mit sexuellem Missbrauch.

„Es gab zunächst einen Diskussionsprozess zu den Auswahl­kriterien“, so Peter Binot, der das Verfahren für den Berater­stab koordiniert hat. „Über die Auswahl­kriterien waren wir uns jedoch schnell einig. Weiter­führend kamen wir in eine grundsätzliche Diskussion, wie Betroffenen­beteili­gung weiter gestärkt werden kann. Hilfreich und unter­stützend war der fachliche Aus­ausch mit einer Mit­arbeiterin der UBSKM (Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindes­missbrauchs der Bundes­regierung).“

Binot betont weiter: „Es gibt so viele Betroffenen­perspek­tiven, wie es Betroffene gibt. Jede einzelne hat ihren Wert. Wichtig ist aber zunächst, dass die Mit­glieder des Betroffenen­beirats sich erst einmal kennen­lernen und ihre inhalt­lichen Schwer­punkte mitein­ander verein­baren. Hier steht ihnen alle notwendige Unter­stützung zur Verfügung.“

Kardinal Woelki ist dem Vorschlag des Berater­stabs gefolgt, er hat die Mitglieder ernannt und zur konstitu­ierenden Sitzung eingeladen. Aufgrund einer Erkrankung konnte Kardinal Woelki nicht persönlich an der Sitzung teil­nehmen. In einem Gruß­wort bedankte er sich bei den Mitgliedern für ihre Bereit­schaft, im Betroffenen­beirat mit­zu­arbei­ten. Er hob hervor, dass ihm die Ge­spräche mit den Betroffenen immer wieder deutlich machen, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Veränderungen durch Aufklärung und Aufarbeitung für Betroffene spürbar werden. Die Gespräche bestärken ihn, den angefangenen Weg konse­quent weiter zu gehen. „Ich wünsche mir durch das Mitwirken des Be­troffenen­beirats, dass in unserem Bistum die Betroffenen­perspek­tive weiter ge­stärkt und in unseren Struk­turen noch tiefer verankert wird. Sie ist handlungs­leitend“, so der Kardinal.

Die Einrichtung von Betroffenen­bei­räten ist auch Teil der Gemeinsamen Erklärung (PDF) der Deutschen Bischofs­konferenz und dem UBSKM. Ziel ist es, eine strukturelle Be­teili­gung von Be­troffenen in der Auf­arbeitung zu schaffen.

Betroffenenbeirat veröffentlicht Bericht über die Tätigkeiten der Amtszeit 2019 - 2022

Pressemitteilung des BB EBK zum Ende der Amtszeit am 31.03.2022

Viel geschafft – Viel zu tun

Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln zieht positive Bilanz

Einbindung in die Priesterausbildung, Mitarbeit am Gutachten, manipulationssichere Aktenführung – der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln blickt auf intensive drei Jahre Arbeit zurück, in denen sich die Mitglieder insgesamt 22 Mal zu Sitzungen getroffen haben. Nichtgerechnet die unzähligen Stunden persönlichen Einsatzes für die Belange der Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker des Erzbistums Köln.

Wir haben erreicht, dass die Aktenführung digitalisiert und sicher ist. Wir wurden gehört bei den unabhängigen Untersuchungen. Wir haben die Belange der Betroffenen vor den Priesteramtskandidaten geschildert. Wir haben viel bewegt.

Trotzdem sind weniger als die Hälfte der Forderungen des Betroffenenbeirats bereits umgesetzt.

Wir fordern vor allem, dass für die Betroffenen nach der Meldung der Tat bei der Intervention eine ständige Begleitung durch Fachleute gewährleistet ist. Hier braucht es die bestmögliche Unterstützung, damit die Betroffenen zu dem kommen, was ihnen zusteht.

Wir fordern, dass Betroffene nicht wieder und wieder ihre Geschichten vor Kommissionen schildern müssen, sondern dass uns geglaubt wird. Auch die Kontrolle strafrechtlich gewordener und beschuldigter Kleriker ist noch immer nicht durchgehend gewährleistet.

Besonders beklagt der Betroffenenbeirat, dass das Thema Missbrauch von verschiedenen Gruppierungen für eigene Interessen benutzt wurde. Für den Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln steht besonders der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt und Maßnahmen zur Verhinderung von Straftaten, damit sexualisierte Gewalt verhindert wird.

Die Amtszeit des BB EBK endet regulär am 31. März 2022.

Neubesetzung des Betroffenenbeirates für die zweite Amtsperiode von 2022 - 2024

Wie erfolgt das Auswahlverfahren?

Verantwortlich für das unabhängige Auswahlverfahren sind die Mitglieder des Beraterstabs. Der Beraterstab setzt sich zusammen aus Betroffenen sowie externen Experten, die aus verschiedenen Fachbereichen, wie z. B. der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Medizin und Recht kommen.

Durch den Arbeitsstab des "Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung" (UBSKM) wird der Beraterstab unterstützt. Frau Jana Charlet, beim UBSKM zuständige Referentin für den Bereich „Aufarbeitung in den Kirchen“, hat als sachverständiger und beratender Gast ihre Expertise für ein gelingendes Auswahlverfahren in den Beraterstab eingebracht. Entsprechende Auswahlkritierien sowie das Vorgehen der Auswahl wurden festgelegt und die eingegangenen Interessensbekundungen gesichtet. Der Beraterstab führt persönliche Gespräche mit den interessierten Betroffenen. In diesen Gesprächen gibt es natürlich auch Raum, offene Fragen und Anliegen vorab miteinander zu klären. Auf dieser Grundlage entscheiden die Mitglieder des Beraterstabs über die Neubesetzung des Betroffenenbeirats. 
Auf der Sondersitzung nach Ostern wird der Beraterstab die Entscheidung über die neuen Mitglieder für den Betroffenenbeirat bekannt gegeben.

Anschließend ernennt der Erzbischof die Mitglieder für die neue Amtsperiode.

Bei weiteren Fragen steht Ihnen das Team der Stabsstelle Intervention gerne unter der Telefonnummer 0221 1642 1821 zur Verfügung.

 

 

 

Aufgaben des Beirats

Aufgabe des Betroffenenbeirates ist es, zur Weiterentwicklung des Umgangs mit Fragen der sexualisierten Gewalt im Erzbistum Köln einen Beitrag zu leisten sowohl hinsichtlich der Maßnahmen der Prävention wie auch im Bereich der Intervention. Der Betroffenenbeirat als Expertengremium begleitet die Arbeit des Erzbistums Köln im Themenfeld der sexualisierten Gewalt aus Sicht des Betroffenen. Er ist Impulsgeber; erarbeitet Positionen und Vorschläge im Hinblick auf geplante neue Maßnahmen und setzt sich kritisch mit den bereits geltenden Regelungen zum Umgang mit Fragen der sexualisierten Gewalt auseinander.

Arbeitsweise des Betroffenenbeirates

  • Die Mitarbeit im Betroffenenbeirat ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. Die Mitglieder des Beirates erhalten für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung und eine Erstattung ihrer Fahrtkosten nach Maßgabe der Erstattung von Dienstreisekosten im Erzbistum Köln.
  • Die Themen, mit denen sich der Betroffenenbeirat beschäftigt, generieren sich sowohl aus den Anliegen der Betroffenen wie auch aus den Fragestellungen des Erzbistums.
  • Der Beirat tagt 4 Mal jährlich. Bei aktuellem Krisengeschehen kann der Beirat zur Abgabe einer Empfehlung auch über die regulären Sitzungen hinaus zur Beratung einberufen werden. Des Weiteren ist auch die Durchführung einer Klausurtagung (als Tagesveranstaltung) einmal im Jahr möglich.

Geschäftsordnung des Betroffenenbeirats

Die Geschäftsordnung ist mit ihrer Annahme durch den Betroffenenbeirat und mit der Zustimmung durch den Erzbischof zum 15. März 2021 in Kraft getreten. Sie wird nach zwei Jahren überprüft und ggf. angepasst.

Juni 2021 Amtsblattveröffentlichung Geschäftsordnung Betroffenenbeirat (PDF)

 

 

Pressemitteilungen des Betroffenenbeirats

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